Aufsichtsrat

Berliner S-Bahn hat neuen Chef-Kontrolleur

Die krisengeplagte S-Bahn Berlin GmbH hat einen neuen Aufsichtsrat. Vorsitzender des Kontrollgremiums ist nun Frank Sennhenn. Die Erwartungen an den neuen Mann sind groß.

Foto: DAB AG/Bert Bostelmann

Frank Sennhenn, Chef der Bahntochter DB Regio AG, ist neuer Aufsichtsratschef bei der Berliner S-Bahn. Der 46-Jährige löst Hermann Graf von der Schulenburg ab. Ihm hatten Kritiker vorgeworfen, als Verfechter eines harten Sparkurses mitverantwortlich für das seit mehr als einem Jahr dauernde Desaster der S-Bahn zu sein.

Hintergrund des Wechsels an der Spitze des Aufsichtsrats ist eine Umstrukturierung im Mutterkonzern Deutsche Bahn. Als Konsequenz aus der Krise hatte der Konzern beschlossen, die S-Bahn aus der von Schulenburg geleiteten Unternehmenssparte DB Stadtverkehr herauszulösen und bei der weitaus größeren Tochter DB Regio einzugliedern. Dort ist Sennhenn seit gut einem Jahr Vorstandsvorsitzender. Wie von der Schulenburg gilt auch der studierte Betriebswirt Sennhenn als Sanierer. Allerdings attestieren ihm Branchenkenner neben der Fähigkeit, für schwarze Zahlen zu sorgen, auch fundierte Kenntnisse des Eisenbahnbetriebs. Ab 1992 war er in verschiedenen kaufmännischen Leitungsfunktionen bei der Deutschen Eisenbahngesellschaft (DEG) tätig. Im Jahr 2000 wechselte er zur Deutschen Bahn. Bevor er im Juni 2009 Chef der Nahverkehrtochter DB Regio wurde, war der gebürtige Darmstädter eben dort seit 2003 als Produktionsvorstand für den Bereich Technik zuständig.

Die Erwartungen an den neuen Mann an der Spitze des Aufsichtsrates sind groß. Mitarbeiter, Kunden und Fahrgastverbände hoffen nach dem Krisenjahr auf eine langfristige Stabilisierung des Unternehmens. „Die S-Bahn muss auf Dauer so viel Geld behalten dürfen, dass sie ihren Aufgaben gerecht werden kann“, sagte am Dienstag Karl-Peter Naumann, Sprecher des Bahnkundenverbandes Pro Bahn. Kritiker – auch aus den Reihen der Mitarbeiter – hatten der inzwischen abgelösten Bahnspitze um Hartmut Mehdorn und dem alten Aufsichtsrat vorgeworfen, das Berliner Traditionsunternehmen in der Zeit vor dem geplanten Konzern-Börsengang buchstäblich kaputtgespart zu haben. Erst als der Verkehr in Berlin bereits zusammengebrochen war, hatte der damals neue Bahnchef Rüdiger Grube den Sparkurs beendet.

Nach diesen Erfahrungen sind viele Mitarbeiter entsprechend misstrauisch neuen Führungskräften und Strukturen gegenüber, wie Betriebsratschef Volker Hoffmann erst jüngst betonte. Und das gilt offenbar auch für den Aufsichtsrat. „Noch können wir uns kein Bild machen“, sagte am Dienstag ein altgedienter S-Bahner. „Wir können nur hoffen, dass die neuen Aufsichtsratsmitglieder ihre Pflicht erfüllen und das Unternehmen tatsächlich verantwortungsvoll kontrollieren.“

Skeptiker befürchten indes, dass die Arbeit des Gremiums zumindest in den kommenden Monaten vom Tarifstreit bei der Deutschen Bahn überschattet sein könnte. Ein erster Verhandlungstermin mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA war am Montag nach nur knapp drei Stunden ergebnislos beendet worden. Am Freitag beginnen die Verhandlungen zwischen dem Konzern und der Lokführergewerkschaft GDL. Deren Bundesvorsitzender Claus Weselsky ist Sennhenns Stellvertreter im S-Bahn-Aufsichtsrat. Streiks wie jener, der vor knapp drei Jahren Teile des Bahnverkehrs in Deutschland lahmlegte und auch bei der S-Bahn zu Ausfällen führte, werden nicht ausgeschlossen.