Ärger um "Knöllchen"

Mit dem Maserati im Dienste der Obdachlosen

70 Stundenkilometer waren erlaubt, 96 fuhr er, 270 kann er. Dann wurde der Luxuswagen auf der Landstraße geblitzt. Pikant: Der Maserati Quattroporte gehört der Treberhilfe Berlin, der Fahrer des Wagens konnte nicht ermittelt werden. Jetzt wehrt sich der Chef der gemeinnützigen GmbH, die sich um die Ärmsten der Armen kümmert, gegen ein Fahrtenbuch.

96 Stundenkilometer auf der Landstraße waren zu schnell – auch für einen Maserati Quattroporte, der doch Tempo 270 schafft. Dennoch: Nur Tempo 70 war erlaubt. Das „Knöllchen“ wäre wohl niemandem aufgefallen, hätten die Behörden nicht die Auflage erteilt, ein Fahrtenbuch zu führen, weil sich der Fahrer nicht mehr ermitteln ließ. Das wollte der Besitzer nicht hinnehmen und klagte vor dem Verwaltungsgericht.

Der Besitzer, das ist die Treberhilfe Berlin, eine gemeinnützige GmbH, die sich mit 280 Mitarbeitern um die Ärmsten der Armen Berlins kümmert – darunter viele Obdachlose – und wiederum zur Hälfte ihrem Chef, Harald Ehlert, gehört. Der rund 120.000 Euro teure italienische Sportwagen mit 4,2-Liter-V8-Motor und 400 PS ist sein Dienstauto. Ehlert, der sich auf seinen Dienstfahrten von einem Fahrer chauffieren lässt, meint, es sei zu aufwendig, ein Fahrtenbuch zu führen. Am kommenden Mittwoch ist der Gerichtstermin.

Einen Widerspruch zwischen seinem Einsatz für die Obdachlosen und dem Fahren eines Luxus-Dienstwagens sieht Ehlert nicht. Er bezeichnet sich als Sozialinvestor. „Wir haben den Wagen angeschafft, als wir beschlossen haben, auch Investorenverantwortung zu übernehmen.“ Es sei an der Zeit, darauf aufmerksam zu machen, dass die Sozialwirtschaft eine unternehmerische Tätigkeit sei. Zum Fuhrpark der Treberhilfe gehören „nur“ noch einige 1er-BMW und Lkws. Privat fährt Harald Ehlert einen Jaguar-Sportwagen.

( bsm )