Wowereit-Herausforderin

Künast will Regierende Bürgermeisterin werden

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Renate Künast fordert Klaus Wowereit heraus. Sie tritt als Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2011 an. In nicht einmal drei Wochen wird Künast den Kampf ums Rote Rathaus eröffnen.

Die Spekulationen sind beendet: Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, tritt als Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2011 an. Nach Informationen von Morgenpost Online will Renate Künast ihre Entscheidung offiziell am 5. November auf einer Veranstaltung der Landespartei im Museum für Kommunikation in Mitte bekannt geben. Die Einladungen zu dem Termin sollen nach derzeitiger Planung an diesem Wochenende erfolgen. Die grünen Delegierten für den Landesparteitag erhielten die Einladung für den Termin bereits. Auch die Mitglieder der Abgeordnetenhausfraktion bekamen den Hinweis, an diesem Abend im Museum zu erscheinen.

Nach langem internen Ringen haben die Berliner Grünen damit die Planungen für eine öffentlichkeitswirksame Inszenierung Künasts als Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl abgeschlossen. Demnach soll Künast am Abend des 5. November ihre lang erwartete Kanditatur erklären. Einen Tag später, am Sonnabend fahren die Berliner Spitzenkräfte der Partei nach Gorleben, um dort gegen den geplanten Castortransport zu demonstrieren. Am 7. November wird Künast ihre erste programmatische Rede auf dem Landesparteitag der Grünen halten und das Rennen um den Kampf ums Rote Rathaus eröffnen. Offiziell will die Grünen-Führung in Berlin noch an ihrem Fahrplan festhalten und sich nicht explizit zur Spitzenkandidatur äußern.

Die Bekanntgabe der Künast-Kandidatur ist aber seit langem erwartet worden. Zuletzt hatten sich die Anzeichen für ein Antreten Künasts immer mehr verdichtet . Die grüne Spitzenpolitikerin hat zwei enge Vertraute in den Landesverband entsandt, die das knapp zehnköpfige Programmteam der Partei leiten. Der 40-jährige Peter Siller gilt als profilierter Parteistratege der Grünen. Er war Mitautor des Grundsatzprogramms der Grünen und gehörte zum Wahlkampfteam Künasts bei den Bundestagswahlen im vergangenen Jahr. Andreas Schulze (46) leitete zuletzt die Kampagne des Kandidaten Joachim Gauck zur Wahl des Bundespräsidenten und war Künasts Pressesprecher in ihrer Zeit als Verbraucherschutzministerin.

Künast ist bereits auf zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt präsent. Jüngst sprach sie anlässlich des Ausbildungsabschlusses von 800 Handwerkslehrlingen bei dem Festakt der Innungen auf dem Flughafen Tempelhof. In der kommenden Woche diskutiert sie mit dem Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer, und dem Handwerkspräsidenten Stephan Schwarz auf der „Zukunfts-Werkstatt Green Economy“ über die Chancen Berlins, mit erneuerbaren Energien die Wirtschaft zu stärken.

Aber auch außerhalb Berlins wirbt sie für die Hauptstadt. Am 5. November hält sie in München den Schlussvortrag bei einer Städtekonferenz der Stiftung „Lebendige Stadt“. Thema ihres Vortrags: „Tolerant und kreativ – werden die Städte immer grüner?“ – bevor sie nach Berlin zur Kandidatenkür zurückreist.

Mit Künast können die Berliner Grünen eine ebenso populäre wie schlagfertige Spitzenkandidatin gewinnen. Die Berliner trauen derzeit allein der Grünen-Politikerin zu, eine ernsthafte Herausforderin für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu sein. Wenn es eine Direktwahl des Regierenden Bürgermeisters gäbe, hätte Renate Künast mit derzeit 43 Prozent Zustimmung Amtsinhaber Wowereit abgehängt (37 Prozent), ergab zuletzt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest Dimap.

Künast ist in Berlin seit Jahren politisch aktiv. Die 1955 in Recklinghausen geborene Rechtsanwältin wurde 1979 Mitglied der Alternativen Liste in West-Berlin. Sie saß von 1989 bis 2000 im Berliner Abgeordnetenhaus. Danach wechselte sie in die Bundespolitik und war 2001 bis 2005 in der rot-grünen Bundesregierung Verbraucherschutzministerin. Seit 2005 ist sie Fraktionschefin im Bundestag.