Geburtenrekord

Wo in Berlin die meisten Babys zur Welt kommen

Die Hauptstadt wächst gegen den Bundestrend. 2009 kamen in Berlin so viele Babys wie nie seit dem Mauerfall zur Welt. Das viel beschriebene Familienmekka Prenzlauer Berg steht bei dieser Entwicklung allerdings nicht mehr an der Spitze.

Foto: Massimo Rodari

Berlins Baby-Boom-Bezirk Nummer eins heißt nicht länger Pankow mit dem viel beschriebenen Kinder- und Familienmekka Prenzlauer Berg, sondern Friedrichshain-Kreuzberg. Zwar kamen im Nordosten absolut gesehen auch im Jahr 2009 die meisten Neu-Berliner zur Welt. Aber bezogen auf die Einwohnerzahl hat der Ost-West-Bezirk an der Spree Pankow überholt. Hier wurden je 1000 Einwohner 11,9 Kinder geboren, in Pankow waren es 11,7, insgesamt ist die Zahl der Geburten dort leicht rückläufig.

Die Zahlen, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg jetzt veröffentlichte, zeigen für 2009 einen Geburtenrekord in Berlin. Noch nie seit der Wiedervereinigung der Stadt wurden so viele Kinder geboren. 32.104 Geburten zählten die Statistiker, das waren immerhin 400 mehr als Sterbefälle. Berlin wächst also nicht nur durch den anhaltenden Zuzug aus dem übrigen Bundesgebiet und dem Ausland, sondern auch durch die natürliche Entwicklung seiner Bevölkerung. Der Zuzug fällt aber stärker ins Gewicht. 143800 Menschen kamen 2009 neu in die Stadt, 133.300 zogen weg. 2009 lebten somit 3.442.700 Menschen in Berlin, das sind 60.000 mehr als zum Tiefststand im Jahre 2000 und in etwa wieder so viele wie 1991.

Am deutlichsten wuchs die Zahl der Neugeborenen in Lichtenberg, wo sich der Zuzug junger Leute, denen die Szene-Viertel der Innenstadt zu teuer sind, auswirkt. Hier stieg die Baby-Quote pro 1000 Einwohner von 8,8 im Jahr 2008 auf 9,8 ein Jahr später.

Am wenigsten Kinder wurden Steglitz-Zehlendorf (7,1), Charlottenburg-Wilmersdorf (7,5) und Reinickendorf (7,7) geboren. In diesen West-Bezirken kamen somit in Relation zur Bevölkerung rund 60 Prozent weniger Babys zur Welt als in den kinderreichsten Bezirken der östlichen Innenstadt. Für 2009 fehlen noch die Daten über die Nationalität der geborenen Kinder, aber 2008 wurden rund zehn Prozent des Babys in Familien ausländischer Nationalität geboren. Der Anteil der Kinder mit einem Migrationshintergrund, die aber Deutsche sind, liegt jedoch rund viermal so hoch.

Insgesamt verzeichnet die Hauptstadt eine Baby-Quote, die deutlich über dem Niveau im Rest-Bundesgebiet liegt. In Berlin sind in den beiden vergangenen Jahren 9,3 Babys pro 1000 Einwohner auf die Welt gekommen. Im deutschen Durchschnitt sind es 8,3.

Während in Berlin mehr Kinder als 2008 das Licht der Welt erblickten, sank die Zahl der Geburten in ganz Deutschland um 3,6 Prozent auf nur noch 651.000. 2009 wurden 190.000 Kinder weniger geboren als Menschen starben. Ein Jahr zuvor hatte der Verlust noch bei 168.000 gelegen. Die Statistiker führen das vor allem auf die geringere Zahl von Frauen in gebärfähigem Alter zurück. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau hat sich bei 1,4 stabilisiert.

Die Statistik zeigt, wie die demografische Entwicklung auf dem Land und in den Großstädten auseinander klafft. Während es in Berlin einen Geburtenüberschuss gab, starben in Brandenburg 8800 Personen mehr als neue geboren wurden. Der Sterbeüberschuss war der wesentliche Grund dafür, warum die Bevölkerungszahl der Mark noch einmal um 11.000 auf nunmehr 2,51 Millionen abnahm. Damit ist Brandenburg unter das Vorwende-Niveau gerutscht, das vor allem in den Jahren bis 2000 durch eine Land-Wanderung aus Berlin heraus auf 2,6 Millionen Menschen gestiegen war. Hätte es nicht in Bevölkerungsplus in Potsdam und den Berlin-nahen Landkreisen Oberhavel, Potsdam-Mittelmark und Dahme-Spreewald gegeben, wäre die Lage in Brandenburg noch schlechter.

Aber Brandenburg ist nicht allein in Deutschland. Auch andere Flächenländer verloren 2009 an Menschen. So verzeichnete Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr die historisch niedrigste Geburtenzahl überhaupt. Auch in Ländern wie Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein ging die Bevölkerungszahl zurück.

In den Metropolen sorgt der Zuzug von jungen Leuten im gebärfähigen Alter jedoch dafür, dass die Kinderzahlen steigen und die Bevölkerung wächst. Die Entwicklung in Berlin ist insofern nicht ungewöhnlich für die großen Ballungsräume. Andere Städte verzeichnen sogar eine deutlich größere Dynamik. So liegt in Hamburg die Baby-Quote mit 9,5 pro 1000 Einwohner höher als in Berlin. Noch gebärfreudiger als die Hauptstädterinnen zeigen sich auch die Kölnerinnen (Quote 10) und die Frankfurterinnen (10,6).

Bayerns Metropole München verzeichnet einen Geburtenüberschuss von 4000 und eine Baby-Quote von 10,2, lässt also Berlin in dieser Frage sogar noch weit hinter sich.