"We Will Rock You"

Die Queen-Show geht in Berlin weiter

Das Musical "We Will Rock You" kommt nach Berlin. Es erweist sich schon im Voraus als Publikumsmagnet. Roger Taylor und Brian May von Queen feiern die Vorpremiere mit 300 Fans im Theater des Westens.

Ein heißer Tee mit Honig und die Ansage „Sprechen Sie bitte lauter!“ ist nicht wirklich das, was man bei einem Treffen mit einer Rock-Ikone wie Roger Taylor erwartet. Dass der Schlagzeuger der legendären britischen Band Queen gestern schlecht hörte, war weder das Ergebnis von mittlerweile 39 Jahren Musiker-Dasein noch vom Höllenlärm, den 300 Queen-Fans am Nachmittag vorm Theater des Westens machten. Es lag einfach nur an einer Erkältung und den Auswirkungen eines Mittelstreckenfluges.

„Ich komme gerade von der Premiere in Stockholm, es war fantastisch“, sagte der 61-Jährige euphorisch und meinte damit das Queen-Musical „We Will Rock You“. Das läuft seit seiner Uraufführung im Mai 2002 im Londoner Dominion Theatre nicht nur an der Themse stets vor ausverkauftem Haus, sondern feiert auch weltweit Erfolge. In Deutschland startet das Musical mit den 25 Welthits von „A Kind of Magic“ bis „We Are The Champions“ – nach Stationen in Köln und Stuttgart am 21. Oktober in Berlin, im Theater des Westens. Grund genug für Roger Taylor und seinen Bandkollegen Brian May sowie den Schreiber des Stückes Ben Elton für eine Vorfeier – mit Fans.

Schon in den 90er-Jahren hatte Jim Beach, der langjährige Manager der Band, einige Songs aus der Fülle des Queen-Repertoires für die Theaterbühne adaptieren wollen. Ursprünglich sollte die Lebensgeschichte des schillernden Sängers Freddie Mercury erzählt werden, der 1991 an Aids gestorben ist. „Ich hielt das für falsch. Ein Queen-Musical muss die ganze Band charakterisieren“, sagte gestern der Schriftsteller und Comedy-Autor Ben Elton, der TV-Kult-Serien wie „Black Adder“ schuf und bereits mit Musical-Großmeister Andrew Lloyd Webber zusammengearbeitet hat. Die zündende Idee kam ihm beim Spaziergang, als er seine Zwillinge Bert und Lottie (heute elf Jahre alt) im Kinderwagen durch den Londoner Regent Park schob. So spielt das Musical in der Zukunft, im Jahr 2040. Die Erde ist längst in ‚Planet Mall’ umbenannt, die Globalisierung hat ihre Spuren hinterlassen. Vor allem ein Konzern namens Globalsoft bestimmt das Leben. Live-Musik ist verboten, alle Musikinstrumente sind verbannt. Nur synthetische Computerklänge erklingen in der schönen neuen Welt. Widerstand scheint zwecklos, bis die Teenager Galileo und Scaramouche der Musikmonotonie entgegen wirken.

Geburtstags-Wunsch: "Am Leben bleiben"

„Freddie würde das Musical mögen, denn er war selbst sehr theatralisch. Er liebte auch Ballett. Er war da sehr offen, offener als ich“, erklärte Roger Taylor, der früher keine Musicals mochte. „Ich war ein Rockmusiker. Bei Musicals stehen Menschen auf der Bühne und fangen grundlos zu singen an, als Kind habe ich das gehasst. Als wir angefangen haben, ,We Will Rock You’ umzusetzen, wollten wir es anders machen. Natürlicher, rockiger“, erzählte Roger Taylor, der in Gedanken in Umzugskartons steckte: „Ich habe mir gerade ein anderes Appartement in London zugelegt, bin mitten im Umzug. In meinem alten Haus gab es zu viele Treppen.“ Auch Brian May war mit dem Kopf in der Heimat. Gestern erschien in England das Debüt-Album von Kerry Ellis, einer jungen Sängerin, die der 63-Jährige produziert: „Ich gebe mein Wissen gern weiter.“ Auch an seine Tochter Emily, die ihrem Vater in Berlin über die Schulter schaute. Die studierte Biologin möchte Musical-Sängerin werden. Daddys Band feiert nächstes Jahr bereits 40-jähriges Bestehen. Roger Taylors „Geburtstags“-Wunsch ist: „Am Leben bleiben“, wie er mit einem breiten Lachen erklärt. Taylor freut der Fan-Auflauf im Theater des Westens: „Es ist fantastisch, dass die Leute immer noch an unserer Musik interessiert sind.“Auch ohne den charismatischen Frontmann. „Ich vermisse ihn immer – menschlich und beruflich. Er war ziemlich lange ein großer Teil meines Lebens. Wir waren eine Band, wir sind zusammen berühmt geworden. Freddie hat eine große Lücke hinterlassen. Brian und ich haben öfter das Gefühl, dass er in einer Ecke des Raumes steht.“

Ein Grab gibt es nicht. „Keiner weiß, wo seine Asche liegt, obwohl ich ahne, wo sie sich befinden könnte. Ich habe Erinnerungen an ihn, das ist wichtiger.“ Die hat auch Ben Elton, der Freddie Mercury 1986 auf einer Party traf: „Ich sehe diese Szene noch genau vor mir. Er stand da mit diesem wundervollen Überbiss und sprach mit seiner Mutter, prostete mir mit seinem Glas quer durch den Raum zu, als wollte er sagen ‚Ich mag, was Du machst.’ Er meinte damit meine Comedy. Es war eine nette Geste, die rückblickend betrachtet, so viel mehr bedeutet.“