Sommerfest des Bundespräsidenten

Christian Wulff feiert auf Bellevue mit 5000 Gästen

Wenige Stunden nach seiner Vereidigung übernehmen nun Christian Wulff und Ehefrau Bettina die Rolle des Gastgebers auf Schloss Bellevue. Das Sommerfest des Bundespräsidenten steht an.

Der Duft von frisch gemähtem Rasen liegt in der Luft, als sich Freitagabend Damen in Abendkleidern, Herren in Lederhosen, Botschaftsangehörige im Sari und Politiker im Zweireiher im Park von Schloss Bellevue versammeln. Nachdem Christian Wulff (51, CDU) seinen Amtseid als Bundespräsident abgelegt hat und mit militärischen Ehren offiziell in Schloss Bellevue begrüßt worden ist, empfängt er mit der neuen First Lady Bettina Wulff (36) bei tropischen Temperaturen 5000 Gäste zum traditionellen Sommerfest des Bundespräsidenten.

Kleintransporter mit Bundeswehraufschrift treffen ein, an einer improvisierten Wagen-Vorfahrt hat man einen roten Teppich ausgerollt, auf den Bürgersteigen parken vergitterte Polizeiautos, in denen sich Spürhunde strecken. Die Einladungen zum wichtigsten Fest der Berliner Republik waren im Mai noch im Auftrag von Horst Köhler und Ehefrau Eva Luise verschickt worden. „Freude – Veränderung – Zusammenhalt“ lautet im Zeichen von 20 Jahren Deutscher Einheit das Motto des wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisses des Jahres. Es findet zu Ehren engagierter Bürger statt, die Deutschland in den vergangenen Jahren zusammengeführt und vorangebracht haben. Nach Köhlers abruptem Rücktritt und dem Wahlkrimi ist es nun Wulff, der beim Sommerfest unzählige Hände schütteln muss.

Bezüglich der Gästeliste hat er kurzfristig noch „einzelne Änderungen“ vornehmen lassen, sagt ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. Wie man hört, wollen die Wulffs das Fest auch mit einigen Verwandten und den Kindern in Bellevue feiern. Am Ablauf des Abends hat sich nichts geändert: Auf drei Bühnen und an mehreren Spielorten treten 300 Künstler auf. Als Moderatoren auf der Hauptbühne sind Jan Hofer und Katrin Bauerfeind angekündigt. Kleiner Auszug aus dem Programm des Sommerfestes: Kurt Masur dirigiert das Bundesjugendorchester, Kabarettisten der Berliner „Distel“ nehmen deutsch-deutsche Geschichte satirisch unter die Lupe, Peter Maffay spielt mit Band. Mehr als eine Woche lang haben die Gärtner akribisch den Aufbau der Zeltlandschaft überwacht, um Pflanzenschäden zu verhindern.

Das Fest in Zahlen: 65 Köche und 200 Servicekräfte sorgten für das leibliche Wohl der Gäste, 23.000 Gläser und 28.000 Teller stehen bereit. Serviert werden unter anderem eine Tonne Obst, 7000 Portionen Eiscreme und 13.000 Liter Mineralwasser. Natürlich hat man auch wieder 4000 Regenschirme bestellt. Die heiß begehrten Schirme mit der Aufschrift „bundespraesident.de“ nehmen die Gäste traditionell fröhlich mit nach Hause. Funktionslos waren die Schirme in den vergangenen Jahren nicht gewesen, hatte es beim Sommerfest des Bundespräsidenten doch fast jedes Mal geregnet. Diesmal lautete die Vorhersage aber sonnig, trocken und 33 Grad. Etwa 2600 Quadratmeter überdachte Fläche hat man im Park von Schloss Bellevue geschaffen. Viele der Gäste positionieren sich zu Beginn des Festes zwischen gepolsterten Biertischgarnituren und Loungemöbeln erst einmal strategisch günstig mit Blick auf die Park-Terrasse. Diese erreicht man nach dem Durchqueren der Eingangshalle in Richtung Garten als Erstes.

Vom Eingangsportal aus betrachtet liegt in der Halle links hinter den Säulen das Gästebuch aus. Freitagabend beim Sommerfest spielte es keine Rolle: Der Eintrag ist ausschließlich Personen vorbehalten, die einen persönlichen Termin beim Bundespräsidenten haben.

Die Wulffs waren erstmals am Donnerstag mit den Räumlichkeiten des Schlosses vertraut gemacht worden. Auf Details des wichtigsten politischen Festes des Jahres bereitete sie der Protokollchef des Hauses vor.

Anlässlich des Sommerfestes kam übrigens auch Joachim Gauck (70) nach Bellevue. Der ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen war als Kandidat von SPD und Grünen in das Rennen um die Wahl zum Bundespräsidenten gegangen. Wulff und Gauck hatten bereits vor der Wahl vereinbart, dass beide in jedem Fall zum Sommerfest kommen.