Bewährungsstrafe

Jugendlicher Drogendealer verurteilt und doch frei

Über Monate narrten angeblich minderjährige und damit strafunmündige Drogenhändler die Berliner Polizei, gaben ihr Alter mit 13 Jahren an. Dann belegten gerichtsärztlich Gutachten, dass sie älter sind. Einer dieser Dealer stand jetzt vor Gericht und verließ es als freier Mann.

Als angeblich erst 13 Jahre alter Drogendealer hatte ein junger Araber in Berlin über Wochen Schlagzeilen und politische Diskussionen ausgelöst. Ein Berliner Amtsgericht hat den tatsächlich einige Jahre älteren Angeklagten Hassan El-F. am Montag wegen Drogenhandels und Widerstandes zu 18 Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Es ging konkret um acht Drogendelikte und zweimal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Nach Angaben eines Gerichtssprechers ging das Jugendgericht zu Gunsten des Dealers von einem Alter von höchstens 17 Jahren aus. Ein Altersgutachten hatte im September 2010 ausgeführt, der Angeklagte sei mindestens 21 und somit erwachsen. Das Gericht unterstellte ihn einem Bewährungshelfer.

Der Prozess gegen Hassan El-F. war aus Jugendschutzgründen weitgehend nicht öffentlich. Zwischen Juli 2009 bis Juli 2010 soll der Kleindealer zumeist an U-Bahnhöfen in Kreuzberg und Neukölln mit Szenekügelchen Heroin gehandelt haben. Nach Angaben eines Gerichtssprechers habe der Jugendliche auch rund 63 Gramm Heroin zum Verkauf gebunkert. Bei seinen vorläufigen Festnahmen habe er Widerstand geleistet und Heroinkügelchen verschluckt.

Die Polizei musste den vermeintlichen Dealer mehrfach laufen lassen. Er hatte stets erklärt, er sei als unbegleitetes Kind aus dem Libanon gekommen und sei erst 13 Jahre alt. Papiere hatte er nie bei sich. Aus Jugendhilfeeinrichtungen war er nach einer Mitteilung der Berliner Staatsanwaltschaft regelmäßig in die Drogenszene abgetaucht. Nach Zweifeln an seinen Altersangaben hatte die Staatsanwaltschaft schließlich ein Gutachten beauftragt. Erst ab 14 Jahren können Täter strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden.