Islamkritik

Höchste Sicherheitsstufe für den Wilders-Besuch

Sein Besuch in Berlin wird behandelt wie ein Staatsgeheimnis. Wo der niederländische Islamkritiker Geert Wilders am Samstag auftreten wird, sollte geheim bleiben. Nun teilten die Veranstalter den Ort mit.

Großes Polizeiaufgebot, höchste Sicherheitsstufe, Gegendemonstrationen: Mit so einem Rummel hatte René Stadtkewitz sicher nicht gerechnet, als er im Juli bei einem Besuch in Den Haag den Politiker und Islamkritiker Geert Wilders nach Berlin einlud. Er konnte nicht ahnen, dass Wilders heute bei seinem ersten offiziellen Auftritt in Deutschland in seiner Heimat den Niederlanden gerade zum starken Mann der Politik wird, weil seine „Partei für die Freiheit“ die niederländische Minderheitsregierung stützen soll.

Und er konnte nicht ahnen, dass Thilo Sarrazins umstrittene Thesen zur Integration die Debatte um die Islamkritik gerade hochbrisant machen. Nun wird über den Pankower Abgeordneten Stadtkewitz, der unter anderem wegen der Einladung an Wilders aus der CDU-Fraktion ausgeschlossen worden war, und seinen berüchtigten Gast in allen Medien berichtet. Presse aus ganz Europa hat sich angemeldet und sogar die Kanzlerin hat sich kritisch zu Wort gemeldet. „Es ist nicht unsere Art, Religionen in Bausch und Bogen zu verdammen“, sagte ihr Sprecher gestern mit Blick auf den Islamkritiker Wilders.

Mordaufrufe von Hasspredigern im Internet

Der Ort, an dem Geert Wilders in Berlin auftreten soll, war wochenlang ein so gut gehütetes Geheimnis, dass bis zuletzt nichts durchsickerte. Erst kurz vorher sollten die rund 550 angemeldeten Teilnehmer und Journalisten per E-Mail benachrichtigt werden, wo sie sich einfinden sollen. Am Sonnabendvormittag teilten die Veranstalter mit, dass Wilders im Hotel Berlin am Lötzowplatz spricht.

Die Sicherheitskontrollen werden als „zeitaufwendig“ angekündigt, deshalb sollen die Teilnehmer mindestens eine Stunde vor Beginn am Veranstaltungsort sein. Wilders hat angekündigt, über „Die Gefahr des Islam als totalitäre Ideologie“ zu sprechen. Und er will für seine internationale Allianz von Islamgegnern werben.

Mehrere Sicherheitsebenen sollen dafür sorgen, dass Geert Wilders, gegen den angeblich Mordaufrufe von islamistischen Hasspredigern im Internet kursieren, seinen Auftritt in Berlin heil übersteht. Wilders trägt nach eigenen Angaben stets eine kugelsichere Weste, seine Leibwächter hat er auf jeden Fall dabei. Für die Veranstaltung ist ein privater Sicherheitsdienst engagiert worden.

Gegendemonstrationen müssen schnell reagieren

Bei der Polizei läuft der Termin mit dem Niederländer in der höchsten Sicherheitskategorie und der Staatsschutz ist wie immer, wenn es um Politisches geht, mit dabei. Sobald der Ort bekannt ist, müssen die Gegendemonstranten vom Aktionsbündnis „Rechtpopulismus stoppen“ blitzschnell reagieren und die heiße Phase in der Organisation der Aktion „Protestieren, Hinsetzen, Blockieren“ beginnen: Via SMS, Internetdienst Twitter und Telefonkette die Gegendemonstranten mobilisieren, die Anti-Wilders-Aktion an den Ort des Geschehens leiten. „Das wird schwierig. Aber wir dürfen rassistische Parteien nicht durch Duldung hoffähig machen“, sagt Dirk Stegemann, Sprecher von „Rechtspopulismus stoppen“. Unterstützt wird er von den Grünen, der SPD, den Linken und den Gewerkschaften.

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