Unterversorgung

In sozial schwachen Bezirken gibt es weniger Ärzte

Nach wie vor lassen sich in Berlins Brennpunktbezirken weniger Ärzte nieder als in wohlhabenderen Gegenden. In Neukölln kommt auf 1600 Einwohner ein Hausarzt. In Charlottenburg dagegen betreut ein Mediziner nur 1059 Menschen.

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In Berlin wird es weiterhin Stadtteile geben, in denen deutlich weniger niedergelassene Ärzte arbeiten als in wohlhabenderen Gegenden der Stadt. Betroffen davon sind nach Angaben der CDU-Bundestagsabgeordneten Stefanie Vogelsang unter anderem sozial schwache Bezirke wie ihr Wahlkreis Neukölln, aber auch Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick und der Stadtteil Wedding.

Nach dem neuen Finanzierungsgesetz für die Gesetzlichen Krankenkassen ist es seit Januar zwar möglich, Ärzten für eine Niederlassung in finanziell weniger attraktiven Gegenden einen Zuschlag zu zahlen. Für die Hauptstadt gelte diese Regelung aber nicht, stellte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) am Mittwoch klar. Denn Berlin sei ausreichend mit Ärzten versorgt. Es gibt rund 6800 Praxisärzte und rund 1600 Psychologische Psychotherapeuten. Vor wenige Jahren galt Berlin sogar als überversorgt mit Medizinern.

Es gibt aber auch ein Berliner Problem: Gerechnet auf die gesamte Hauptstadt mit 3,4 Millionen Einwohnern arbeiten hier zwar genug niedergelassene Ärzte. Doch beim Blick auf einzelne Stadtteile ist das Verhältnis manchmal spürbar schlechter. So kommt nach einer Aufstellung aus dem Jahr 2010 zum Beispiel auf 1600 Einwohner in Neukölln ein Hausarzt. In Charlottenburg ist ein Hausarzt rechnerisch nur für 1059 Einwohner zuständig. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Gynäkologen: In Neukölln ist ein Arzt durchschnittlich für 11 144 Frauen zuständig, in Mitte nur für 4876.

Vogelsang nennt das eine Unterversorgung mit Arztpraxen in Ballungsgebieten, die auf Bundesebene kaum wahrgenommen werde. Die Politikerin hält es für unzumutbar, dass einkommensschwache, alte und kranke Menschen aus sozial schwachen Kiezen sich einen Arzt in einem gut versorgten Bezirk suchen. Von Gropiusstadt bis Charlottenburg dauere es mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu einer Stunde. „Die Fahrkarten können manche nicht bezahlen. Und andere schaffen das körperlich gar nicht.“ Monatelange Wartezeiten auf einen Arzttermin in Wohnortnähe seien ebenfalls unzumutbar. Vogelsang räumte aber ein, dass die Lage in Berlin besser sei eine als Arztbesuche auf dem Land.

Für eine Lösung des Berliner Problems setzt Vogelsang auf ein neues Gesetz, das gerade in Vorbereitung sei. Es soll neue Ausschüsse möglich machen, in denen Vertreter der KV und des Landes sitzen. Damit würde auch den Ländern eine Steuerungsmöglichkeit bei der Zulassung von Arztsitzen gegeben, sagte Vogelsang. Überkapazitäten könnten so abgebaut und Unterversorgung entgegengewirkt werden. Ob das Gesetz in dieser Form in Kraft tritt, ist aber noch nicht sicher. Vogelsang zumindest rechnet vor der Sommerpause damit.