1.Mai-Krawalle

Wurfgutachten soll Angeklagten entlasten

Mehrere Flaschen soll ein 28-jähriger Berliner am 1. Mai gezielt auf Polizisten geworfen haben. Wegen einer Verletzung könne er aber keine 15 Meter werfen, sagt jetzt ein Rechtsmediziner vor Gericht.

Im Prozess gegen einen Berliner, der sich an den diesjährigen Mai-Krawallen beteiligt haben soll, hat die Verteidigung am Freitag ein Gutachten eines Sportmediziners gefordert. Die Anwältin will mit einem Spezialgutachten der Universität Leipzig beweisen, dass der 28-Jährige nicht für die ihm angelasteten Flaschenwürfe auf Polizisten infrage kommt, weil er einmal einen schweren Unfall hatte.

An diesem Freitag wurde vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten eine Rechtsmedizinerin angehört, die wegen der Verletzung des Angeklagten 20 Meter weite Würfe von hinten über die Schulter ausschloss. Auch 15 Meter seien nicht wahrscheinlich, erklärte die Zeugin. Genauere Messungen seien in Berlin nicht möglich. Dafür seien spezielle Geräte erforderlich. Die Medizinerin hatte den derzeit arbeitslosen Elektroniker untersucht.

Ein Polizist hatte eigenen Angaben nach beobachtet, dass der Angeklagte bei den Krawallen in Berlin-Kreuzberg gezielt drei Glasflaschen in Richtung der Polizeikräfte warf. Eine Verwechslung hatte der damals in Zivil gekleidete Beamte ausgeschlossen.

Insgesamt waren die diesjährigen Ausschreitungen in der Hauptstadt weniger gewalttätig als 2009. Rund hundert Beamte wurden verletzt. Im Vorjahr waren es 500. In weiteren Prozessen sind Steinewerfer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.