Kontakt ins Clan-Milieu?

Hinweis zu Amri-Helfer: Verfassungsschützer in Erklärungsnot

Ein Mitarbeiter hatte einen Hinweis auf mögliche Hintermänner des Attentäters aus dem Clan-Milieu - dieser wurde nicht weitergegeben.

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gilt als das schlimmste Attentat der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gilt als das schlimmste Attentat der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Ein Verfassungsschützer aus Mecklenburg-Vorpommern ist im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz erheblich in Erklärungsnot geraten. Nach Einschätzung von Teilnehmern seiner geheimen Zeugenvernehmung konnte der frühere Referatsleiter am späten Donnerstagabend nicht schlüssig erklären, weshalb er im Februar 2017 den Hinweis eines Mitarbeiters auf mögliche Hintermänner des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri aus dem Berliner Clan-Milieu nicht an die Ermittler oder das Bundesamt für Verfassungsschutz weitergegeben hatte.

Ein Mitarbeiter seiner Abteilung, der den Hinweis eines Informanten damals für glaubwürdig hielt, hatte sich den Angaben zufolge schließlich - Jahre später - aus Angst vor weiteren Anschlägen aus diesem Kreis an andere Vorgesetzte und auch an den Generalbundesanwalt gewandt.

Diesen Hinweis damals nicht weiterzuleiten, „war ein Versäumnis, dass nicht nur die Aufklärung des schlimmsten islamistischen Anschlags in der Bundesrepublik gebremst hat, sondern zudem höchst risikobeladen war“, sagte die Grünen-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Irene Mihalic, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Nach dieser Vernehmung habe ich den Eindruck, dass die Entscheidung, so einen Hinweis nicht weiterzugeben, rechtswidrig war“, kommentierte der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser.

Bei dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz starben elf Menschen

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und den Fahrer getötet. Anschließend raste der Tunesier mit dem Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche, wo elf weitere Menschen starben und Dutzende verletzt wurden. Wie es Amri, der später in Italien von der Polizei erschossen wurde, nach dem Attentat gelang, Berlin unerkannt zu verlassen, ist bis heute ungeklärt.

Clan-Mitglieder sollen sich über Amri unterhalten haben

Wie die Ausschussmitglieder inzwischen herausfanden, hatte der Informant aus dem Islamisten-Milieu seinem Kontaktmann beim Landesamt für Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern rund zwei Monate nach dem Anschlag berichtet, er habe in Berlin - mehr oder weniger zufällig - mitgehört, wie sich Mitglieder eines arabischen Clans über Amri unterhielten.

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Dem Vernehmen nach schloss der Informant aus dem Gespräch, sie hätten ihm Geld gegeben und auch bei der Flucht geholfen. Aus dem Untersuchungsausschuss, der Behördenfehler rund um den Anschlag aufklären soll, hieß es, das Verhältnis zwischen dem Mitarbeiter des Landesamtes und dem Vorgesetzten, der den Hinweis erst einmal versenkt haben soll, sei wohl schwierig gewesen.

Zeuge: Verbindung von Attentäter Amri zu Clan-Kriminellen unklar

Bevor der Verfassungsschützer aus Mecklenburg-Vorpommern im Untersuchungsausschuss des Bundestages befragt wurde, wurde ein anderer Zeuge vernommen. Dieser hatte einzelne Kontakte zwischen gewaltbereiten Islamisten und kriminellen Clans nicht ausgeschlossen. Soweit ihm bekannt sei, habe es aber auch nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 keine Hinweise auf „eine strukturierte Zusammenarbeit im größeren Stil“ zwischen der Organisierten Kriminalität und Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland gegeben, sagte der Zeuge, der damals im Bundeskanzleramt mit der Fachaufsicht der Terrorismusabteilung des Bundesnachrichtendienstes befasst war.

Er sei damals davon ausgegangen, dass der Attentäter Anis Amri als „Einzeltäter“ gehandelt habe, sagte sein damaliger Vorgesetzter, der frühere Geheimdienstkoordinator des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche. Auf die Frage, ob es womöglich doch Mittäter gegeben habe, antwortete Fritsche, dies könne er aus heutiger Sicht nicht ausschließen.

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