Fußball

FC Bayern gegen Liverpool: Dem Sturm getrotzt

Der FC Bayern München erkämpft sich beim offensivstarken FC Liverpool ein 0:0 und darf auf das Viertelfinale hoffen.

Endstation Manuel Neuer: Liverpools Star-Angreifer um Sadio Mané (r.) fanden gegen die Münchner Hintermannschaft kein Durchkommen

Endstation Manuel Neuer: Liverpools Star-Angreifer um Sadio Mané (r.) fanden gegen die Münchner Hintermannschaft kein Durchkommen

Foto: dpa

Liverpool. Von wegen Feuerwerk, von wegen atemloser Tempo-Fußball im mit Vorfreude erwarteten Showdown an der Anfield Road. Die Bayern spielten clever und smart ihr Ding herunter, konzentriert und sachlich wie noch nie in dieser Saison. 0:0 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp, dessen emotionsgeladener Überfallfußball von den Gästen geschickt neutralisiert wurde. Stecker gezogen. Kühl, kühler, Bayern. Am Ende rettete Nationaltorhüter Manuel Neuer mit einem Superreflex das Remis, als er einen Kopfball von Sadio Mané zur Ecke lenkte (85.). „Wir haben gut zusammen verteidigt“, sagte der Keeper, „wir standen sehr kompakt.“

Die Elf von Trainer Niko Kovac („Das sind die Spiele, für die wir Fußballer geworden sind“) agierte beinahe fehlerlos – und ohne Gegentor. Das ist den Münchnern in diesem Kalenderjahr noch nicht gelungen. Das Nullnull ist eine gute, aber knifflige Ausgangsposition fürs Rückspiel in drei Wochen in München. Mehr Sorgen muss sich jedoch Liverpool machen. Die Engländer verloren in der Gruppenphase sämtliche drei Auswärtsspiele.

Kovac musste kurzfristig auf Leon Goretzka verzichten, der wegen einer Reizung am Sprunggelenk nicht mal im Kader war. Für Bayerns besten Torschützen anno 2019 rückte Javi Martínez als defensive Absicherung in die Startelf. Er agierte bärenstark. „Er hat schon oft bewiesen, dass er in großen Spielen wichtig ist“, lobte Neuer, „Chapeau vor seiner Leistung.“ Auch Linksaußen Kingsley Coman, der sich in Augsburg am Sprunggelenk verletzt hatte, gewann den Wettlauf gegen die Zeit und konnte spielen.

Anfield ist Kult, eine Kathedrale des Fußballs, voller Magie und Historie. Man kann den Mythos einatmen, vor allem kurz vor Anpfiff, wenn die legendäre Hymne „You’ll never walk alone“ gespielt wird und die 50.000 Fans voller Inbrunst mitsingen. Die Champions-League-Hymne der Uefa geht im schmetternden Gesang der Fans fast unter. Gänsehautig schön. Vor dem Stadion dagegen gab es Ärger und kleinere Tumulte, weil ein paar Bayern-Fans versucht hatten, ohne Tickets ins Stadioninnere zu gelangen.

„Wir müssen die ersten Minuten gut überstehen“, so Kovacs Plan. Doch das Feuerwerk der „Reds“ blieb aus, auch weil die Bayern mit Ruhe und Geschick verteidigten, aufmerksam ihre Positionen hielten. Kein Schlagabtausch, ein vorsichtiges Abtasten – typisch für ein Hinspiel in der K.o.-Phase.

Respekt hier, zu wenig Risikobereitschaft dort. Die Bayern zogen den Engländern den Tempo-Stecker. Nur vereinzelt kam Liverpool zu Chancen, und wenn, dann nur mit langen Bällen hinter die Abwehr. Das Glück war nicht ihr zwölfter Mann, meist fehlte eine Fußspitze oder Zielwasser wie bei Manés Fehlschuss (33.). „Wenn Liverpool 140 Prozent bringt, müssen wir 150 Prozent bringen“, hatte Kovac die Aussage von Klopp gekontert. Der Plan der Bayern: „Wir wollen unser Heil auch in der Offensive suchen, denn hinten hat Liverpool Schwächen.“ Doch höchstens Serge Gnabry sorgte über Rechtsaußen für Gefahr. Halbzeit – 0:0. Den Bayern war der erste Wirkungstreffergelungen, sie hatten die Zuschauer ruhig gespielt. Und, typisch britisches Fairplay, als die Gäste nach der Pause zurück aufs Feld kamen, gab’s Applaus.

Kimmich fehlt nach dritter Gelber Karte im Rückspiel

Anfield ist eine Festung. Die Hausherren sind in ihrem Wohnzimmer seit 19 Europapokalspielen unbesiegt. Und: Noch nie hat ein Bayern-Team bei den bisherigen drei Gastspielen auch nur ein einziges Tor erzielt, zwei Mal kam man über ein 0:0 nicht hinaus (1971 und 1981), einmal setzte es ein 0:3 (auch 1971). Bei 17 Versuchen gelang es in der Europapokal-Geschichte keiner deutschen Mannschaft, in Liverpool einen Sieg davonzutragen.

In Hälfte zwei versuchte Liverpool seinen Emotionsfußball mit intensivem Pressing durchzuziehen. Bayern reagierte mit: Zeitspiel. Ein 0:0 sei auf keinen Fall zu erwarten, so Kovac am Montag. Es lief darauf hinaus im nun zunehmendem Regen. Doch die Chancen waren rar gesät, Bayern verteidigte konzentriert und engagiert. Ein Arbeitsunentschieden nach einer „A hard day’s night“ in der Beatles-Stadt.

Ob die Bayern beim Rückspiel in der heimischen Allianz Arena – dann ohne den nach seiner dritten Gelben Karte gesperrten Joshua Kimmich – Geschichte schreiben und Liverpool ausschalten können? „Die Ausgangslage“, sagte Neuer, „ist zumindest nicht schlecht.“