"The American"

Anton Corbijn feiert Filmpremiere in Berlin

Mit seinen Fotos hat Anton Corbijn das Image von Depeche Mode, Herbert Grönemeyer und ganz besonders von U2 geprägt. Parallel dreht er erfolgreich Musikvideos - und mit "Control" seinen ersten Kinofilm. Nun feierte er in der Berliner Kulturbrauerei Premiere seines zweiten Werks "The American".

Foto: dpa

Er ist der Haus- und Hoffotograf der britischen Band U2 und wird daher nicht ohne Grund das „fünfte Bandmitglied“ genannt. Starfotograf und Regisseur Anton Corbijn war mit der Band auf Tour, drehte ihre Videos und designte Plattencover – sein Stil hat ihr Image geprägt. Heute zählt er zu den bekanntesten Fotografen der Welt. Und es gibt kaum einen berühmten Musiker, den er nicht vor der Linse gehabt hätte: Ob David Bowie, die Rolling Stones, Grace Jones oder auch Herbert Grönemeyer – sie alle wurden von dem 55-Jährigen in Szene gesetzt. Grönemeyer schrieb nun die Filmmusik zu Corbijns zweiten Film „The American“ (Filmstart am 16. September), der am Dienstag in Berlin Premiere feierte.

Entspannt und bestens gelaunt kamen Grönemeyer und Corbijn gemeinsam ins Kino in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. „Wir sind sehr gute Freunde und kennen uns seit zweiundzwanzig Jahren“, sagt Corbijn. Und, dass er Grönemeyer wahrlich nicht überreden musste, für seinen zweiten Film die Musik zu schreiben. „Wir haben schon so viele Projekte gemeinsam gemacht, dass es mir ganz natürlich erschien, auch bei diesem Film zusammen zu arbeiten“, sagte Corbijn. Grönemeyers Musik sei wunderschön und gebe dem Film in vielen Szenen noch sehr viel mehr Tiefe. Er liebe Grönemeyers Musik-Stil. „Wenn ich durch meine Wohnung laufe, erwische ich mich oft dabei, wie ich eine dieser Grönemeyer-Melodien summe“, so der Regisseur.

Dass sich Grönemeyer mit Filmmusik auskennt, bewies der 54 Jahre alte Sänger schon häufig. Bereits 1987 erhielt er für seine Musik zum Film „Sommer in Lesmona“ den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Grönemeyer und Corbijn sind ein eingespieltes Team. Schon an Corbijns Debütfilm „Control“ war Grönemeyer beteiligt. „Ja, ich hatte einen Mini-Auftritt“, sagt Grönemeyer lachend. Der sei zwar nicht länger als zehn Sekunden gewesen, dennoch sei er es gewesen, der Corbijn bei dem gesamten Projekt unterstützte. „Ich habe den Film mitfinanziert“, so Grönemeyer. „Control“ erzählt die Geschichte des lebensmüden Sängers Ian Curtis der Band Joy Division Anfang der 80er-Jahre und wurde von Zuschauern und Kritikern hochgelobt. Das neue Corbijn-Werk ist nun ein Thriller, und die Hauptrolle spielt kein Geringerer als Oscar-Preisträger George Clooney. Clooney mimt einen amerikanischen Auftragskiller, der aussteigen will. Und der 49-Jährige überrascht in der Rolle des Jack: Einen so düsteren und verschlossenen Charakter wie den des Killers spielte er noch nie. An seiner Seite die holländische Schauspielerin Thekla Reuten. Für sie ist Clooney eine Ikone. „Er hat einfach unglaublich viel Erfahrung. Das spürt man auch am Set“, sagt Reuten. Clooney sei in der Realität genau so charmant, witzig und gut aussehend wie im Film. Und, weiß sie, warum der begehrte Womanizer nicht mir zur Premiere nach Berlin gekommen ist? Reuten zwinkert verschmitzt mit den Augen: „Oh, ich habe ihn nur für mich ganz allein an einem geheimen Ort versteckt.“

Rückkehr nach Berlin

Dass hingegen Regisseur und Starfotograf Anton Corbijn ganz selbstverständlich zu der kleinen, eher bescheidenen Feier kam, liegt sicherlich auch daran, dass er eine langjährige Verbindung zu der deutschen Hauptstadt hat. Einen absoluten Höhepunkt des Kults um die Werke Corbijns in Berlin konnte man bei seiner Fotoausstellung „U2 & i“ in der Galerie C/O vor gut fünf Jahren beobachten. Bereits Stunden, bevor die Türen für die Vernissage geöffnet wurden, standen die Besucher Schlange – vielleicht nicht nur wegen Corbijns Bildern von der Band U2. Viele spekulierten auf einen Überraschungsbesuch der vier Musiker. Die hatten nämlich tags zuvor im Olympiastadion gespielt. Doch Sänger Bono ließ sich nicht blicken, lediglich Bassist Adam Clayton schaute vorbei. Hysterie lag dennoch in der Luft, und Anton Corbijn gab mit seinem Freund Wim Wenders, der die Ausstellung mit eröffnete, Autogramme. Kurz nach der Eröffnung musste der Innenhof wegen Überfüllung geschlossen werden. Und es gibt noch eine frühere Geschichte von Corbijn und Berlin: Innerhalb von zwei Monaten drehte er im Frühjahr 1992 drei verschiedene Videos für die U2-Single „One“. Die erste Version produzierte Corbijn in Berlin, wo in den Hansa Tonstudios auch ein Großteil der U2-Platte „Achtung Baby“ aufgenommen wurde.

Heute arbeitet Herbert Grönemeyer gemeinsam mit seinem Produzenten Alex Silva in eben jenen legendären Hansa Tonstudios. „Ja, ich bin oft in Berlin“, so Grönemeyer. Er pendele zwischen Berlin und London hin- und her. An Berlin faszinierten ihn die großen Straßen, die Weite, die Luft, den Himmel und das gute Vollkornbrot.

Auf die Frage, ob er denn jetzt in allen Corbijn-Filmen irgendeine Rollen spielen werden, sagte Grönemeyer: „Nö, das ist dann doch zu delikat“. Immerhin seien er und Corbijn enge Freunde und da sei so eine Zusammenarbeit auch immer mit einem Risiko verbunden. „Wir haben uns vor der Arbeit an ,The American' versprochen, dass wir, falls es nicht gut funktioniert, auf gar keinen Fall unsere Freundschaft aufs Spiel setzten“, so der Musiker. Schließlich sei das allemal wichtiger als der Job.