Uwe K.

Berlin hat neuen Fall von Sicherungsverwahrung

Nach seiner Entlassung hat Uwe K. wieder Kinder vergewaltigt. Nun muss er erneut ins Gefängnis - für zehn Jahre, so das Urteil. Doch diesmal wird der Sexualtäter wohl nicht mehr frei kommen.

Eine Moabiter Strafkammer hat den Sexualtäter Uwe K. zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Anschließend soll der 46-Jährige in der Sicherungsverwahrung untergebracht werden.

Die Vorwürfe gegen den mehrfach einschlägig vorbestraften Angeklagten lauteten unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und sexuelle Nötigung. Außerdem wurden ihm zahlreiche Verstöße gegen Weisungen der Führungsaufsicht nachgewiesen. So sollte er Schulhöfe und Kinderspielplätze meiden. Er durfte keine alkoholischen Getränke konsumieren. Zudem waren ihm jegliche Kontakte „zu fremden minderjährigen weiblichen Personen“ verboten.

Kinder im Badezimmer vergewaltigt

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass K. trotz dieser Auflagen immer wieder Kinder angesprochen und sie in seine Wohnung in Spandau gelockt haben soll. Im Sommer 2008 habe er ein elfjähriges Mädchen und im Frühherbst 2009 ein zehnjähriges Mädchen in seinem Badezimmer vergewaltigt. Die Zehnjährige soll er dabei mit einem Messer bedroht haben. Beide Kinder leiden nach Angaben ihrer Anwältinnen auch heute noch an den psychischen Folgen dieser Vergewaltigungen. In einem weiteren Fall kam es zu einer sexuellen Belästigung einer 18-Jährigen.

Der Angeklagte habe einen Hang zu erheblichen Straftaten, sagte der Vorsitzende Richter Uwe Nötzel bei der Urteilsbegründung. Uwe K. sei „auch nicht gewillt, sich mit seinen erheblichen Straftaten auseinanderzusetzen“. Die Kammer schließe sich der Einschätzung des forensischen Psychiaters Matthias Lammel an, dass bei Uwe K. „auch künftig mit schweren Straftaten gerechnet werden“ müsse und er „eine Gefahr für die Allgemeinheit“ sei. Deswegen, so Richter Nötzel, sei die anschließende Einweisung in die Sicherungsverwahrung nach derzeitiger Einschätzung auch unumgänglich.

Uwe K., aufgewachsen im brandenburgischen Falkensee, war Anfang der 90er-Jahre erstmals wegen seiner sexuellen Neigung zu Mädchen und sehr junge Frauen auffällig geworden. 1996 verurteilte ihn das Landgericht Potsdam wegen zahlreicher Sexualstraftaten zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Nachdem weitere ähnliche Taten herausgekommen waren, wurde er 1998 zu einer Gesamtstrafe von elf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Außerdem verfügten die Richter damals schon, dass er anschließend in der Sicherungsverwahrung untergebracht werden solle. Dieser Teil des Urteils wurde jedoch vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Grund war eine Gesetzeslücke: Im DDR-Strafrecht gab es keine Sicherungsverwahrung, und der Einigungsvertrag schloss diese Sanktion für das sogenannte Beitrittsgebiet aus.

Experten warnten vor seiner Entlassung

Im Januar 2007 wurde Uwe K. aus der Haft entlassen. Experten warnten damals schon, dass er rückfällig werden könne. Der Versuch, den noch immer seine Unschuld beteuernden Mann in der geschlossenen Psychiatrie unterzubringen, scheiterte. Ein Gericht stellte fest, dass K. zwar offenbar hoch gefährlich, aber eben nicht geisteskrank sei und deswegen auch nicht mehr gegen seinen Willen in der Psychiatrie weggesperrt werden könne.

Uwe K. stand nach seiner Entlassung aus der psychiatrischen Klinik jedoch unter Führungsaufsicht. Er wurde – zumindest zeitweise – von Polizeibeamten observiert, musste regelmäßig einen Bewährungshelfer aufsuchen und sich zweimal im Monat bei einer forensisch-therapeutischen Ambulanz melden. Bei diesen Kontakten habe der Angeklagte jedes Mal angegeben, „ein zurückgezogenes Leben zu führen“, sagte Richter Nötzel. Er habe auch behauptet, dass er sich konsequent von Kindern fernhalte.

Tatsächlich habe der Angeklagte jedoch sehr geschickt Beziehungen zu Kindern aufgebaut. Dabei habe er sich ganz bewusst in einem sozial schwachen Milieu umgeschaut und Kontakte mit alleinerziehenden Müttern geknüpft, sagte Nötzel. Er habe mit den Kindern gespielt, sie mit Spielekonsolen in seine Wohnung gelockt, ihnen auch zu essen gegeben und mit ihnen sogar Hausaufgaben gelöst – und sich so „den Boden geschaffen, seinen sexuellen Drang auszuleben“.

Der Angeklagte, so Nötzel, sei voll schuldfähig. Es könne bei ihm auch nicht von Pädophilie gesprochen werden. Aber er habe „die fest verwurzelte Neigung, sich Gelegenheiten für Sexualkontakte mit Mädchen zu schaffen“.

Mangelhafte Kontrolle

Uwe K. hatte auch im aktuellen Prozess die Vorwürfe bestritten, aber einige Verstöße gegen die Weisungen der Führungsaufsicht zugegeben. Die beiden vergewaltigen Mädchen, so der Angeklagte, hätten einfach nur gelogen. Richter Nötzel erklärte, auch das sei genau geprüft worden. Das Gericht sei jedoch zu dem sicheren Schluss gekommen, „dass die Kinder die Wahrheit sagen“. Bestätigt worden sei das von der renommierten Expertin für Aussagepsychologie Renate Volpert.

Die Anwältin Christine Clemm bemängelte, dass der Sexualtäter nicht konsequent genug kontrolliert worden sei. Die eingesetzten Beamten seien „hoch motiviert“ gewesen, aber die Ressourcen hätten offenbar nicht ausgereicht, so die Anwältin, die eines der vergewaltigten Mädchen vor Gericht