Mobilität

Streit um Sharing-Fahrzeuge auf dem Pariser Platz

Fahrräder, E-Scooter und Mopeds stehen oft in größerer Zahl vor dem Brandenburger Tor. Darüber ärgern sich viele.

Sharing-Fahrzeuge stehen auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.

Sharing-Fahrzeuge stehen auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.

Foto: Tobias Kisling

Berlin. Es ist ein buntes Farbenspiel, das sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor zeigt: Grüne E-Tretroller stehen dicht geparkt neben orangenen Leihfahrrädern, daneben reihen sich rote Mopeds aneinander.

Wer als Tourist ein Foto vom Brandenburger Tor machen möchte, kann fest damit rechnen, dass ein Sharing-Fahrzeug mit auf dem Bild sein wird. Denn der Pariser Platz und die anschließende Straße Unter den Linden ist bei Sharing-Anbietern besonders beliebt, immerhin lockt das Geschäft mit den Touristen, die die Stadt per Rad oder Roller erkunden wollen – das gefällt allerdings nicht allen.

Video: Fahrzeuge stehen in Fünferreihen

Das Gros der Fahrzeuge ist direkt am Anfang des Boulevards Unter den Linden aufgestellt. Doch auch auf dem Pariser Platz stehen viele Fahrzeuge dicht gedrängt aneinander. Welche Ausmaße das Angebot annehmen kann, wurde am vergangenen Wochenende beim Christopher Street Day (CSD) deutlich.

Ein Video eines Twitter-Nutzers zeigt die Fahrzeuge, die teils in Vierer- und Fünferreihen geparkt sind. Beim diesjährigen Christopher Street Day war rund eine Million Teilnehmer auf die Straßen gegangen, die Route führte unter anderem Unter den Linden entlang.

Von Dassel fordert Gebühr von Sharing-Unternehmen

Es sind solche Zustände, die Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) vor zwei Wochen dazu bewogen haben, öffentlich über Sondernutzungsgebühren für die Sharing-Unternehmen nachzudenken.

„Meine Meinung ist, wer den öffentlichen Raum wirtschaftlich nutzt, braucht eine Genehmigung und muss eine Gebühr bezahlen“, teilte von Dassel per Videobotschaft mit. Zuvor hatte er bereits im Gespräch mit unserer Redaktion seinen Vorschlag publik gemacht.

Kritik an Sharing-Fahrzeugen

Auch bei einigen Berlinern kommen die zahlreichen Fahrzeuge nicht gut an. „Das Brandenburger Tor mit den beiden Botschaften ist eine Fotokulisse, schick sehen die Fahrzeuge davor nicht aus“, findet Taxifahrer Michael Dargel, der vor dem Pariser Platz auf Kundschaft wartet.

Wenn es nach Dargel ginge, sollte der breite Mittelstreifen Unter den Linden genutzt werden, um die Fahrzeuge geordnet aufzustellen. Grundsätzlich findet Dargel, dass die „Sharing-Fahrzeuge abseits der Sehenswürdigkeiten aufgestellt werden sollten.“

Bei Touristen sind die Angebote beliebt

Touristin Sabine Garcia sieht das anders: „Ich finde die Roller und Fahrräder praktischer und schöner als Autos“, meint sie mit Blick auf die vielen Taxis in der Schleife vor dem Pariser Platz und die Autos, die vor dem Hotel Adlon abgestellt sind. Bisher hat sie noch nie einen E-Tretroller ausprobiert, das Angebot an Scootern vor dem Brandenburger Tor lockt sie nun aber doch, selbst eine Runde zu drehen.

„Gerade als Tourist ist es angenehm, so die Stadt erkunden zu können“, findet Garcia. Wenig später hat sie sich die App des Anbieters installiert und dreht ihre erste Runde vor dem Brandenburger Tor.

Stadttour per Fahrrad

Auch Familie Steensberg aus Dänemark hat kein Problem damit, dass die Roller mitten vor dem Berliner Wahrzeichen stehen und auf Erinnerungsfotos zu sehen sein werden. Im Gegenteil: „Wir kennen das System leider nicht und wissen noch nicht, wie es funktioniert, würden es sonst aber gerne nutzen“, meint Anne Steensberg.

Insbesondere die Leihräder böten sich an, um die Stadt zu erkunden. Dass die Fahrzeuge an einem zentralen Ort geparkt seien, sei für sie als Touristen „praktisch“.

In Mitte sind deutlich mehr Scooter als in anderen Bezirken

Für die Touristen scheint der Nutzen zu überwiegen. An Angebot mangelt es nicht. Nach Zahlen des RBB sind in Mitte mit durchschnittlich 2165 E-Tretroller fast so viele Scooter unterwegs wie in allen anderen Stadtteilen zusammen. Die Scooter werden immer beliebter, aber auch immer häufiger zum Verkehrsrisiko. Strikte Regeln wie in anderen Großstädten wie Wien fehlen bisweilen.

Als Alternative zu Sondernutzungsgebühren für E-Tretroller-Unternehmen könnte sich Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel daher auch vorstellen, dass sich die Sharing-Unternehmen verpflichten, die Außenbezirke besser auszurüsten. „Denn während die Leihfahrzeuge in Mitte immer mehr zur Plage werden, könnten sie in anderen Teilen eine sinnvolle Ergänzung zu Bus und Bahn und dem eigenen Auto sein“, teilte der Bezirksbürgermeister in seinem Twitter-Video mit.