Immobilien

Deutsche Wohnen: Aktionäre lehnen Übernahme ab

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Isabell Jürgens
Blick auf die Zentrale der börsennotierten Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen SE in Berlin.

Blick auf die Zentrale der börsennotierten Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen SE in Berlin.

Foto: dpa

Das Vonovia-Angebot zur Übernahme des Berliner Konzerns Deutsche Wohnen hat erneut nicht die notwendige Zustimmung erhalten.

Bochum/Berlin. Zum zweiten Mal hat die Mehrheit der Aktionäre der Deutsche Wohnen das Übernahmeangebot durch Deutschlands größten Immobilienkonzern Vonovia abgelehnt. Zu wenige Deutsche-Wohnen-Aktionäre hätten das Übernahmeangebot angenommen, teilte Vonovia am Freitag mit. Für das Land Berlin, das im Zuge der Fusion 20.000 Wohnungen aus den Beständen der beiden Unternehmen in der Hauptstadt übernehmen wollte, bricht damit die Ungewissheit an, ob der Mega-Deal wie geplant zustande kommen kann.

Obwohl Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen ihren Aktionärinnen und Aktionären empfohlen hatten, das Übernahmeangebot anzunehmen, wurden nach Vonovia-Angaben bis kurz vor dem Ende der Nachbuchungsfrist am Freitag um 18 Uhr nur rund 47,6 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen angedient. Nötig für eine Übernahme sind 50 Prozent. „Wir werden die möglichen Optionen, wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien nun sorgfältig prüfen“, sagte Buch laut Mitteilung.

Deutsche Wohnen und Vonovia: Übernahmeversuch schon 2016 gescheitert

Bereits im Jahr 2016 war Vonovia mit einem Übernahmeversuch gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Im Gegensatz zur neuen Offerte hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot damals als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Nun warben beide Unternehmen gemeinsam für die Annahme des Angebots.

Das Bundeskartellamt hatte im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, so die Wettbewerbshüter. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen rund 150.000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen. Um der Kritik an der Fusion die Spitze zu nehmen, hatte Vonovia sich verpflichtet, bis 2026 in Berlin die jährlichen Mietsteigerungen auf höchstens ein Prozent im Jahr zu begrenzen. „Zu diesem Angebot stehen wir auch weiterhin“, sagte Vonovia-Sprecherin Nina Henckel der Berliner Morgenpost.

Beide Konzerne hatten dem Senat zudem den Verkauf von 20.000 Wohnungen angeboten. „Diese Vereinbarung war an den Zusammenschluss gekoppelt, aber auch daran wollen wir festhalten“, versicherte die Vonovia-Sprecherin. „Da wird es natürlich um eine andere Größenordnung gehen, die noch zu besprechen sein wird. Denn der Verkauf betraf ja die Bestände beider Wohnungsunternehmen“, so Henckel weiter. Von der Deutsche Wohnen hieß es am Freitagabend, man nehme Entscheidung der Aktionäre zur Kenntnis und werde die Situation entsprechend analysieren.

Immobilienfusion wohl gescheitert - Senat zeigt sich überrascht

Die politische Spitze Berlins reagierte noch zurückhaltend. „Die Nachricht des voraussichtlichen Scheiterns der Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen kam überraschend“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Freitagabend. „Es wird sich in den nächsten Tagen klären, ob es zu der Fusion kommt oder nicht. Es gilt also abzuwarten, wie sich die Unternehmen positionieren.“