Brandgefahr

Illegales Grillen wird jetzt richtig teuer

Grillen im Tiergarten bleibt die nächsten Wochen verboten. Der Grund: die hohe Waldbrandgefahr. Wer trotzdem grillt, muss Strafe zahlen.

Harald Büttner ist ein geduldiger Mensch. Aber irgendwann, sagt der Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes in Mitte, sei „auch mal Schluss mit lustig“. Dieses Wochenende ist seine Truppe noch kulant. Wer aber danach noch immer nicht verstanden habe, dass im Tiergarten zurzeit nicht gegrillt werden darf, der müsse Bußgeld bezahlen, so Büttner. Und zwar ausnahmslos: „Dann wird nicht mehr bloß informiert, sondern bestraft.“

Seit vergangenem Mittwoch ist der 200 Hektar große Tiergarten wieder für Fußgänger geöffnet, seit Donnerstagnacht auch die wenigen Straßen für Autos. Wegen der WM-Fanmeile war das Gebiet zuvor wochenlang gesperrt gewesen, auch ein Grillverbot wurde verhängt. Wie die Morgenpost berichtete, soll letzteres noch vier Wochen lang Bestand haben. Ungefähr 20 Schilder hat das Bezirksamt an den Hauptwegen angebracht. Auf Deutsch, Türkisch und demnächst auch auf Arabisch weisen sie auf das aktuelle Grillverbot hin. Denn durch die lange Trockenheit herrscht solche Brandgefahr, dass selbst kleine Funken große Feuer auslösen können. Auch der gestrige Regen änderte daran wenig. Der alte Baumbestand, die gesamte historische Anlage sogar sei in akuter Gefahr, wenn auch nur ein kleiner Brand entstünde, sagt Büttner. „Es ist so trocken, dass sich Pappelsamenhäufchen selbst entzünden können. Manchmal reicht schon eine Glasscherbe. Eine glimmende Zigarette oder Funken sind noch gefährlicher.“

Deshalb herrscht auch Rauchverbot, das sich aber schwer kontrollieren lässt. Treffen die Ordnungskräfte allen Verboten zum Trotz Griller, kommt es darauf an, ob diese zumindest grundlegende Sicherheitsregeln beachten – nicht unter Bäumen zu grillen, einen halben Meter Abstand zum Boden zu halten und keinen Müll liegen zu lassen. „Dann machen wir dieses Wochenende nur auf das Verbot aufmerksam und geben ihnen Gelegenheit, straffrei abzuziehen“, sagt Harald Büttner. Das Bußgeld für Grillsünder beginnt bei 25 Euro, die Palette ist nach oben offen. Je nach Schwere des Vergehens können bis zu 5000 Euro anfallen. Und sollte ein Schaden entstehen, wird er den Verursachern in Rechnung gestellt. Gerade Baumschäden können teuer werden.

Feuer unter Sonnenschirmen

Immerhin hatte es am Sonnabend in kurzer Zeit so viel geregnet, dass große Pfützen und aufgeweichter Boden nicht zum Niederlassen einluden. Als zwei Ordnungsamtsmitarbeiterinnen und zwei Polizisten ihren Kontrollgang durch das 30 Hektar große Grillgebiet machten, war zunächst niemand mit Grill zu sehen. „Das ist die Ausnahme“, sagt Manuela Neek (39) vom Ordnungsamt Mitte. „Normalerweise sind hier am Wochenende täglich zwischen 300 und 400 Menschen, die grillen. Und wenn es regnet, machen sie ihr Feuer unter Sonnenschirmen oder unter den Bäumen, was nicht erlaubt ist.“

Mehrmals pro Woche geht sie mit ein bis zwei Kollegen durch den Tiergarten. Oft werden sie von Polizisten begleitet. Obwohl auch viele junge Leute ihren kleinen Grill aufbauen, seien es meistens große Familienclans, die sich hier träfen, erzählt Neek. „Das sind manchmal 40 Leute mit bis zu zehn Grillgeräten und Pavillon.“ Dabei erlebten sie und ihre Kollegen Dinge, die sie nicht so schnell vergäßen. „Manchmal finden die Kollegen verstümmelte, verblutende, aber noch lebende Tiere in wannenähnlichen Behältnissen“, erzählen die beiden Beamtinnen. „Obwohl das Schächten verboten ist, treffen wir immer wieder auf Grillgesellschaften, die es bei Schafen und Ziegen durchführen.“ Auch ganze Schweine wurden schon gegrillt. Dafür wurden meist extra Gruben ausgehoben, in denen das Tier am Stück gegart wurde. „In solchen Fällen stellen wir dann auch die Auffüllung des Loches in Rechnung“, sagt Harald Büttner.

Das aktuelle Grillverbot sei unbedingt notwendig, betont auch Stefan von Dassel, Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste in Mitte. „Auch wenn es mal regnet, bleibt es trocken, vor allem unter den Bäumen. Da ist Funkenflug unglaublich gefährlich. Brände entzünden sich oft erst Stunden später, und am Abend kriegen wir sie unter Umständen nicht mehr unter Kontrolle.“ In Mitte dauert das Verbot im Gebiet zwischen John-Foster-Dulles-Allee und Straße des 17. Juni noch bis zum 13. August. Sollte das Wetter umschwenken, will das Bezirksamt kurzfristig eine Änderung verkünden. Meteorologen sagen aber eine stabile Hochdrucklage für die nächsten vier Wochen voraus. Auch Lichtenberg und Treptow-Köpenick haben bis auf Weiteres das Grillen in Grünanlagen untersagt.

Infos gibt es im Internet www.berlin.de