Zwischennutzung

Kartbahn und Shaolin-Tempel für Tempelhof

Der Senat will aus dem Gelände des ehmaligen Flughafens Tempelhof einen riesigen Park mit angrenzenden Wohnhäusern machen. Doch bis die Bagger kommen, wird das Areal zu einer riesigen Spielwiese. Eine Jury hat dafür 25 Projekte ausgesucht.

Foto: Gross.Max - Sutherland and Hussey

Eine Arche Noah wollen sie bauen, den Boden urbar machen und den Kindern aus den umliegenden Kiezen zeigen, wie Pflanzen wachsen. Sie möchten sich bei seltsamen Sportarten herumschubsen, Drachen steigen lassen, über Kunst diskutieren, Forschungsergebnisse präsentieren. Sie wollen auf stromgetriebenen Mopeds herumsausen und sich auf E-Karts Rennen liefern ohne Auspuffgase: die sogenannten Raumpioniere, die Laeben auf die Leere des Tempelhofer Flugfeldes bringen sollen.

25 Projekte hat eine Jury um Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jetzt aus 138 Bewerbungen ausgewählt, um die drei "Pionierflächen" zu bespielen, die an den Rändern des neuen Parks an den Tempelhofer Damm, Richtung Neukölln an die Oderstraße und im Norden an den Columbiadamm grenzen. Für drei Jahre sollen sie die innerstädtische Spielwiese für eine geringe Pacht nutzen dürfen. Nach der Öffnung des ehemaligen Flugfeldes für die Öffentlichkeit wäre das ein weiterer Schritt, das Gelände zu nutzen, ehe mittelfristig dort im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung Wohnungen entstehen und in der Mitte ein Park angelegt wird. "Wir verhandeln jetzt mit den Projektträgern über die inhaltliche Konkretion", sagte Gerhard Steindorf, Chef der geplanten Entwicklungsgesellschaft Tempelhof Projekt GmbH. Die ersten Ideen sollen Anfang September offiziell vorgestellt werden.

Die Projekte müssten nun selber sehen, wie sie ihre Ideen finanzieren, hieß es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Einige erhalten jedoch auch Fördermittel aus anderen öffentlichen Töpfen.

Weil Tempelhof sich langfristig als Ort sauberer Mobilität präsentieren und diese Nutzungen am Tempelhofer Damm an der Westseite des Geländes konzentrieren soll, wählte die Jury den Vorschlag einer Kartbahn. Die kleinen Rennwagen sollen aber nicht herkömmlich betrieben werden, sondern mit Elektromotoren. Eine fünfstellige Investitionssumme aus privaten Kassen haben die Betreiber in Aussicht gestellt. Nebenan sollen Besucher in einem anderen Projekt das Fahren auf E-Bikes trainieren und elektrobetriebene Fahrräder testen können.

Spektakulärste Nutzungen im Norden, wo es wegen der Nachbarschaft zur Moschee am Columbiadamm eher um religiöse und künstlerische Themen gehen soll, könnten zwei Leichtbauhallen sein. Hier wollen für fünf Jahre die Shaolin-Mönche, die seit 2001 ein Zentrum an der Bundesallee in Wilmersdorf unterhalten, ihre Kampfkunst und ihre Philosophie präsentieren. Mit dem Übergangsprojekt wollen sie werben und Sponsoren suchen für den Bau eines echten Tempels. In der Nähe möchte eine Künstlergruppe gemeinsam mit Anwohnern und anderen interessierten Bürgern ein hölzernes Schiff als "Arche Metropolis" bauen, um beim gemeinsamen Arbeiten das Miteinander zu fördern. Und auch die Initiatoren einer Berliner Kunsthalle wollen das ausgedehnte Grasland nutzen, um den kreativen Wettkampf Berliner Künstler auszutragen.

Außerdem soll es eine Drachenstation geben, mehrere Lehrgärten, Info-Container und ein Spielfeld, wo die Freunde des Jugger ihren Sport ausüben können. Jugger ist ein Mannschaftsspiel, bei dem ein Ei über eine Linie getragen werden muss und die Kombattanten mit gepolsterten Knüppeln das zu hindern versuchen.

Die angrenzenden Bezirke haben keine Einwände gegen die Auswahl der Jury vorgebracht, wenn auch dem Neuköllner Stadtrat Falko Liecke (CDU) zu wenig Wert auf wirtschaftliche Effekte der Pionierprojekte gelegt wurde. "Das bringt den Standort nicht weiter", so der Stadtrat. Weiterer Einwand: Die Pioniergrundstücke liegen auf den Flächen, wo noch Altlasten im Grund vermutet werden. Der Bezirk hat deshalb bei der Senatsbaudirektorin "erhebliche Bedenken im Hinblick auf umweltrelevante Gefahren im Untergrund" angemeldet, zumal Untersuchungsergebnisse noch nicht vorlägen. Vor allem Gärten und Landschaftsbau-Vorhaben könnten erst realisiert werden, wenn die Gefahren abgeklärt seien.

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