Nach der Bruchlandung

Der Rosinenbomber soll wieder fliegen

Den Eigentümer des letzten Rosinenbombers, „Air Service Berlin", hat die Bruchlandung auf dem Flughafen Schönefeld hart getroffen. Nun soll ein Verein das legendäre Flugzeug retten.

Der Rosinenbomber soll wieder fliegen. Da sind sich die zahlreichen Anhänger des legendären Flugzeugs einig. Am nächsten Mittwoch kommt der Förderverein „Rosinenbomber e.V.“ zum ersten Mal auf dem Flughafen Schönefeld zusammen, um Wege zu finden, das Flugzeug nach der Notlandung vom 19. Juni wieder flugtauglich zu machen. Fast täglich treffen E-Mails ein, kommen Anrufe und Briefe bei Frank Hellberg an. Die Sorge um die Zukunft der historischen Maschine nach der Bruchlandung treibt Menschen in aller Welt um. „Wir kriegen Hunderte von Hilfsangeboten. Luftbrückenpilot Gail Halvorsen schickte bereits 100 Euro für den Wiederaufbau.“

Hellberg, Chef von Air Service Berlin, der den Rosinenbomber seit 2001 über Berlin fliegen ließ, ist sich der Verantwortung bewusst. „Wir wollen die Maschine nicht dem Schrott der Geschichte überlassen.“ Doch ganz einfach ist die Rettung nicht. Hellbergs Firma traf die Bruchlandung seiner Hauptattraktion schwer. In seinem Besitz wird der Rosinenbomber voraussichtlich nicht mehr mit seinem vertrauten Brummen über Berlin fliegen. Hellberg hat bereits Mitarbeitern kündigen müssen.

Bruchlandung hat hellberg hart getroffen

Überlegt wird derzeit, wie das Unternehmen, das auch das rote Wasserflugzeug und den Highflyer an der Wilhelmstraße betreibt, umstrukturiert werden kann. Auf den Internetseiten von Air Service Berlin taucht der Rosinenbomber nur noch als Souvenir in Form des Flugzeugmodells oder als Poloshirt-Aufdruck auf. Die Bruchlandung hat Hellberg hart getroffen. Doch das ist die eine Sache, der „Rosinenbomber e.V.“ eine andere. Hellberg sitzt im Vorstand und denkt an die Gründung einer Stiftung – ähnlich der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, die die legendäre Ju 52 betreibt. Doch was fehlt, ist Geld, zumal der Rosinenbomber nicht kaskoversichert war.

Von Seiten der Versicherung ist jedenfalls kaum Geld für das einst für 750.000 Euro in England erworbene Flugzeug zu erwarten. So sollen erst einmal Spenden und Sponsoren gesammelt werden. Dass das klappt, glaubt Heinz-Dieter Kallbach. „Unser Ziel ist es, den Rosinenbomber wieder in die Luft zu bringen. Vielleicht ist das bis zum Jahresende zu schaffen.“ Kallbach, der den Vorsitz im Rosinenbomber-Förderverein übernommen hat, ist kein Greenhorn, sondern schrieb Fliegergeschichte. Er war lange Zeit Chefpilot für den Rosinenbomber.

ein erfahrener pilot

Der mittlerweile 69-Jährige war es, der den Rosinenbomber im Jahr 2001 aus dem englischen Coventry nach Berlin überführt hatte. Die militärische Version der DC3, eine C47 von 1944, die während der Luftbrücke Berlin-Gatow anflog, hatte Air Service Berlin-Chef Hellberg in Coventry bei der „Air Atlantic“ ausfindig gemacht. Für die mittlerweile traditionellen Rundflüge über Berlin ließ er ihn von Kallbach holen. Seither flog Kallbach das legendäre Flugzeug.

Kallbach kann auf 57 Jahre Pilotendasein zurückblicken. Bekanntheit erlangte er als derjenige, der am 23. Oktober 1989 das als „Lady Agnes“ bekannte Iljuschin-Langstreckenflugzeug IL-62 auf einem gerade mal 900 Meter langen Stoppelfeld im brandenburgischen Stölln, dem Absturzort von Otto Lilienthal, sicher landete. Schlagzeilen machte er auch im Jahr 2000, als er einen Selbstmord-Attentäter während eines Fluges von Teneriffa nach Berlin überwältigen konnte. „Verbunden ist mein Name aber vor allem mit dem Rosinenbomber“, sagt Kallbach. Die Idee, den Rosinenbomber über eine Stiftung zu betreiben, habe es bereits vor der Bruchlandung gegeben. Der Unfall aber zwinge nun zum Handeln.

Wer mithelfen will, ist zum ersten Treffen des „Rosinenbomber e.V.“ am Mittwoch, 14. Juli, um 18 Uhr in die Lounge des Terminal C am Flughafen Schönefeld eingeladen.