Potsdam

Ex-Stasi-Spitzel will Oberbürgermeister werden

Hans-Jürgen Scharfenberg will für das Amt des Potsdamer Oberbürgermeisters kandidieren. Seine Partei scheint daran keinen Anstoß zu nehmen: Die Stasi-Vergangenheit des Linke-Fraktionschefs sei seit 1995 bekannt, heißt es. Die von der Birthler-Behörde freigegebene 300-Seiten-Akte belegt, dass Scharfenberg als IM "Hans-Jürgen" keine Skrupel hatte, Kollegen und Freunde bei der Stasi anzuschwärzen.

Foto: picture-alliance/ ZB / Zentralbild

Ein ehemaliger Stasi-Spitzel will Potsdam regieren: Der Linken-Politiker Hans-Jürgen Scharfenberg hat angekündigt, bei der Oberbürgermeister-Wahl im Herbst in der Landeshauptstadt anzutreten. Seine Partei hat bereits signalisiert, dass sie den 55-Jährigen spätestens im Sommer für das kommunalpolitische Amt nominieren wird. Interne Widerstände scheint es nicht zu geben. Seine Stasi-Vergangenheit sei bekannt, heißt es. Scharfenberg war bereits bei der OB-Wahl 2002 angetreten und unterlag damals gegen den SPD-Kandidaten Jann Jakobs nur knapp – zum Sieg fehlten ihm 122 Wählerstimmen.

Scharfenberg gab seine MfS-Tätigkeit bereits 1995 zu, als er Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung wurde. Der Landtagsabgeordnete hat aber anders als die Fraktionschefin im Landtag, Kerstin Kaiser, bislang auf eine detaillierte Darstellung seiner Stasi-Machenschaften verzichtet. Auf seiner Internetseite ist lediglich zu lesen: „Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit“. Der Linken-Politiker will auch künftig zurückhaltend mit seiner Verstrickung umgehen. Der Morgenpost sagte er: „Ich muss das ja nicht wie ein Schild vor mir hertragen.“

Oberbürgermeister Jakobs zeigt sich optimistisch, „dass die Mehrheit der Potsdamer einen früheren Stasi-Spitzel als Stadtoberhaupt nicht haben will“. CDU-Landeschefin Johanna Wanka sagte, ein Oberbürgermeister mit Stasi-Vergangenheit wäre für Potsdams Image schädlich. Die von der Birthler-Behörde freigegebene Akte umfasst rund 300 Seiten und zeigt, dass Scharfenberg keine Skrupel hatte, Kollegen und Freunde bei der Stasi anzuschwärzen. Dabei schreckte IM „Hans-Jürgen“ – so der selbst gewählte Deckname des Zuträgers – auch nicht vor pikanten persönlichen Einschätzungen zurück. Immer wieder berichtete Scharfenberg über sexuelle Präferenzen von Personen aus seiner Umgebung.

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