Hauptstadtbrief

Sonstige Vereinigung

Günter Bannas erinnert sich an die politisch vielgestaltige Gründungsphase der Grünen vor 40 Jahren.

Anfang kommenden Jahres werden die Grünen ihrer Gründung im Januar 1980 in Karlsruhe gedenken. Doch das – politische wie finanzielle – Fundament dafür wurde vorher gelegt: morgen vor 40 Jahren bei der ersten Europawahl am 10. Juni 1979. Die Besonderheit des Wahlgesetzes, das nicht nur Parteien, sondern auch „Sonstigen Politischen Vereinigungen“ die Beteiligung an der Wahl erlaubte, hatte dazu geführt, dass sich Organisationen aus dem „alternativen“ Milieu in einem Bündnis zusammengetan hatten. Sie nannten es „Sonstige Politische Vereinigung DIE GRÜNEN“. Selbstverständlich war das nicht. In vielen Bundesländern hatten sich miteinander streitende „Grüne Listen“ und „Bunte Listen“ gebildet. Konservative Ökologen waren darunter, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Herbert Gruhl, der die Unionsfraktion verlassen und eine „Grüne Aktion Zukunft“ gegründet hatte. Deutschnationale waren dabei, wie August Haußleiter, der Chef einer Splitterpartei („Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher“) war, sowie ehemalige Sozialdemokraten und versprengte Linke. Roland Vogt vom „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“ (BBU) war mit von der Partie. Bei einigen Kommunal- und Landtagswahlen hatten sie schon Achtungserfolge erzielt – mehr aber auch nicht. Auch intern setzten sie sich mit dem Vorhalt auseinander, letzten Endes die SPD zu schwächen und damit CDU und CSU zu nutzen.

Petra Kelly, Gruhl und Vogt führten die Liste an. Auch der damals bekannte (und ziemlich skurrile) „Öko-Bauer“ Baldur Springmann, der Schriftsteller Carl Amery und Joseph Beuys waren Kandidaten. Ihre „SPV DIE GRÜNEN“ scheiterte zwar an der Fünf-Prozent-Hürde, die es damals bei der Europawahl noch gab. Doch mit 3,2 Prozent erzielte sie ein Ergebnis, das sich sehen lassen konnte. Das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde erschien von nun an auch bei bundesweiten Wahlen realistisch, was zum Weitermachen ermunterte. Zudem erhielten sie 4,5 Millionen D-Mark als Wahlkampfkostenrückerstattung. Damit war der finanzielle Grundstock der neuen Partei gelegt. Zwar scheiterten die Grünen bei der Bundestagswahl 1980 mit bloß 1,5 Prozent, was vor allem an der Polarisierung zwischen SPD-Kanzler Helmut Schmidt und CSU-Herausforderer Franz Josef Strauß lag. Doch 1983 wurde aus der außerparlamentarischen Opposition eine parlamentarische Partei. Eine ziemlich erfolgreiche zudem, wie sich dieser Tage zeigt.