Migration

Solidarität in Berlin für Sea-Watch-Kapitänin

In Berlin gibt es Solidaritätsbekundungen für die festgenommene Sea-Watch-Kapitänin Rackete. Werden die Flüchtlinge in Berlin aufgenommen?

Menschen steigen von Bord des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" nach dem Anlegen im Hafen der Insel Lampedusa.

Menschen steigen von Bord des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" nach dem Anlegen im Hafen der Insel Lampedusa.

Foto: dpa

Berlin hat seine Bereitschaft bekräftigt, Migranten von dem in Italien festgesetzten Rettungsschiff "Sea-Watch 3" zu helfen. Zugleich zeigten am Dienstag in der Hauptstadt Unterstützer ihre Solidarität mit der in Italien festgenommenen Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete. Die Organisation Seebrücke plant für Samstag bundesweit Demonstrationen für die Rechte von Flüchtlingen und für die Freilassung der 31-Jährigen.

"Wir sind bereit, solidarisch zu sein und jenseits von Kontingenten Menschen in Not zu helfen", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag. "Wir hoffen, dass es zu einer guten Lösung kommt im Interesse der Menschen, die auf der Flucht sind." Ähnlich hatte sich zuvor bereits Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) im "Tagesspiegel" (Dienstag) geäußert: "Grundsätzlich wollen wir in Seenot gerettete Flüchtlinge in Berlin aufnehmen." Zunächst sei nun aber der Bund am Zug, hier aktiv zu werden.

Erst vor kurzem hatte Berlin einige Flüchtlinge aus Nigeria und Ghana aufgenommen, die im April im Mittelmeer aus Seenot gerettet worden waren. Die Hauptstadt gehört dem kommunalen "Bündnis sichere Häfen" an, dessen Mitglieder sich bereit erklärt haben, zusätzliche Mittelmeer-Flüchtlinge aufzunehmen. Müller hatte es vor kurzem als "humanitäre und auch historische Pflicht" bezeichnet, geflüchteten Menschen zu helfen.

In Berlin begann am Montag eine Mahnwache für Rackete vor der italienischen Botschaft. Nach Angaben der Polizei kamen dort am Dienstagmorgen rund 20 Menschen zusammen. Die Mahnwache sei bis zum Sonntagabend angemeldet, sagte eine Polizeisprecherin.

Unbekannte hinterließen auch im Berliner Stadtbild ein Zeichen für die Unterstützung Racketes: In Moabit schrieben Unbekannte am Montag "Defend Solidarity. Free Carola" an eine Hausfassade. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelt.

"Carola Rackete machte das einzig Richtige: Sie rettete Leben und widersetzte sich menschenrechtswidrigen Gesetzten", sagte Seebrücken-Sprecherin Liza Pflaum am Dienstag. Deswegen sollen am Samstag in Berlin und mindestens 20 anderen Städten Solidaritätsbekundungen stattfinden. Pflaum rechnete mit vielen Teilnehmern in Berlin, da "ein sehr sehr großes Interesse in der Bevölkerung herrscht". Geplant seien eine große Kundgebung und ein Demonstrationszug durch die Stadt. Der genaue Ort werde am Mittwoch bekannt gegeben.

Rackete war am Samstag mit dem Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord trotz eines Verbots in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa eingefahren und stand zunächst unter Hausarrest. Am Dienstag wurde eine Entscheidung des Ermittlungsrichters erwartet, ob Rackete auf freien Fuß kommt oder Haftbefehl erlassen wird.