Sicherungsverwahrung

Sexualstraftäter gilt weiter als extrem gefährlich

Nachdem seine jüngste Strafe verbüßt ist, kämpft ein mehrfach verurteilter Sexualstraftäter in Brandenburg um seine Freiheit. Doch Staatsanwaltschaft und Gutachter halten den Mann weiterhin für gefährlich und fordern Sicherungsverwahrung.

Auch zehn Jahre nach seiner Verurteilung ist ein Sexualstraftäter nach Einschätzung von Experten gefährlich. Er habe einen Hang zu Straftaten und sein Handeln sei davon bestimmt, seine eigenen Interessen durchzusetzen, sagte Psychiater Matthias Lammel am Donnerstag vor dem Landgericht Potsdam. Der Gutachter empfahl die weitere Unterbringung des 43-Jährigen in der Haft. „Das, was geschehen ist, kann alles wieder geschehen“, sagte Lammel. Der Berliner Mediziner bestätigte damit die Einschätzung der Potsdamer Staatsanwaltschaft, die die nachträgliche Sicherungsverwahrung beantragt hat. Das Gericht wird voraussichtlich am 28. Oktober sein Urteil sprechen.

Der gebürtige Thüringer war zuletzt im November 2000 wegen erpresserischen Menschenraubs und Vergewaltigung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte im Frühjahr desselben Jahres eine damals 20-Jährige in Seddin (Potsdam-Mittelmark) gekidnappt und vergewaltigt. Die Strafe ist inzwischen verbüßt. Auf Anordnung des Landgerichts Potsdam wurde der mehrfach vorbestrafte Sexualtäter bislang nicht freigelassen. Nun muss die 3. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Jörg Tiemann entscheiden, ob es dabei bleibt.

Der heute 43-Jährige hat die vergangenen 20 Jahre größtenteils im Gefängnis verbracht. Immer wieder wurde er wegen Vergewaltigungen und Diebstählen verurteilt, die Abstände zwischen den Taten wurden immer kürzer. „Obwohl es nach der Haft immer Hilfsangebote gab“, betonte Lammel. „Voraussetzungen für eine günstige Kriminalprognose sind nicht gegeben“, ergänzte der Forensiker Hans-Ludwig Kröber. „Er trägt ein hohes Risiko in sich, weitere Delikte zu begehen.“ Dies belege auch das Verhalten des Täters im Vollzug: Auch dort beharre er auf seiner Position, nach eigenem Recht handeln zu dürfen.

Eine Persönlichkeitsstörung, die medizinisch begründet ist, schlossen beide Gutachter aus. Sie gehen vielmehr von menschlichen und sozialen Defiziten aus. Die Sexualdelikte seien ein Ausdruck dafür, dass er seine Bedürfnisse durchsetzen wolle. Sein Sexualverhalten sei von Macht bestimmt.

In den vergangenen 20 Jahren hat der gelernte Chemiefacharbeiter immer wieder Frauen brutal überfallen. So hat ihn das damalige Bezirksgericht Leipzig 1992 unter anderem zu sechs Jahren und acht Monaten verurteilt, weil er im Juli 1991 zwei Mädchen gekidnappt und über Stunden hinweg in einer Gartenlaube festgehalten hat. Er bedrohte seine Opfer mit einer Schreckschusspistole und vergewaltigte eines von ihnen. Kurze Zeit zuvor hatte er sich laut Urteil in einem Zug an einem Mädchen vergangen. Bei einer weiteren Tat überfiel er eine Radfahrerin, fesselte sie und verging sich an ihr.

Zeugen beschrieben den 43-Jährigen im aktuellen Prozess als aggressiv und gewalttätig. „Er wirkte auf mich immer angespannt“, sagte ein Vollzugsbeamter des Gefängnisses Brandenburg/Havel. Während der Zeit dort wurden den Angaben zufolge auch gefährliche Gegenstände wie ein aus einem Bleistift und einer Rasierklinge gefertigtes Messer bei ihm gefunden. „Er war einer der schwierigeren Gefangenen“, meinte ein Kollege aus der Anstalt Berlin-Tegel. Vollzugsbeamte berichteten von ständigen Auseinandersetzungen. Auch eine ernsthafte Motivation zur Therapie habe gefehlt, erklärte ein Arzt aus dem Maßregelvollzug, in dem der Mann einige Monate war.