Denkmal-Umzug

Marx und Engels müssen U-Bahn weichen

Die beiden Vordenker des Kommunismus ziehen um. Das Denkmal muss Platz machen, weil die U-Bahn-Linie U5 ausgebaut wird. Als erster war Friedrich Engels dran.

Friedrich Engels kann sich nicht trennen. Nach 24 Jahren soll er seinen Platz an der Seite von Karl Marx verlassen. Doch irgendetwas hakt. Mit dem Trennschleifer werden die beiden Vordenker des Kommunismus schließlich brachial getrennt. Um 13.16 Uhr baumelt Engels am Haken – eingepfercht in ein Gestell auf Stahlträgern, gefesselt mit Spanngurten. Um seinen empfindlichen Kopf zu schützen, haben ihm Arbeiter Decken darüber gelegt. Engels sieht aus wie ein zum Tode Verurteilter. Dabei soll er nur zeitweise umziehen. Fast lautlos schwebt die zwei Tonnen schwere Skulptur auf ihren Abstellplatz. Nur das Klicken der Kameras und das leise Surren des Autokrans sind zu hören.

Am Dienstag hat der mehrfach verschobene Umzug des Denkmals auf dem Marx-Engels-Forum nahe dem Roten Rathaus endlich begonnen. Am Mittwoch wird mit Karl Marx der zweite Teil des Philosophen-Duos von seinem Sockel gehoben. Gemeinsam werden sie dann auf einen Tieflader geladen und die wenigen Meter zu ihrem neuen Standort nahe der Karl-Liebknecht-Straße gefahren. Ein paar Meter nach Westen geht es für Marx und Engels. Und – das ist ebenfalls neu – in den kommenden sieben Jahren werden sie erstmals auch nach Westen blicken.

300.000 Euro lassen sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Umzug des Denkmalensembles samt Stahlstelen, Marmor- und Bronzereliefs kosten. Schon am Dienstag soll die Marx-Engels-Gruppe auf ihrem neuen Standort montiert werden. In ein bis zwei Wochen soll das gesamte Ensemble an seinem neuen Standort komplett sein, verspricht BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Das 1986 eröffnete Denkmal muss Platz machen, weil die Verkehrsbetriebe in der Nähe das größte und umstrittenste U-Bahn-Projekt der vergangenen Jahre in Angriff nehmen. Bis 2017 soll die U-Bahnlinie U5 fertig sein und den Alexanderplatz mit dem Brandenburger Tor verbinden. Drei neue Bahnhöfe entstehen und ein Tunnel unter dem Boulevard Unter den Linden. Kosten insgesamt: 433 Millionen Euro. Das Marx-Engels-Forum benötigt die BVG nach eigenen Angaben für den Aufbau der Baulogistik. Gleich nebenan entsteht vom kommenden Jahr an die riesige Baugrube, in die die Maschine für den Tunnelbau eingelassen wird.

Und was wird aus Marx und Engels, wenn die U-Bahn fertig ist? Über die künftige Gestaltung des Forums wird in den kommenden Jahren wohl noch heftig debattiert werden, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bereits im April ankündigte. Falls am Ende alles so aussehen soll wie bisher, schafft die BVG dafür zumindest schon jetzt die Voraus8setzungen. "Jeder Pflasterstein, den wir hier entnehmen, wird eins zu eins erfasst und protokolliert", sagt BVG-Projektleiter Jörg Seegers.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.