Nach dem Chaos

S-Bahn-Chefs sollen für Schäden zahlen

Strafrechtliche Konsequenzen hat das Chaos bei der Berliner S-Bahn für die ehemalige Führungsspitze des Unternehmens nicht. Doch auf die Manager könnten Schadenersatzansprüche zukommen.

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Ein entgleister Zug, monatelange Notfahrpläne, mindestens 220 Millionen Euro wirtschaftlicher Schaden für die Deutsche Bahn. Das Unternehmen prüft weiter mögliche Schadenersatzansprüche gegen ehemalige Manager der Berliner S-Bahn. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher. Auch mehr als ein Jahr nach Beginn der Krise bei der Nahverkehrstochter seien die Anhörungen der Betroffenen noch nicht abgeschlossen. „Sorgfalt geht in diesem Fall vor Schnelligkeit“, so der Sprecher.

Ob den Ex-Geschäftsführern Pflichtverletzungen zur Last gelegt werden können, die Regressforderungen rechtfertigen, ist offen. Auch Versicherungsfragen seien noch zu klären, hieß es am Mittwoch. Die vier ehemaligen Geschäftsführer der S-Bahn waren vor gut einem Jahr abgelöst worden, nachdem schwere Versäumnisse bei der Wartung der Züge bekannt geworden waren. Alle Manager waren jedoch zunächst im Konzern weiterbeschäftigt worden. Der umstrittene Ex-Technikchef der S-Bahn, Ulrich Thon, war bereits vor Ausbruch der Krise zur Bahn-Tochter DB Regio gewechselt.

Thon verließ den Konzern erst im März 2010. Inzwischen hat nach Informationen von Morgenpost Online ein weiteres Mitglied der ehemaligen Führungsriege seinen Schreibtisch bei der Deutschen Bahn geräumt: Ex-Finanzchef Thomas Prechtl. Und auch mit Ex-S-Bahn-Chef Tobias Heinemann sollen dem Vernehmen nach Verhandlungen über eine Auflösung des Arbeitsvertrags laufen.

Ein strafrechtliches Nachspiel wird die Krise aber wohl nicht haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die ehemaligen Manager des Verkehrsunternehmens jetzt eingestellt, wie Behördensprecher Martin Steltner bestätigte. Zwar konstatieren auch die Ermittler Managementfehler und „offenkundige Fehlleistungen“ – für eine Anklage reichte das aber nicht. Mehr noch: Nach den Buchstaben des Gesetzes waren die festgestellten Mängel nicht relevant.

Derzeit gibt es bei der S-Bahn Probleme, weil die Steuerungstechnik der Fahrzeuge wegen fehlender Kühlung bisweilen streikt. Täglich fehlen daher etwa 40 Wagen für den Linieneinsatz. Auf zwei Linien der Stadtbahn fahren seit Tagen nur verkürzte Züge. Angesichts immer neuer Betriebseinschränkungen hält Albert Weingärtner, FDP-Verkehrsexperte im Abgeordnetenhaus, weitere Entschädigungen für die Fahrgäste für „unausweichlich“. Neben einer weiteren Entschädigung für die Stammkunden sollte die ÖPNV-Nutzung in Berlin an zwölf Wochenenden im Jahr kostenlos angeboten werden, fordert er.