Prozess

Angeklagter gesteht Flaschenwürfe am 1. Mai

Ein 23 Jahre alter Mann ist in Berlin wegen der 1.-Mai-Krawalle zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zu Prozessbeginn legte er ein umfassendes Geständnis ab.

Ein von der Staatsanwaltschaft als Rädelsführer eingestufter 23-Jähriger ist von einem Schöffengericht in Moabit wegen massiver Ausschreitungen am 1. Mai zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Strafmildernd wertete das Gericht am Dienstag das Geständnis des Mannes, durch das auf eine langwierige Beweisaufnahme verzichtet werden konnte. Ob dem verurteilten Danny G. ein Aufenthalt im Gefängnis tatsächlich erspart bleibt, ist allerdings noch keinesfalls sicher. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert, ihr bleibt noch die Möglichkeit der Berufung.

Die von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn verlesene Anklageschrift zeichnete das Bild eines Mannes, der sich am Abend des diesjährigen 1. Mai besonders aktiv an den Ausschreitungen beteiligte. Er war an mehreren Orten gewalttätig: am Spreewaldplatz, an der Wiener Straße, am Paul-Lincke-Ufer sowie an der Manteuffelstraße und an der Kottbusser Straße. Dabei begnügte sich der mit einer Skimaske vermummte G. nicht damit, aus einer größeren Gruppe heraus immer wieder Pflastersteine und Flaschen gegen Polizeibeamte und Einsatzfahrzeuge zu werfen. Er stachelte auch Umstehende zu Krawallen an. Zweimal wurden laut Staatsanwaltschaft Polizisten von seinen Würfen getroffen, die Wurfgeschosse prallten jedoch von der Schutzkleidung der Beamten ab.

Sobald die Polizei eine Örtlichkeit geräumt hatte, zogen G. und seine Mittäter weiter, um ihre Randale an der nächsten Straßenecke fortzusetzen. Etwa zwei Stunden ging das so. Einmal riss die Gruppe einen Verteilerkasten aus der Verankerung, um damit die Straße zu blockieren, ein anderes Mal versuchte sie – allerdings vergeblich – ein Polizeifahrzeug durch sogenanntes Aufschaukeln umzuwerfen. Gegen Mitternacht wurde der 23-Jährige festgenommen, am nächsten Tag erließ ein Richter Haftbefehl. Knapp fünf Wochen verbrachte der aus Genthin (Sachsen-Anhalt) stammende G. in U-Haft, bevor er Haftverschonung erhielt.

„Eigentlich“ war das Wort, das der Angeklagte in der Verhandlung besonders häufig benutzte. „Eigentlich“ sei er am 1. Mai nur nach Berlin gekommen, um „Party zu machen“. „Eigentlich“ sei er gegen seinen Willen in die randalierende Menge hineingeraten. „Eigentlich“ habe er nicht die Absicht gehabt, Menschen zu verletzen. Und „eigentlich“ sei der Alkohol, zehn halbe Liter Bier, schuld gewesen. Inzwischen habe er sich von der gewaltbereiten linken Szene gelöst, beteuerte der arbeitslose Angeklagte vor Gericht. Er habe inzwischen eine Aushilfsstelle als Pizzalieferant angenommen, und demnächst stehe ein Umzug nach Westdeutschland an, um „den ganzen Mist, den ich bisher gemacht habe, endgültig hinter mir zu lassen“.

Danny G. sei niemand, der Gewalt suche, aber schnell bereit, mitzumachen, befanden die Richter. Das Urteil bezeichnete der Vorsitzende als Chance für den Angeklagten. Ob es tatsächlich bei dieser Chance bleibt, hängt nicht nur davon ab, ob die Staatsanwaltschaft in Berufung geht. Denn G. muss sich noch in einem anderen Verfahren verantworten, weil er bei einem Punk-Konzert in Burg (Sachsen-Anhalt) Polizisten angegriffen haben soll.