Help Music Award

Wieder Musik-Festival in Tempelhof abgebrochen

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Lorenz Vossen

Es sollte das größte Benefizfestival Deutschlands werden, doch dann wurde der "Help Music Award" im ehemaligen Flughafen Tempelhof kurzfristig abgesagt. Zurück bleiben verärgerte Künstler, Fans und Angestellte.

Der Mitarbeiter vom Hangar 2 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof hat keinen leichten Job an diesem verregneten Sonntagnachmittag. Minütlich muss er dieselben Sätze wiederholen: „Der Help Music Award ist abgesagt. Wendet euch bitte an die Veranstalter.“ Jana aus Hannover kann es nicht fassen. Sie ist extra mit dem Auto gekommen, jetzt fährt sie ohne einen ihrer Stars gesehen zu haben wieder nach Hause: „Ich bin richtig sauer und enttäuscht“, sagt sie. Sie ist nicht die einzige.

Nach dem "Berlin Festival“ ist im Flughafen Tempelhof zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen eine musikalische Großveranstaltung abgesagt worden. Eine offizielle Erklärung des Trägers, dem Help Music Verein, soll es erst am Montag geben. Auf deren Homepage werden die geringen Besucherzahlen als Grund angegeben.

Im September hatte der unkontollierte Besucherandrang vor den Einlassschleusen an den Bühnenzugängen dazu geführt, dass das "Berlin Festival" auf Anraten der Berliner Polizei von den Veranstaltern vorzeitig beendet wurde. Von einem Ansturm der Fans beim "Help Music Award" konnte diesmal jedoch nicht die Rede sein.

Als das für drei Tage geplante Festival am Freitag startete, sollten in zwei Hangars 150 Bands und DJs für den guten Zweck auftreten und engagierte Musiker aus verschiedenen Bereichen für ihr Engagement geehrt werden. „Musik schafft Brücken“ lautete das Motto. Doch ob Samy Deluxe, Sido oder die Fantastischen Vier: Von den angekündigten Stars ließen sich die wenigsten blicken. Bereits am ersten Tag mussten Hunderte Besucher in Regen und Kälte auf Einlass warten, da die Bühne noch nicht aufgebaut war. Zwei Stunden Verzögerung waren die Folge. Drinnen folgten Bands, die ohne Musik-Probe und Absprachen auftreten mussten. „Die Organisation hätte besser sein können“, formulierte es Jo Halbig von der Punkband „Killerpilze“ zurückhaltend.

Die rund 1500 Besucher konnten die riesige Halle des Hangar 2 nicht füllen, so etwas wie Stimmung kam während des gesamten Festivals kaum auf. Sonntagmorgen um drei Uhr wurde das Festival dann offiziell beendet.

Nicht nur die Konzertbesucher, sondern auch die Mitarbeiter bangen jetzt um ihr Geld. So auch Emre (Name geändert, Anm. d. Red.) , er hat auf dem Festival gearbeitet und das Organisationschaos aus nächster Nähe miterlebt. Er bezweifelt, dass er seinen ausstehenden Lohn bekommen wird. Emre berichtet von Tätigkeiten, die er verrichten musste, für die er nicht eingestellt wurde, von fehlenden Arbeitsverträgen und unzureichender Verpflegung.

Aber auch die Musiker fühlen sich getäuscht. So ist Billy Small mit seiner gesamten Crew umsonst angereist. Zu seinem Auftritt kam es erst gar nicht mehr. Über den Abbruch des Konzertes wurde er von den Festival-Veranstaltern nicht informiert. Sein Kommentar: „Das können die (die Veranstalter, Anm. d. Red.) mir bezahlen.“