Dream-Party

Trotz Trauer in Duisburg Techno in Tempelhof

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Benjamin Gajkowski

Am früheren Flughafen Tempelhof findet am Sonnabend die Techno-Party "Dream" statt - am selben Tag, an dem in Duisburg der Opfer der Loveparade gedacht wird. Zwischen wummernden Beats soll in Berlin eine Schweigeminute eingelegt werden.

Kurz bevor am Samstagabend die Bässe aus den Lautsprecherboxen wummern, bevor die Partybesucher kreischen, tanzen oder grölen, wird es noch einmal leise. Ganz leise. Die Veranstalter der Technoparty „Dream“, die auf dem Gelände des einstigen Flughafens Tempelhof stattfinden wird, haben angekündigt, dass es eine Schweigeminute für die Opfer der Loveparade geben wird. Irgendwann zwischen 20 und 21 Uhr abends. Dann, wenn schon möglichst viele Partybesucher im Hangar eins und zwei sein werden. Dort soll dann der 21 jungen Menschen gedacht werden, die die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg nicht überlebt haben. Erst danach sollen die Lautsprecherboxen wieder voll aufgedreht werden. Dabei sollte es eigentlich eine krachende Veranstaltung werden. Ohne Trauer, ohne Gedenken. Davon zeugen Einträge auf der Internetplattform Facebook.

Einer war verfasst worden, kurz bevor bei der Loveparade eine Massenpanik ausgebrochen war. Der Eintrag stammt vom vergangenen Sonnabend, 16 Minuten nach 16Uhr am Nachmittag. Als noch niemand ahnte, was nur etwa 45 Minuten später, gegen 17Uhr nachmittags auf der Loveparade in Duisburg passieren würde. Unbekümmert, voller Vorfreude, schrieben die Veranstalter der Technoparty „Dream“ da auf ihrer Facebook-Seite, dass die DJs Tiesto und David Guetta jeweils drei Stunden lang auflegen werden. Drei Ausrufezeichen setzten sie dahinter. Da wussten sie noch nicht, dass David Guetta, einer der ganz Großen in der Technoszene, seinen Auftritt auf der Loveparade wenig später absagen wird. So wie andere DJs auch.

Dabei ist es noch nicht lange her, gerade einmal sechs Tage, dass 21 junge Leute bei der Technoparty in Duisburg gestorben sind. Und mehr als 500 verletzt wurden. Seit wenigen Tagen steht auch fest, dass es einen zentralen Trauergottesdienst geben wird, an dem auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen werden. Der Termin: Sonnabend 11 Uhr, also nur wenige Stunden bevor im Hangar eins und zwei in Tempelhof die Bässe bei der „Dream“-Party aus den Lautsprechboxen dröhnen werden.

Trotzdem: Die Party in Berlin wird jedoch definitiv stattfinden, sagt Daniel Stern von Evedia GmbH, die die Veranstaltung vermarktet, auf Anfrage von Morgenpost Online. 10.000 Tickets seien auch schon verkauft, für 60 Euro pro Karte. 120 Euro kostet sogar eine sogenannte VIP-Karte. Mehr Tickets dürfen aber auch nicht ausgegeben werden. Denn dort, wo die Party stattfinden soll, in den beiden Hangars des Tempelhofer Flughafengeländes, passen nicht mehr Besucher hinein, sagt Katja Potzies, Pressesprecherin der BIM, der Berliner Immobilienmanagement GmbH, die das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof für Veranstaltungen vermietet.

Wie eben auch für die „Dream“-Party am Sonnabend. „Zehntausend Menschen, mehr nicht“, betont Katja Potzies. Und fügt hinzu, dass es insgesamt 19 Notausgänge geben wird. Und auch die Hangartore könnten noch geöffnet werden, für den Fall, dass wirklich etwas passieren sollte. „Aber für das Sicherheitskonzept ist der Veranstalter komplett selbst verantwortlich und nicht wir als Vermieter. Damit haben wir nichts zu tun“, sagt Potzies. „Wir übernehmen daher auch keine Haftung.“ Das Sicherheitskonzept müsse von den Veranstaltern vorgelegt werden. Das sei deren Verantwortung. Erst wenn dies erfolgt sei, dürfe auch gefeiert werden.

Und nicht so, wie es gerade in Rostock geschehen ist. In der Hafenstadt an der Ostsee wurde jetzt die geplante Warnowtunnel-Party abgesagt. 4000 Besucher sollten dort feiern. Grund für das Verbot: Sicherheitsbedenken. „Wir lassen die vor einer Woche erteilte Genehmigung für die Veranstaltung im Warnowtunnel widerrufen“, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Sollten die Veranstalter rechtlich dagegen vorgehen, müssten sie ein neues Sicherheitskonzept vorlegen, so der Sprecher. Diese Probleme gibt es in Berlin alle nicht. Die „Dream“-Party kann steigen – mit einer Unterbrechung.