Neuer Fall

Kind von Berliner Hedwigschwestern missbraucht

In den 60er-Jahren soll in einem Heim der Berliner Hedwigschwestern ein Mädchen von einer Nonne sexuell missbraucht worden sein. Das teilte die Ordensgemeinschaft mit. Das mutmaßliche Opfer lebte in einem Heim in der Nähe des Wannsees.

Nach dem Missbrauchsvorwurf gegen eine Nonne aus einem Berliner Kinderheim haben die Hedwigschwestern eine „offensive Aufklärung“ angekündigt. „Die Ordensgemeinschaft will den Vorwurf ernsthaft prüfen, sich damit auseinandersetzen und den Fall aufklären“, sagte Sprecher Thomas Gleißner am Montag. Die Hedwigschwestern hätten bereits mit der mutmaßlichen Täterin gesprochen. Sie bestreite die Vorwürfe jedoch, sagte Gleißner.

Eine ehemalige Bewohnerin des Heims berichtete in der ZDF-Sendung „Mona Lisa“ am Sonntag, dass sie in den 50er- und 60er-Jahren von einer Nonne über Jahre hinweg missbraucht worden war. Die heute 60-Jährige spricht von ständigen Berührungen im Intimbereich, die begonnen haben sollen, als sie acht Jahre alt war. Die Frau beschuldigt eine heute 79 Jahre alte Frau, die noch immer in Berlin lebt. Die ehemalige Nonne sei 1986 aus persönlichen Gründen aus dem Orden ausgetreten, sagte Gleißner.

Das mutmaßliche Opfer war von 1955 bis 1965 in zwei Kinderheimen des Ordens, wie Gleißner sagte. Die Missbräuche sollen in einem Heim in der Nähe des Wannsees geschehen sein, wo die Frau von 1958 an untergebracht war. Dieses Kinderheim liegt in Zehlendorf in direkter Nachbarschaft zum Mutterhaus „Sancta Maria“. Noch heute ist dort Platz für bis zu 80 Jungen und Mädchen. Anders als früher arbeiten in dem Heim laut Gleißner heute vor allem Erzieher und nicht Nonnen.

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