Kurfürstendamm

Haus Cumberland für 30 Millionen Euro verkauft

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Isabell Jürgens und Norbert Schwaldt

Foto: Sergej Glanze

Drei Berliner Unternehmer haben die Problem-Immobilie am Kudamm erworben. Die Pläne für den Prachtbau haben entgegen der ursprünglichen Idee nichts mehr mit Luxus und Lifestyle zu tun.

Erst jahrelanger Leerstand, dann hochfliegende Pläne für ein Hotel und luxuriöses Life-Style-Center, die in der Finanzkrise zerschellten. Jetzt hat Haus Cumberland, das Sorgenkind am Kudamm 193/194, einen neuen Käufer gefunden. Und die drei neuen Eigentümer haben nun ganz andere Pläne. Im Prachtbau aus der Jugendstilzeit, der jahrelang als Verwaltungsgebäude genutzt wurde, soll im Gebäuderiegel am Kudamm Einzelhandel und Büronutzung überwiegen, während in den dahinter liegenden Gebäudeteilen, die sich bis zur Lietzenburger Straße erstrecken, lediglich Wohnungen vorgesehen sind.

„Wir planen 180 hochwertige Wohnungen, außerdem eine Tiefgarage mit 120 Plätzen“, sagt Dirk Germandi von der Profi-Partner AG, der zusammen mit dem Berliner Bauträger Detlef Maruhn für das Wohnprojekt zuständig ist. Maruhn war erst im vergangenen Jahr mit dem Berliner Immobilien Award für den Umbau der früheren Haftanstalt an der Rummelsburger Bucht ausgezeichnet worden.

500 Quadrameter großes Restaurant soll entstehen

Thomas Bscher, der bereits vor sieben Jahren das Nachbargebäude des Hauses Cumberland erworben hat, wird federführend die Sanierung und Umgestaltung des Kopfbaus am Kurfürstendamm in ein Geschäftshaus mit attraktiven Einzelhandelsflächen übernehmen. Außerdem geplant: „Ein 500 Quadratmeter großes Restaurant, das in seinem Charme und seinen Dimensionen dem Pariser ,La Coupole’ vergleichbar sein wird“, so Bscher.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll der Kaufpreis bei knapp 30 Millionen Euro gelegen haben. Der Preis gilt in der Branche als ambitioniert. Der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth, der zeitweilig an dem Projekt interessiert war, wollte nur 17 Millionen zahlen.

105-Millionen-Euro-Investment

Insgesamt wollen die drei neuen Eigentümer 105 Millionen in das Haus Cumberland investieren. Dem bereits in der vergangenen Woche notariell beglaubigten Kaufvertrag waren mehrere gescheiterte Verkaufsbemühungen der Orco-Gruppe vorausgegangen. Orco hatte das Gebäudeensemble vor knapp vier Jahren übernommen und damals den Vorbesitzern, dem Land Berlin, 38 Millionen Euro überwiesen. Nach den Plänen des Immobilienunternehmens sollten ein Luxushotel und hochwertiger Einzelhandel entstehen. Durch die Wirtschaftskrise war das Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten und musste sich von mehreren Projektentwicklungen trennen. Abenteuerlich endete dabei der vorletzte Verkaufsversuch im Herbst an den deutsch-schweizerischen Investor Karl-Josef Stein. Der soll zwar den Kaufvertrag unterschrieben, trotz mehrfacher Fristverlängerung den vereinbarten Kaufpreis von 30 Millionen Euro aber nicht überwiesen haben.

Schwierigkeiten von Beginn an

Doch als Problem-Immobilie hatte sich das Cumberland von Anfang an erwiesen. Das Haus, 1911/12 als Gegenstück zum Nobelhotel „Adlon“ in Mitte im Berliner Westen errichtet, ging nur acht Monate nach der Inbetriebnahme Pleite. Während des Ersten Weltkrieges diente das Haus zeitweise als Kaiserliches Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt. Nach dem Krieg nutzten das Reichswirtschaftsministerium und die Oberpostdirektion das 60 Meter breite und 180 Meter lange Gebäude in bester Kudamm-Lage. Von 1966 bis 1993 befand sich darin die Berliner Oberfinanzdirektion. Seit 2002 stand das Gebäude bis auf die Geschäfte im Erdgeschoss leer, diente lediglich als Kulisse für diverse Film- und Fernseh-Produktionen. Die neuen Besitzer sind sich sicher, mit ihrem Konzept eine Zukunft für das Gebäude gefunden zu haben. „Hochwertiges Wohnen hinter historischen Fassaden, und das direkt am Kurfürstendamm, ist ein sicheres Geschäftsmodell“, ist Dirk Germandi überzeugt.

Die Wohnungen mit einer Größe von 50 bis 250 Quadratmetern sollen je nach Lage zwischen 3000 und 6500 Euro pro Quadratmeter kosten. Der Altbau-Komplex an der Lietzenburger Straße, der nach den Orco-Plänen noch abgerissen werden sollte, bleibt nun erhalten. „Auch hier handelt es sich um einen wunderschönen Altbau, der lediglich einer kompletten Überarbeitung bedarf“, so Germandi, Vorstandssprecher der Profi-Partner AG. Die einst aufwendige Stuckfassade solle rekonstruiert werden. Alle drei Eigentümer seien sich ihrer Verantwortung bewusst, „ein für den Kurfürstendamm so historisch wertvolles und schönes Gebäude wieder herzustellen“.

Skepsis und Hoffnung

Im Bezirk kann man an ein Happy End für das Haus Cumberland noch gar nicht richtig glauben. „Ich bin mittlweile etwas vorsichtig, was das Haus Cumberland betrifft“, sagt der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), der erst durch Morgenpost Online davon erfuhr, dass die Immobilie erneut verkauft wurde. „Aber es würde mich natürlich sehr freuen, wenn das Haus nun tatsächlich saniert und einer Nutzung zugeführt wird.“

Schließlich feiere der Kurfürstendamm im nächsten Jahr 125-jähriges Bestehen und habe eine Aufwertung an dieser Stelle dringend nötig. Die Gegend habe lange genug unter dem Leerstand einer derart großen Immobilie gelitten. Gröhler weiter: „Aber mit dem erweiterten und frisch hergerichteten George-Grosz-Platz gegenüber dem Haus Cumberland und dem angrenzenden Bauvorhaben Nummer 195 wird die Ecke neue Strahlkraft gewinnen.“