Don-Bosco-Heim

Betroffener - Kinder mussten nackt in die Ecke

Weitere Betroffene haben zu Wochenbeginn von Missbrauchsfällen im Don-Bosco-Heim berichtet. So glaubt ein heute 67-Jähriger, dass zwei der Patres sadistisch veranlagt gewesen seien. Der Salesianer-Orden, der das Heim betrieben hatte, verspricht schnelle Aufklärung.

Nach Jahrzehnten des Schweigens erheben jetzt immer mehr ehemalige Zöglinge des früheren Don-Bosco-Kinderheimes in Wannsee Vorwürfe gegen Geistliche und Mitarbeiter der Einrichtung. Auch am Montag meldeten sich bei Morgenpost Online weitere Betroffene.


Der Salesianer-Orden, der das Heim betrieben hatte, will allen Vorwürfen "mit großem Nachdruck und ohne Ansehen der Person" nachgehen und aufklären. Besonders wichtig sei es, den Opfern beizustehen, um sie bei der Aufarbeitung ihrer Leiden zu unterstützen, sagte eine Sprecherin des Ordens in München.

Ein 67 Jahre alter früherer Heimbewohner sagte, dass "Griffe der Patres unter die Bettdecke mit Scham verletzenden Berührungen" schon Mitte der 50er-Jahre an der Tagesordnung gewesen seien. Und ein nicht ordentlich gemachtes Bett wurde bestraft, indem die Jungen nackt in der Ecke stehen mussten, sagte Norbert D. aus Wedding. Er wurde von 1955 bis 1958 erst im alten Don-Bosco-Standort in Siemensstadt, später in Wannsee erzogen. "Wir wurden mit verschiedensten Gegenständen auf den Kopf und auf den Rücken geschlagen." Zwei der Patres seien "sadistisch veranlagt" gewesen.

Es gibt indes auch Stimmen ehemaliger Heimkinder, die keine der genannten Vorwürfe bestätigen können.

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