Sommerhitze

Bei Berliner S-Bahn fällt die Elektronik aus

Im Winter ist es die eisige Kälte, im Sommer die Hitze, die der Berliner S-Bahn zu schaffen macht. Die Elektronik, die die gesamte Fahrzeugtechnik steuert, schaltet sich bei zu hoher Temperatur automatisch ab.

Weil die empfindliche Elektronik häufiger versagt, müssen deutlich mehr S-Bahn-Züge als üblich in die Werkstatt. Für die Fahrgäste heißt das: enger zusammenrücken. Ausgerechnet dann, wenn es ohnehin schon unangenehm heiß und stickig ist in den von Haus aus nicht klimatisierten Wagen.

Und wieder ist es die moderne und zudem zahlenmäßig stärkste S-Bahn-Baureihe 481, die sich überaus anfällig für Wetterextreme zeigt. Ist es im Winter der Flugschnee, der die Fahrmotoren lahmlegt, so sind es in diesen Tagen die Lüfter im Führerstand der Züge der BR481, die die hochsommerliche Wärme nicht mehr bewältigen können. Die Folgen sind fatal: Die Elektronik, die die gesamte Fahrzeugtechnik steuert, schaltet sich bei zu hoher Temperatur automatisch ab. Ohne ausreichende Lüftung heizt sich zudem der mit einer riesigen Frontscheibe versehene Führerstand des Triebwagens so stark auf, dass die Zugführer dort nicht mehr ihren Dienst versehen können. Auch in diesem Fall kann der Zug nicht mehr im regulären Fahrplan-Betrieb eingesetzt werden. Aktuell stehen dem Nahverkehrsunternehmen nur 70 Prozent der benötigten Fahrzeuge zur Verfügung. Die S-Bahn fährt daher seit einigen Tagen auf den stark genutzten Ost-West-Linien S3 (Erkner–Spandau) und S5 (Strausberg Nord–Westkreuz) wieder nur mit Zügen, die sechs statt acht Wagen haben. Auf allen übrigen Linien werden schon seit Monaten nur verkürzte Züge eingesetzt.

Die Lüfter-Ausfälle im Hochsommer sind laut einem Bahnsprecher ein „Konstruktionsmangel“ der Baureihe 481, der bereits wiederholt für Probleme gesorgt hat. Doch in der Vergangenheit verfügte das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn allerdings noch über genügend Reservezüge, um Ausfälle kurzfristig auszugleichen. Seit aber nach einem Radbruch im vergangenen Jahr die 481er-Züge weitaus öfter als zuvor zu Checks der Räder und Achsen in die Werkstatt müssen, ist ein solcher Ersatz oft nicht verfügbar. Es gebe zwar Gespräche mit dem Fahrzeug-Hersteller Bombardier und dem Lieferanten der zu knapp dimensionierten Lüfter, eine Lösung für das Problem gibt es bislang jedoch nicht, heißt es bei der S-Bahn.

Angesichts der vielen technischen Probleme der Baureihe 481, die mit 500 Zwei-Wagen-Einheiten das Gros der S-Bahn-Flotte bildet, fordert der Fahrgastverband Igeb den Berliner Senat zum Handeln auf. „Wir brauchen endlich eine Entscheidung über die Beschaffung neuer S-Bahn-Fahrzeuge“, sagt Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Der Senat selbst sieht einen Bedarf von 190 der im S-Bahn-Netz üblichen Zwei-Wagen-Einheiten, die spätestens ab 2017 einsatzbereit sein müssten. Allerdings ist bisher offen, wer die Züge, die aufgrund der technischen Besonderheiten des Berliner S-Bahn-Netzes eine Sonderanfertigung sind, beschaffen soll. Der Senat will bis Ende des Jahres entscheiden, ob die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ab 2017 einen Teil des Bahn-Verkehrs übernehmen oder ob es eine europaweite Ausschreibung des Auftrags gibt.