Montagskrimi

ZDF-Krimi: Dieser Kommissar nimmt alles ganz persönlich

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Zander
50 Jahre Tatort

50 Jahre Tatort

Am 29. November 2020 feiert 50. Geburtstag. 1146 Folgen aus 37 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Krimiserie zeigt nicht nur den Umgang mit dem Verbrechen, sondern zeichnet auch ein Bild der deutschen Gesellschaft und ihres Wandels

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Im ZDF-Krimi „Laim und die Tote im Teppich“ nimmt es Max Simonischek diesmal mit der politischen Rechten auf - und kommt an seine Grenzen.

Berlin. In einen Teppich eingerollt, so die Logik vieler Kriminalfilme, ist eine Leiche am leichtesten zu beseitigen. Weil keiner ahnt, was drinsteckt. In diesem Fall legt der Täter Wert darauf, dass es ein Perserteppich ist. Denn die Tote im Teppich war Muslima. „Ein Kopftuch weniger“, wird es später zynisch heißen. Die Leiche wird mitsamt dem edlen Gewebe in aller Öffentlichkeit auf der Theresienwiese abgeworfen. „Entsorgt wie Müll“, wie der Kommissar konsterniert feststellt.

Es ist bereits der vierte Fall für Max Simonischek als TV-Ermittler Lukas Laim, der so heißt wie der Münchner Stadtbezirk. Der erste Fall „Die Tote ohne Alibi“ war 2012 noch ohne Label, doch seit 2017 gibt es, immer mit Drehbuchautor Christoph Darnstädt und Regisseur Michael Schneider, Fortsetzungen in unregelmäßiger Folge, die den Kommissar auch im Titel tragen.

„Laim und die Zeichen des Todes“, „Laim und der letzte Schuldige“ und nun „Laim und die Tote im Teppich“. Immer ist Max Simonischek, Schauspieler wie sein Vater Peter Simonischek, darin als äußerst wortkarger Ermittler, ein dunkler Ritter, ein Mann aus reichem Hause, der sich abends gern mit Damen vergnügt, durchaus auch aus dem käuflichen Gewerbe, der aber mit den Missständen der Gesellschaft hadert und auch mal recht unorthodoxe Ermittlungsmethoden anwendet, wenn konventionelle Polizeiarbeit nicht weiter führt.

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"Laim und die Tote im Teppich": Jäger wird zum Gejagten

Im neuen Fall aber scheint die Gegenseite immer einen Zug voraus. Das abgestellte Auto, in dem Tote und Teppich transportiert wurden, gehört dem Fechtlehrer einer schlagenden Verbindung, Hinni Feuer (Shenja Lacher). Bei dem wurde auch eingebrochen und der Teppich gestohlen. Feuer hat auch gleich eine gewagte These, was geschehen sein muss. Der Zuschauer weiß es indes besser, denn er hat gleich anfangs gesehen, wie der bei sich selbst eingebrochen ist. Bald gesteht Feuer Laim auch, dass er der Täter ist, grinst aber überlegen, dass man es ihm nie nachweisen könne.

Feuer hat nämlich ein wasserfestes Alibi, das ihm gleich mehrere prominente Männer geben, die alle der Neuen Rechten zugehören. Die scheinen bestens vernetzt bis in höchste Polizeikreise. Denn plötzlich wird der Jäger zum Gejagten und Laim von Kollegen des Drogendezernats der Hehlerei bezichtigt.

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Da fällt dem Ermittler die pechschwarze Strähne noch düsterer ins Gesicht als sonst. Laim hat sich aber noch nie um Vorschriften geschert, und wenn man ihn suspendiert, macht er halt auf eigene Faust weiter. Zur Not hilft ja immer noch der stets korrekte Kollege Simhandl (Gerhard Wittman), der für Laim das ist, was Thanner für Schimanski war.

Kommissar bringt sich selbst in Gefahr

Die „Laim“-Fälle heben sich erfrischend ab von vielen redseligen, oft auch geschwätzigen Krimis im deutschen Fernsehen. Da leidet einer an der Welt, beklagt dies aber nicht lauthals, sondern tut alles, um dagegen anzugehen. Die Herren der Neuen Rechten fühlen sich allerdings ziemlich sicher und unangreifbar. Und dann ist da auch noch eine rabiate junge Frau, die Laim in die Quere kommt und buchstäblich zu Fall bringt.

Immer wieder begibt Laim sich selbst in Gefahr, erst recht beim spitzklingenden Finale. Da ist immer auch ein bisschen männliche Selbstüberschätzung dabei, und nach solchen Aktionen müsste man eigentlich tatsächlich suspendiert werden. Aber der Mann nimmt eben alles persönlich. Und wer sich allzu sicher wähnt, den muss er erst recht überführen. Schon aus Ehrgefühl.

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„Laim und die Tote im Teppich“: ZDF, 19. April, 20.15 Uhr