Prozess

18-Jähriger hat Polizisten niedergestochen

Ein Mix aus Wut, Drogen und Alkohol hat ein 18-Jähriger für den Mordversuch an einem Berliner Polizisten verantwortlich gemacht. Zumindest gab der Angeklagte dies zu Prozessauftakt vor dem Berliner Landgericht an.

Gut sechs Monate nach einem lebensgefährlichen Messerangriff auf einen Polizisten in Zivil hat ein 18-Jähriger die Tat am Montag vor dem Berliner Landgericht gestanden. Der damals 47 Jahre alte Polizist wurde ins Herz, in den Rücken und in ein Bein getroffen. Ärzte retteten das Leben des Oberkommissars durch eine Notoperation.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen Angeklagten versuchten Mord zur Verdeckung eines Raubüberfalls vor. Der Polizist hatte an einem Geldautomaten an der Residenzstraße in Berlin-Reinickendorf 40 Euro abgehoben. Er wollte sich an einer Tankstelle Zigaretten kaufen. Plötzlich rief jemand hinter ihm „he, bleib stehen“, erinnerte sich der Kommissar im Prozess. Dann baute sich eine Person mit einem Messer vor ihm auf und rief, „gib Geld oder ich steche dich ab“, schilderte der Beamte.

Nach Aussagen des Polizisten entwickelte sich eine Rangelei. Um den Angriff abzuwehren, habe er dem Täter ins Gesicht geschlagen. Er selber habe auch einen Schlag verspürt. Wie schwer er verletzt war, hatte der 48-Jährige erst bemerkt, als er seine Lunge pfeifen hörte. Der Beamte konnte noch selber per Handy Hilfe alarmieren. Bei deren Eintreffen konnte Detlef P. den Angreifer noch als „Ausländer mit Mütze“ beschreiben, bevor er das Bewusstsein verlor.

Der Angeklagte will erst aus der Zeitung erfahren haben, wie ernst die Verletzungen waren. Nach seiner Version traf ihn zuerst ein Faustschlag. Er sei wütend geworden und habe das Messer aus der Tasche gezogen. „Ich war nicht Herr meiner Sinne“, erklärte der 18-Jährige. Nach eigenen Angaben war er von Drogen und Alkohol benebelt. Mit Freunden hatte er zuvor Bars besucht. Auf dem Heimweg habe er gesehen, dass ein Mann aus der Bank kam. Er wisse nicht, wieso er auf die Idee kam, Geld zu verlangen. Einen Plan habe es nicht gegeben.

Nach Informationen von Morgenpost Online ist der aus der Türkei stammende Mann der Polizei bereits wegen zahlreicher Straftaten bekannt und wird als Intensivtäter geführt. In den Monaten vor dem Raubüberfall soll er allerdings nicht mehr auffällig geworden sein.

Der Beamte war nach dem Überfall in der Nacht zum 3. Januar 2010 drei Monate außer Dienst. Bis heute geht der inzwischen 48-jährige Berliner nachts nicht mehr auf die Straße. „Alles, was mit einem Messer zu tun hat, erinnert mich an die Tat“, erklärte der als Fahrsicherheitstrainer eingesetzte Mann.

Mehrere Hinweise aus der Bevölkerung hatten die Ermittler auf die Spur des Tatverdächtigen gebracht. Beamte hatten den Gesuchten an der Seestraße in einem Auto erkannt und nahmen ihn fest.