Intensivtäter

Bezirk Neukölln schickt 13-Jährigen nach Kirgisien

Jens Anker

Diebstahl, Körperverletzung, Raub - in den letzten zwei Jahren soll ein Junge in Berlin mehr als 100 Straftaten begangen haben. Alle Maßnahmen des Jugendamtes Neukölln scheiterten. Jetzt haben die Behörden die Notbremse gezogen und den 13-Jährigen zur Sozialisierung auf einen Bauernhof in Kirgisien geschickt. Für den Jungen ist das die letzte Chance.

Das Jugendamt hat einen 13-jährigen Serientäter zur Sozialisierung nach Kirgisien geschickt. „Das strafunmündige Kind hat sich allen Versuchen entzogen, sein Verhalten zu ändern“, sagte Neuköllns Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne) am Dienstag. Die Eltern des Jungen waren mit ihren acht Kindern im März 2008 aus einem polnischen Zeltlager für Sinti und Roma nach Berlin gekommen. Der damals elfjährige Junge fiel sofort strafrechtlich auf. Inzwischen steht er im Verdacht, mehr als 100 Straften begangen zu haben: von Diebstahl über Körperverletzung bis Raub.

Als letzte Chance sah das Jugendamt die Verschickung auf einen Bauernhof in Kirgisien, der von einem anerkannten, internationalen Träger geführt wird. „Das darf man sich nicht als exotischen Urlaub vorstellen, sondern als sehr strukturierte Maßnahme“, sagte Vonnekold. Die Einrichtung in Kirgisien versuche, schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen einen sozialen Rahmen zu geben, damit sie ihr Leben ändern.

Dagegen hält Jugendrichterin Kirsten Heisig die Verschickung des Jungen nach Kirgisien für keine gute Idee. „Das kann keine dauerhafte Strategie sein“, sagte Heisig. „Man muss die Probleme da lösen, wo sie entstehen.“ Heisig setzt sich seit Jahren für geschlossene Heime ein.