Fotokunst

Berliner C/O Galerie muss Postfuhramt verlassen

Die renommierte Galerie C/O Berlin, eine der wichtigsten Adressen für Fotokunst in Deutschland, muss aus dem ehemaligen Postfuhramt in Mitte ausziehen. Grund soll der Verkauf der Immobilie an ausländische Investoren sein.

Foto: mb / Klaus Franke

Vorboten hätte es genug gegeben, „wir leben ja nicht auf einem fremden Planeten“, aber die Schnelligkeit der Entscheidung war dann für die Macher von C/O Berlin schon frappierend. Die Galerie, einer der lebendigsten und attraktivsten Orte internationaler Fotokunst weit über Berlins Grenzen hinaus, muss raus aus dem Postfuhramt an der Szenemeile Oranienburger Straße/Ecke Tucholsky. Stichtag des Auszuges ist der 31. März 2011 – das C/O-Stammhaus wird verkauft.

Der neue Besitzer, ein namhafter Immobilienentwickler aus Israel, hat angekündigt, das Ensemble denkmalgerecht zu sanieren. Ergänzt werden soll der historische Bau durch einen Hotelneubau im Innenhof, der sich bis zur Auguststraße erstrecken soll. Der neue Hausherr des repräsentativen Bachsteingebäudes hat „eigentlich ein schönes Konzept mit einer Mischnutzung aus Kultur, Wohnen, Einkaufen, Gastronomie und Hotel“, sagt der für die Baugenehmigung zuständige Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD). Umso bedauerlicher sei es, dass die C/O Galerie dort keine Zukunft mehr haben soll. „Eine wertvollere Kulturnutzung kann man sich doch eigentlich nicht vorstellen“, so Gothe. Er hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei: „Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass die Galerie bleiben kann“, verspricht er.

Der Postbetrieb an der Oranienburger Straße war 1995 endgültig eingestellt worden. Es folgten zehn Jahre der Zwischennutzung mit Partys, Konzerten, Kunstaktionen und Festivals, bevor die Post AG das denkmalgeschützte Gebäude im Jahr 2005 an einen israelischen Geschäftsmann verkaufte. 16 Millionen Euro soll dieser für das 1881 gebaute, seinerzeit größte Berliner Behördengebäude, gezahlt haben. Mit dem letzten Besitzer, so Pressesprecher Mirko Nowak, hätte das C/O-Team ein „partnerschaftliches Verhältnis“ gehabt, nur deswegen sei das Haus auch weit geöffnet worden für eine kulturelle Melange aus Café, Kultur, Fotografie und den Rodeo-Club, der nun auch vor dem Aus steht. Genau diese Mischung stand für den Geist dieses Hauses, das heute noch seinen Charme aus der putzbröckelnden DDR-Grandezza bezieht. Bei den freitäglichen Vernissagen war es nicht selten, dass Hunderte von Leuten Schlange standen.

Einen neuen Standort gibt es noch nicht, aber „wir sind zuversichtlich“, so Nowak. Wird es wieder der Bezirk Mitte werden? „Schauen wir mal“, so der Kommentar. In der Tat wird es nicht leicht werden, ein adäquates Gebäude zu finden, weil der jetzige Standort für ein Ausstellungshaus ideal an der touristischen „Laufstrecke“ liegt. Zudem eignet sich das alte Postfuhramt hervorragend als Ausstellungsort, die Atmosphäre ist dicht, Vergangenheit dringt aus dem Gemäuer. Imposant ist die alte Sporthalle, die mit ihren über fünf Meter hohen Decken gerade für großformatige Bilder ein besonderes Umfeld schafft.

Ein wenig bitter ist es schon, dass die Ankündigung des Immobilien-Verkaufes so kurz vor der fröhlichen Feier zum zehnten Geburtstag von C/O gefallen ist. Dieser Tage erst wurden Einladungen zum Fest und zur Vernissage der Jubiläumsschau mit Fotografen der Agentur Magnum, der bekanntesten Fotoagentur der Welt, verschickt. Zur Erinnerung: am 14. Juli 2000 feierte C/O ihren Einstand im damals leerstehenden Postfuhramt bereits mit einer Magnum-Präsentation. Ein Riesenerfolg mit 30.000 Besuchern. Ein Jahr später zog C/O in ein schickes Quartier in die Linienstraße. 2006 stand das Postfuhramt wieder zur Disposition, C/O ging als Hauptmieter zurück. Schnell erwarben sich die Macher um den Gründer Stephan Erfurt einen guten Ruf, der sich in der Qualität der vorwiegend hochkarätigen Foto-Ausstellungen widerspiegelt. Die Schau der bekannten US-Fotografin Annie Leibovitz, nur in Berlin zu sehen, schlug alle bisherigen Rekorde – 110.000 Besucher strömten in die Ausstellung „A Photographer's Life“. Im Jahr des Auszuges, Frühjahr 2011, war eine Robert Mapplethorp-Präsentation geplant. Garant für einen erneuten Publikumsrenner. Doch dieser Termin wird wohl nun den Umzugskisten weichen müssen.