Haftbefehl

Erstochen - Ehefrau wollte sich von Mann trennen

Der Ehemann der aus der Spree geborgenen Toten steht unter dem dringenden Verdacht, seine Frau erstochen zu haben. Es heißt, die Mutter von vier Kindern habe sich scheiden lassen wollen. Doch Faricin M. schweigt.

Foto: Steffen Pletl

Der 34 Jahre alte Ehemann der getöteten Deutsch-Türkin Gülsen M. befindet sich jetzt in Untersuchungshaft. Dienstagnachmittag hatte ein Richter einen Haftbefehl wegen Totschlags erlassen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Angaben von Justizsprecher Martin Steltner hat sich der Beschuldigte bisher nicht zum Tatvorwurf geäußert. Nachdem der Mann zunächst versucht habe, sich herauszureden, schweige er nun.

Faricin M. war am Montagvormittag in seiner Wohnung im Märkischen Viertel festgenommen worden. Er soll seine 28 Jahre alte Ehefrau mit zahllosen Messerstichen getötet haben. Nach Informationen von Morgenpost Online kam die Mutter von drei Söhnen und einer Tochter vermutlich bereits Ende Juni ums Leben. Zu diesem Zeitpunkt war die junge Frau vermisst gemeldet worden.

Im Elternhaus der Toten an der Putbusser Straße in Wedding herrscht Bestürzung und tiefe Trauer, sagte ein Bruder. Gülsen M.s Eltern Cengiz und Sosun B. hätten bis zuletzt für ihre Tochter gebetet. Sie hatten vor acht Wochen bei der Polizei eine Vermisstenanzeige erstattet, nachdem der sonst so regelmäßige Kontakt abrupt abgebrochen war.

Der Leichnam der 28-Jährigen war am späten Sonntagabend aus der Spree geborgen worden. Passanten war ein blauer Müllsack aufgefallen, der am Nonnendamm unweit der Schleuse Charlottenburg im Wasser trieb. Die Identität der Leiche konnte von der Gerichtsmedizin zunächst nur über den Zahnstatus ermittelt werden. Die Ergebnisse der DNA-Analysen stehen noch aus.

Die Ermittler der Mordkommission gehen inzwischen davon aus, dass die Tote mehrere Wochen im Wasser gelegen haben muss. Der Körper der Frau weist Spuren von zahlreichen Messerstichen auf, am Hals, Oberkörper und Rücken. Die Leiche war nur dürftig bekleidet, der Plastiksack vom Täter offenbar beschwert worden. Ein Strick, der ebenfalls aus der Spree geborgen wurde, deutet darauf hin, dass die Tote verschnürt worden war, bevor sie ins Wasser geworfen wurde. Wenige Stunden, nachdem die Tote identifiziert worden war, erfolgte dann die Festnahme des Ehemannes. Seine Wohnung im obersten Stockwerk eines achtgeschossigen Hauses war zuvor von Kripobeamten observiert worden.

Der 34-Jährige hatte sich nach dem Verschwinden seiner Frau Gülsen aus Sicht der Angehörigen und der Polizei merkwürdig verhalten. Faricin M. hatte seine Schwiegereltern lediglich telefonisch über die plötzliche Abwesenheit informiert und gefragt, ob sie sich um die Kinder kümmern könnten. Jetzt ist das Jugendamt für das Wohlergehen der vier Kinder verantwortlich.

Die Hintergründe der Tat sind noch ungeklärt. Es gibt Hinweise, dass Faricin M. seine Frau mehrfach geschlagen hat. Gülsen M. soll offen Trennungsabsichten geäußert und mit Scheidung gedroht haben. Das Schicksal der Kinder, insbesondere der nicht einmal ein Jahr alten Tochter, dürfte sie lange daran gehindert haben, ihren Mann zu verlassen. Diese Indizien hatten im Juni der Polizei jedoch nicht ausgereicht, um vor einem Ermittlungsrichter einen Tatverdacht gegen Faricin M. zu begründen. Auch eine am 8. Juli vorgenommene Durchsuchung der Wohnung des Ehepaares hatte die Ermittlungen nicht vorangebracht.