Stadtentwicklung

Sanierungsgebiete werden teurer als geplant

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Jens Anker
Der Kiez an der Langhansstraße in Pankow ist das jüngste der zehn Sanierungsgebiete in Berlin.

Der Kiez an der Langhansstraße in Pankow ist das jüngste der zehn Sanierungsgebiete in Berlin.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Statt der geplanten 400 Millionen Euro sind für die Aufwertung der zehn Stadtquartiere 717 Millionen notwendig.

Berlin. Die Aufwertung der derzeit zehn Sanierungsgebiete in der Stadt wird erheblich teurer als ursprünglich geplant. Laut einem Bericht der Stadtentwicklungsverwaltung zum Stand der Umsetzung kostet die Sanierung statt der bislang veranschlagten 400 Millionen Euro nun mehr als 700 Millionen Euro. „Zur Erreichung der im Jahr 2021 konkretisierten Planungsziele sind im Saldo 717 Millionen Euro erforderlich“, heißt es in dem Bericht des Baustaatssekretärs Christian Gaebler an den Hauptausschuss.

Von den Mehrkosten entfallen dabei unter anderen Kosten von 140 Millionen Euro auf die soziale Infrastruktur in den Sanierungsgebieten, 83 Millionen Euro auf zusätzliche Spielplätze und Grünflächen und 64 Millionen Euro für die Wohnraumförderung.

Die Bevölkerung ist in den Quartieren um zwölf Prozent gewachsen

Als Hauptursache für den erheblichen Mehraufwand gibt Gaebler dabei den Bevölkerungszuwachs an. Im Schnitt wohnen zwölf Prozent mehr Menschen in den Sanierungsgebieten als zu Beginn der Maßnahmen, so dass die Schaffung zusätzlicher Kita- und Schulplätze sowie Grünflächen und Spielplätzen notwendig wird.

„Vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahre und sich ändernder Infrastrukturbedarfe werden mehr Investitionen gerade in den benachteiligten Stadtquartieren benötigt“, heißt es weiter. Insbesondere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen haben einen höheren Investitionsbedarf als geschätzt, auch durch Neubau, Um- und Wiedernutzung, zeitgemäße Anpassung sowie energetische Sanierung.“

Nach Angaben der Verwaltung fördert das Land vorrangig solche Projekte, die die Lebensqualität der Menschen verbessern. „Im Fokus stehen vielfältige Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebote, einladende öffentliche Räume, zukunftsfähige Mobilitätsangebote und ein hohes Maß an sozialer Integration“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Bislang sind 341 Millionen Euro geflossen

Bislang sind nach Angaben der Verwaltung bereits 341 Millionen Euro in die zehn Sanierungsgebiete geflossen, also knapp die Hälfte des notwendigen Betrages. Während die Investitionen in die Infrastruktur und in den öffentlichen Raum schon deutlich fortgeschritten sind, hakt es – wie in der ganzen Stadt – beim Wohnungsneubau. Hier sind laut dem Bericht erst vier Prozent des geplanten Volumens umgesetzt.

Auch in den kommenden Jahren wird sich daran nichts Entscheidendes ändern. Von den 83 Millionen Euro, die in den kommenden beiden Jahren für die Sanierung der Stadtquartiere zur Verfügung stehen, sind gerade einmal 200.000 Euro für Vorhaben des Wohnungsbaus vorgesehen.

Mit der sozialen Stadterneuerung (früher: Stadtumbau) sollen benachteiligte Stadtteile wieder aufgewertet werden. Dafür stehen Finanzmittel des Bundes und Berlins zur Verfügung. Für die insgesamt 69 Städtebaufördergebiete stellt der Bund insgesamt 790 Millionen Euro zur Verfügung. Die aktuell berechneten Mehrkosten für die zehn Sanierungsgebiete werden nach Senatsangaben vor allem durch eine Umschichtung der Bundesmittel von anderweitig geplanten Maßnahmen in die Sanierungsgebiete bestritten.

Die Sanierungsmaßnahmen dauern bis zu 15 Jahre

Die Stadterneuerung ist auf einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren ausgelegt. Nach Abschluss der Maßnahmen werden die Stadtquartiere aus dem Förderprogramm entlassen. Viele Bezirke fordern nach erfolgter Aufwertung teilweise hohe sechsstellige Beträge von den Hauseigentümern, da ihre Immobilien durch die Sanierung des Wohnumfelds an Wert gewonnen haben. Durch die im Baugesetzbuch vorgesehene Ausgleichszahlung haben die Bezirke in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend Millionen Euro von den Hauseigentümern eingefordert.

Derzeit gibt es zehn Sanierungsgebiete, die meisten davon in Mitte (Turmstraße, Müllerstraße, Nördliche Luisenstadt und Bad-/Pankstraße). Außerdem werden derzeit die Quartiere in der südlichen Friedrichstadt und der Rathausblock (beide in Friedrichshain-Kreuzberg), die Wilhelmstadt (Spandau), die Quartiere Karl-Marx-Straße/Sonnenallee (Neukölln) und die nördliche Frankfurter Allee (Lichtenberg) saniert und aufgewertet.

Als letztes Sanierungsgebiet kam Ende vergangenen Jahres die Langhansstraße in Pankow dazu. Hier stehen in den kommenden 15 Jahren zunächst 65 Millionen Euro für die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität zur Verfügung. Die zehn Sanierungsgebiete umfassen 660 Hektar Fläche, auf denen rund 100.000 Menschen leben.