Nach Betrugsskandal

Berlin verschärft Führerscheinprüfungen

Auf Berlins Straße sind tausende Autofahrer mit einem erkauften Führerschein unterwegs. Der Fahrlehrerverband spricht beim Skandal von nur "einigen schwarzen Schafen" . Doch bereits jetzt gelten verschärfte Bedingungen bei den Tests.

Nach Ansicht von Peter Glowalla, Vorsitzender des Berliner Fahrlehrer-Verbandes, sind es nur einige wenige „schwarze Schafe“, die sich an jetzt wieder bekannt gewordenen Betrügereien beteiligen. Ein Problem sei allerdings, dass die rund 1100 Fahrlehrer, die in den aktuell 577 Fahrschulen in der Stadt arbeiten, sich um eine immer geringer werdende Zahl potenzieller Fahrschüler mühen müssen. Um ein Fünftel ist die Nachfrage im Markt zurückgegangen, heißt es. Als Gründe dafür werden die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die geburtenschwachen Jahrgänge angesehen, die nun ins „Führerscheinalter“ kommen. 2010 werden es etwa 20 Prozent weniger Jugendliche sein, die 18 Jahre alt werden. Für die meisten das Alter, in dem sie auch ihre Führerscheinprüfung machen.

Nach Schätzungen des Verbandes würde in Berlin ein Drittel weniger Fahrlehrer genügen, um die inzwischen jährlich rund 30000 Schüler, die eine Fahrerlaubnis erlangen wollen oder die erneut eine Prüfung ablegen müssen, auszubilden. Dennoch ist für den Verbandschef nicht die härter werdende Konkurrenz untereinander der Grund dafür, dass einige Fahrlehrer die Hand aufhalten. „Das hat es auch in deutlich besseren Zeiten immer wieder gegeben – da siegt einfach Gier über Hirn“, sagt Glowalla.

Die Berliner Behörden versuchen nicht nur mit den Möglichkeiten des Strafrechts Betrügereien beim Erwerb der Fahrerlaubnis zu bekämpfen. Auch in einer verbesserter Organisation der Prüfungen hält die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für ein probates Mittel. So kann seit dem 1. April 2008 die Theorie-Prüfung nur noch am Personalcomputer (PC) absolviert werden. „Das bringt gleich mehrere Vorteile mit sich“, ist sich Mathias Gille, Sprecher von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), sicher. So gibt es keine Prüfungsbögen mehr, die vorab in die falschen Hände gelangen könnten, die Fragen werden zudem per Zufallsgenerator vom Computer und nicht vom Fahrlehrer ausgewählt, Hilfe durch andere ist zudem untersagt.

Damit auch diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, die Prüfung machen können, bietet das Computerprogramm den Theorie-Test in elf anderen Sprachen – darunter in Türkisch, Serbokroatisch und Russisch – an. Eine audiovisuelle Prüfung unter Nutzung von Kopfhörern kann am PC in acht Sprachen, darunter in Vietnamesisch und Arabisch, abgelegt werden. Prüfungen mit Unterstützung von Dolmetschern oder Übersetzern sind dagegen nicht mehr erlaubt.