Bestseller

Umstrittenes Buch macht Sarrazin zum Millionär

Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" ist ein Bestseller: Die aktuelle Auflage liegt um das Vierzigfache über der Startauflage. Für den Autor ist das umstrittene Werk ein Millionengeschäft.

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Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" hat inzwischen eine Druckauflage von 1,1 Millionen erreicht - innerhalb von fünf Wochen seit Erscheinen. Es ist die inzwischen 14. Auflage. 922.000 Exemplare wurden an den Buchhandel ausgeliefert, heißt es bei Sarrazins Verlag Deutsche Verlagsanstalt, einem Unternehmen des Verlagskonzerns Random House, der zu Bertelsmann gehört. Nachdem der Verlag eine Zeit lang nicht liefern könnte, hat er nun noch eine Reserve von 100.000 Exemplaren des Buches. der erfolg kam mehr oder minder überraschend: Die Startauflage lag gerade einmal bei 25.000 und musste binnen kürzester Zeit deutlich erhöht werden.

Thilo Sarrazin hat nach Verlagsangaben bei der DVA ein "normalen Autorenvertrag". Demnach erhält ein Autor zehn bis 13 Prozent vom Verkaufspreis - das Sarrazin-Buch kostet im Handel 22,99 Euro. Der Autor bekommt, je nach Vereinbarung, bis zu drei Euro pro Buch. Würde die komplette Handelsauflage von derzeit 922.000 Exemplaren verkauft, wäre Sarrazin Umsatzmillionär, mit Einnahmen im Bereich zwischen rund 2,1 und 2,7 Millionen Euro. Kann der Verlag die komplette Auflage des Sarrazin-Buches inklusive Reserve absetzen, käme Sarrazin auf Einnahmen von 2,5 bis 3,3 Millionen Euro - die er allerdings noch versteuern müsste.

Dass auch die 14. auflage noch komplett verkauft wird, ist nicht unwahrscheinlich. In der Bestseller-Liste des Buchhandel-Fachmagazins "Buchreport" steht "Deutschland schafft sich ab" seit Wochen an der Spitze. Das Ranking wird erhoben, indem Warenwirtschaftssysteme von rund 350 Buchhändlern abgefragt werden. Diese Händler wurden so ausgewählt, dass sie repräsentativ für den gesamten deutschen Buchhandel sind.

Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand Sarrazin hatte sein Buch am 30. August präsentiert. Seine Thesen lösten eine Debatte aus und auch Kritik an Sarrazin - seine Argumente seien nicht mit dem Amt eines Vorstandsmitglieds der deutschen Notenbank vereinbar. Zuvor bereits hatte sich Sarrazin in einem Interview kritisch zum den Themen Migration und Integration geäußert und war dafür angegriffen worden. Schließlich erklärte Sarrazin freiwillig seinen Rückzug aus dem Vorstand der Bundesbank. Vorangegangen waren Verhandlungen zwischen dem Bundespräsidialamt und Sarrazins Anwalt.

Bundespräsident Christian Wulff, der die Abberufung Sarrazins hätte verfügen können, geriet zwischenzeitlich in die Kritik, nachdem er sich zum Fall Sarrazin in einer Weise geäußert hatte, die als Handlungsaufforderung in Richtung Bundesbank-Vorstand interpretiert werden konnte. Auch die Bundeskanzlerin hatte Sarrazin kritisiert. Die SPD will ihr Mitglied Sarrazin ausschließen.

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