Prozess

Mai-Krawalle - Gericht bestellt "Wurfgutachten"

Mehrere Flaschen soll ein 28-jähriger Berliner am 1. Mai gezielt auf Polizisten geworfen haben. Seine Verteidigerin gab jetzt vor Gericht an, dass er dazu gesundheitlich gar nicht imstande sei.

Ein Berliner, der als Randalierer bei den diesjährigen Mai-Krawallen angeklagt ist, kann nach Angaben seiner Verteidigerin aus gesundheitlichen Gründen gar keine Flaschen werfen. Die Anwältin legte am Mittwoch im Prozess vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten ein Attest vor, wonach der Mann als Folge eines schweren Unfalls mit bleibenden Schäden keine Kraft zu solchen Würfen habe. Das Gericht bestellt jetzt einen Sachverständigen, der den 28-Jährigen untersuchen soll.

Er soll am Abend des 1. Mai im Bezirk Kreuzberg drei Flaschen in Richtung von Polizisten und einem Einsatzfahrzeug geschleudert haben. Verletzt wurde niemand. Zum Auftakt seines Prozesses hatte der Mann die Aussagen zum Vorwurf des schweren Landfriedensbruchs verweigert.

Ein Polizist, der sich in Zivil unter die zum Teil gewalttätigen Demonstranten gemischt hatte, hat eigenen Angaben nach sämtliche Würfe beobachtet. Der 36-jährige Beamte schloss eine Verwechslung aus. Er sei zu „hundert Prozent“ sicher, dass der Angeklagte der Werfer ist, erklärte der Zeuge im Prozess. Der Angeklagte habe gezielt geworfen. Er habe den Mann bis zur Festnahme im Auge gehabt. Sein Kollege bestätigte die Aussagen.

Insgesamt waren die diesjährigen Ausschreitungen in der Hauptstadt weniger gewalttätig als 2009. Rund hundert Beamte wurden verletzt. Im Vorjahr waren es zirka 500. In weiteren Prozessen sind Steinewerfer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Zwei Jahre Haft mit Bewährung erhielt auch ein Rädelsführer. Der 23-jährige Mann hatte 18 Wurfgeschosse gegen Polizisten, hauptsächlich aber deren Fahrzeuge geschleudert.

Der Prozess wird am 17. September fortgesetzt.