Ausstand am Mittwoch

Streik in Berlin: Das passiert in den Bezirken

In Berlin bleiben am Mittwoch Kitas geschlossen. Auch Schulen, Bezirksämter und andere Behörden können betroffen sein.

Am Mittwoch wird in Berliner Kitas und Schulen gestreikt.

Am Mittwoch wird in Berliner Kitas und Schulen gestreikt.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die IG Bau haben am Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen. So wirkt sich der Ausstand auf die Bezirke aus:

Steglitz-Zehlendorf

In der Max-von-Laue-Oberschule in Lichterfelde hat der Unterricht am Mittwoch für alle Schüler erst zur dritten Stunde begonnen. Um den Unterricht dann zu gewährleisten, seien die Mathe-, Deutsch- und Englisch-Kurse der oberen Klassen aufgehoben worden, heißt es aus dem Sekretariat. Die Schüler wurden in Klassen zusammengelegt und in den größeren Gruppen unterrichtet.

In der Wilma-Rudolph-Oberschule in Zehlendorf gab es so gut wie keine Probleme. „Bei uns streiken nicht viele“, heißt es von der Schulleitung. Die verbeamteten Lehrer würden den Unterricht vertreten und den Ausfall der andere Pädagogen damit abfangen.Fast die Hälfte aller öffentlichen Kitas bleibt am Mittwoch in Steglitz-Zehlendorf geschlossen. Der Kita-Eigenbetrieb Südwest ist für 37 Einrichtungen verantwortlich. „18 Häuser sind am Streiktag komplett geschlossen“, sagt Martina Castello, Pädagogische Geschäftsleiterin. In 14 weiteren Kitas werde eine Notbetreuung angeboten, weil einige Kollegen streiken, andere aber zum Dienst kommen. Lediglich in fünf Kitas gebe es keinerlei Einschränkungen, dort laufe der Betrieb normal weiter. „Wir würden uns freuen, wenn die Verhandlungsparteien zügig zu einer Einigung kämen, damit die Familien nicht noch mehr belastet werden und die Erzieher endlich eine monetäre Aufwertung erfahren“, sagt Martina Castello.

An den Schulen in Steglitz-Zehlendorf muss am Mittwoch mit Unterrichtsausfall gerechnet werden. „Wir gehen davon aus, dass sich viele Lehrkräfte und Erzieher am Streik beteiligen“, sagt Matthias Schwartz von der GEW-Bezirksleitung. In einigen Grundschulen könnte auch nur noch ein Notbetrieb laufen. Zahlen zur Streikbeteiligung würden aber erst nach der Kundgebung am Alexanderplatz feststehen.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Bürgerämter in Charlottenburg-Wilmersdorf haben normal geöffnet. Streikbedingt geschlossen ist allerdings das Bürgeramt an der Heerstraße in Charlottenburg. In Streik getreten sind auch die rund 15 Mitarbeiter des Außendienstes des Ordnungsamtes.

Der in Vertretung für den Bürgermeister für das Personal der Bezirksbehörde verantwortliche Stadtrat Oliver Schruoffenger (Grüne) sagte am Mittwochabend: "Es gab nichts Auffälliges, keine Einschränkungen, eine sehr geringe Teilnehmerzahl bei uns."

"Die Eltern sind offenbar Kummer gewöhnt und haben die Kröte geschluckt", sagt Andreas Ritter, Vorsitzender des Bezirkselternauschusses Charlottenburg-Wilmersdorf. Es falle ja ständig wegen irgendwelcher Studien- oder Projekttage der Unterricht aus, man sei gezwungener Maßen flexibel geworden. Die meisten Eltern hätten für die Forderung der streikenden Lehrer sogar Verständnis. Zumal die Schulaufsicht versichert habe, dass im Grundschulbereich die Betreuung der Kinder trotz des Streiks gewährleistet sei.

Simon Hertel ist als Chemie-Lehrer an der Robert-Jungk-Oberschule in Wilmersdorf angestellt. Streiken wird er am Mittwoch aber nicht: „Ich muss morgen einfach auftauchen, um den Leistungskurs zu unterrichten. Das sind Abiturienten, das kann ich denen nicht antun.“ Das Streiken hält er im Augenblick für noch nicht nötig und etwas zu früh, auch wenn er die Forderungen grundsätzlich unterstützt.

Ende Februar, Anfang März gebe es eine neue Verhandlungsrunde mit Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) in Potsdam. „Da wollen wir dann etwas Konkretes hören. Wenn da nichts kommt, dann rufen wir im März zum Streik auf. Berlin bewegt sich einfach zu selten“, sagt Hertel. „Am Ende des Tages brauchen wir die Verbeamtung, dafür müssen wir uns auch einsetzen.“

"Wir haben das Thema Streik am Dienstag im BA behandelt und warten erst mal ab wie die Beteiligung ist", sagte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Dienstagabend. Alles andere wäre ein Blick in die Glaskugel. Niemand könne im Augenblick verlässlich sagen, ob und welche Kita geschlossen blieben oder wie die Situation in den Schulen sei. "Es gibt ja schon auch noch verbeamtete Lehrer", so der Rathauschef.

Von den sieben Bibliotheken des Bezirks bleiben am Mittwoch zwei streikbedingt geschlossen: die Ingeborg-Bachmann-Bibliothek, Nehringstraße 10, und die Johanna-Moosdorf-Bibliothek an der Westendallee 45. Beide hätten sonst erst regulär um 14 Uhr geöffnet.

Friedrichshain-Kreuzberg

In Friedrichshain-Kreuzberg mussten unter anderem jene Eltern umplanen, deren Kinder in die Kindertagesstätte Gryphiusstraße nahe dem Boxhagener Platz gehen. Die Kita in Trägerschaft der stadtweit mit 56 Einrichtungen vertretenen 'Kindergärten City', die Plätze für 230 Kinder bietet, wurde wie beim vorangegangenen Steik auch am Mittwoch komplett und den ganzen Tag lang bestreikt.

Die Leiterin des Amts für Bürgerdienste, Sieglinde Pölitz, sagte, man werde je nach Lage reagieren. Zu ihrem Bereich gehören etwa Bürgerämter, Wohnungsamt sowie Standesamt. Alle Stellen würden morgens ganz nach Plan den Dienst aufnehmen. Fehlten viele Mitarbeiter, werde reagiert, dafür lägen aus vergangenen Streiks genug Erfahrung vor, so Sieglinde Pölitz.

Im Vorfeld teilen Mitarbeiter nicht mit, ob sie streiken werden. Folgen viele von ihnen dem Aufruf der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, müssen sich Besucher des Bürgeramts auf Wartezeiten einstellen. Die Anliegen von Terminkunden werden bearbeitet, wer aber keine Reservierung hat, sollte am Mittwoch besser nicht aufs Bürgeramt gehen. Das Standesamt des Bezirks hat am Mittwoch sowieso nur ein begrenztes Angebot. Von neun bis elf Uhr sind die Dienste auf die Anzeige von Sterbefällen beschränkt.

Bei der GEW-Bezirksleitung Friedrichshain-Kreuzberg sagte Annette Stark, Eltern von Schulen und Kitas werden durch sogenannte Elternbriefe rechtzeitig über Streikmaßnahmen und mögliche Auswirkung für ihre Kinder informiert. Gökhan Akgün, ebenfalls von der Bezirksleitung, sagte, es sei abzusehen, dass an der Nürtingen-Grundschule kein Unterricht stattfinden werde. Dort sei der Betrieb dann voraussichtlich auf die Betreuung der Schüler beschränkt. Bei den Eltern des Bezirks stoße der Ausstand auf viel Verständnis, sagte er. Streiks erwartete er darüber hinaus an folgenden Schulen, darunter gebundene Ganztagsrundschulen mit Betreuung nach dem Unterricht: Carl-von-Ossietzky-Schule, Aziz-Nesin-Grundschule, Charlotte Salomon Grundschule, Lenau-Grundschule, Hunsrück-Grundschule und Heinrich-Zille-Grundschule. An manchen Friedrichshain-Kreuzberger Schulen, so Akgün, würden sich beinahe alle Erzieher und Erzieherinnen am Streik beteiligen.

Neukölln

In Neukölln sind alle Schulen von dem ganztägigen Warnstreik betroffen. Dazu zählen: 64 öffentliche Schulen und 5 private Schulen sowie drei Oberstufenzentren, 39 Grundschulen, 18 weiterführende Schulen (ISS, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien), und sieben Sonderpädagogische Schulen. Markus Hanisch, GEW-Pressesprecher, sagt: "Aber es gibt ja auch verbeamtete Lehrer - die Schulen werden also nicht geschlossen sein. Kein Kind wird vor verschlossener Tür stehen."

Die GEW-Sprecherin für Neukölln, Anne Albers, sagt: "In Neukölln sind die Beschäftigten an über 60 Schulen zum Streik aufgerufen. Wir haben einen hohen Organisationsgrad und rechnen mit einer sehr hohen Streikbeteiligung. In Neukölln drückt der Schuh besonders, hier gibt es besonders viele sogenannte Brennpunktschulen. Viele Lehrer und Erzieher sind am Limit - denn die Belastung in den Schulen ist sehr hoch." Von den 57 Brennpunktschulen liegen 22 in Neukölln. Es wird mit einer hohen Streikbereitschaft gerechnet.

Neben den Schulen sind auch Erzieher zum Warnstreik aufgerufen. In Neukölln werden somit 20 Kitas bestreikt. Ob es zu Schließungen kommen wird, oder ob "Notfall-Personal" einspringen wird, konnte das Bezirksamt jedoch nicht mitteilen.

Treptow-Köpenick

Wer seine Kinder am Mittwoch in die Kita Zauberland oder die Bewegte Kita bringt, kann aufatmen. Dort läuft der Dienst ganz normal. Bei den freien Trägern wird nicht gestreikt. Auch in der Kita Wasserschlösschen läuft der Betrieb wie an jedem anderen Tag.

Viele Kinder und Eltern der öffentlichen Kindertagesstätten SüdOst müssen sich für diesen Mittwoch allerdings nach Alternativen umsehen: sieben Einrichtungen sind geschlossen, in sieben gibt es eingeschränkten Betrieb. Acht weitere des Verbundes im Bezirk hingegen bleiben geöffnet. Die Eltern sind per Aushang und über persönliche Ansprache informiert, die Verteilung der „Notdienst-Kinder“ wird bei dem eintägigen Warnstreik über die Kitaleitungen geregelt. Die Erfahrung hätte gezeigt, so eine Erzieherin, dass sich viele Eltern gegenseitig bei der Betreuung unterstützten. Die Mitarbeiter, die nicht am Streik teilnehmen, deren Kitas aber geschlossen sind, werden über den Träger in anderen Kitas eingesetzt.

In den Bürgerämtern des Bezirkes stellt man sich auf ein beschränktes Angebot ein, Anliegen mit langfristig gebuchten Terminen sollen jedoch bearbeitet werden, von jenen Mitarbeitern, die nicht streikten, hieß es. Über die Anzahl der Streikenden konnte man gestern Abend nichts sagen. Dafür hält der Bürgermeister Oliver Igel (SPD) die Stellung mit seiner Bürgersprechstunde von 15 bis 17 Uhr.

Wie in anderen Schulen des Bezirks blieb in der Grünauer Gemeinschaftsschule das Chaos aus. Man sei - wie auch die Eltern - gut vorbereitet gewesen, sagte Schulleiterin Sabine Scholze. Die jahrgangsübergreifende Betreuung an diesem Mittwoch war durch die verbeamteten Kollegen gesichert. Rund ein Drittel der 100 Erzieher und Lehrer hätten am Streik teilgenommen, drei von 16 Erzieherinnen stemmten den Früh- und Spätdienst. Viele Eltern hätten ihre Kinder auch gar nicht erst in den Unterricht geschickt. Oft sprang auch die Oma ein, „ich helfe meiner Tochter, übernehme den Enkel“, so eine Rentnerin, die mit dem Kinderwagen am S-Bahnhof Schöneweide unterwegs war.

Pankow

In Pankow geht die GEW davon aus, dass Kitas geschlossen werden müssen. Wie viele sei aber noch nicht ganz klar. Bei den allgemeinbildenden Schulen kann die Gewerkschaft eine kompletten Ausfall des Unterrichts ausschließen, da es, auch wenn sie in der Unterzahl seien, immer noch zahlreiche Lehrer mit Beamtenstatus gebe, die nicht streiken dürften, wie GEW-Mann Christoph Wältz sagt. Doch gerade in den ganztägigen Grundschulen drohen offenbar deutliche Personalausfälle. „Die dort tätigen Erzieherinnen haben eine hohe Streikbereitschaft signalisiert“, sagt Wältz.

Marzahn-Hellersdorf

Gleiches gilt für Marzahn-Hellersdorf. „An den Schulen rechne ich mit eingeschränktem Betrieb, Kitas könnten allerdings ganz geschlossen bleiben“, sagt Schulstadtrat Gordon Lemm. Der SPD-Politiker unterstützt vor allem die Forderungen der Sozialarbeiter: „Sie haben nicht so eine Lobby wie Lehrer und Erzieher, stellen aber seit acht dieselben Forderungen nach mehr Gehalt.“ Der Bezirkselternausschuss Kita blickt indes recht optimistisch auf Mittwoch. „Es gibt in Marzahn-Hellersdorf nicht die große Masse an Kitas, wo gestreikt wird“, sagt die Vorsitzende Julia Friedrich.

Mitte

Schüler und Eltern im Bezirk Mitte müssen sich auf einige Probleme einstellen. „Die Streikbereitschaft ist sehr hoch“, sagte Viola Mocker vom Personalrat der Lehrer in Mitte. Es würden alle Schulen im Bezirk betroffen sein. In den Grundschulen sei jedoch eine Notfallbetreuung für die Kinder eingerichtet. Auch an den weiterführenden Schulen würden sich verbeamtete Lehrer um die Betreuung der Schüler kümmern.

Was der gleichzeitige Streik der Erzieher für die Kitas in Mitte bedeutet, konnte das Bezirksamt zunächst nicht genau mitteilen. Erwartet wurde, dass wohl wie beim vorangegangenen Arbeitsausstand rund 50 Prozent des Eigenbetriebs Kindergarten-City betroffen sein würden. "Ich begrüße den Kampf für eine gerechte Bezahlung der Mitarbeitenden im Öffentlichen Dienst, insbesondere für Sozialarbeitende und ErzieherInnen", sagte Jugendstadträtin Ramona Reiser (Linke). Um der Personalnot entgegenzuwirken und dauerhaft Mitarbeitende gewinnen und halten zu können, seien deutliche tarifrechtliche Verbesserungen erforderlich.

Reinickendorf

Das Bezirksamt Reinickendorf hat sich mental auf den bevorstehenden Streik vorbereitet. „Wer letztendlich seine Arbeit niederlegt, wissen wir noch nicht“, sagte ein Sprecher des Bezirksamtes Dienstagabend. Er rät allen, die es irgendwie einrichten können, den Gang zu den Ämtern auf Donnerstag zu verschieben. „Die Bürger werden sich auf eine Störung des Betriebes einrichten müssen. Wir versuchen aber, den Dienst so gut es geht zu gewährleisten“, hieß es.

Sind es wenige Mitarbeiter einer Abteilung, die streiken, werden längere Wartezeiten entstehen. Ist es eine komplette Abteilung, kann nicht geholfen werden. Der Pförtner kann Mittwochmorgen genauere Informationen geben, welche Abteilung des Rathauses bestreikt beziehungsweise nicht oder nur eingeschränkt besetzt ist. Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gehören zu denen, die zum Streik aufgerufen sind. Wer also nicht ordnungsgemäß parkt, könnte verschont bleiben. „Darauf sollte man sich aber nicht verlassen“, sagte der Sprecher des Bezirksamtes.

Die Sprecherin der Kindertagesstätten Nordwest, Jasmina Jovanović, rechnet nicht mit einem Chaos. „Nach den Rückmeldungen aus den Einrichtungen verteilt sich die Teilnahme am Streik gleichmäßig. Vier Kitas streiken, sieben sind geöffnet, davon vier mit leichten Einschränkungen“, sagte die Sprecherin. Für Notfallpläne sei die Zustimmung der Gewerkschaften erforderlich, die regelmäßig abgelehnt würden. Die Eltern seien aber im Vorfeld informiert worden.

Der Bezirkselternausschuss geht davon aus, dass in den meisten Schulen ein Not-Unterricht angeboten werden könne. „Es sind doch noch sehr viele Lehrer verbeamtet“, sagte der Vorsitzende Harald Voß. Wesentlich mehr Bauchschmerzen bereiten ihm und den anderen Eltern der angekündigte BVG-Streik am Freitag. „Wir versuchen derzeit Fahrgemeinschaften zu organisieren, obwohl das Elterntaxi ja eigentlich etwas ist, was wir im Sinne der Verkehrssicherheit immer versuchen, zu reduzieren“, sagte Voß. Er wisse sonst aber nicht, wie die Kinder zur Schule kommen sollen.

Tempelhof-Schöneberg

In Tempelhof-Schöneberg haben Kitas und Schulen umfangreiche Vorbereitungen für den bevorstehenden Streik getroffen. Grundschulen wie die Spreewaldschule an der Pallasstraße in Schöneberg richteten einen Notdienst für die Betreuung ein. Außerdem taten sich Kitas teilweise zusammen und stellten so sicher, dass die Kinder nicht nach Hause geschickt werden müssen. Die Eltern wurden zuvor in Elternbriefen darauf hingewiesen, hieß es auf Nachfrage.

Da nicht nur Tarifangestellte in den Kitas und Schulen die Arbeit niederlegten, waren auch Behörden betroffen. „Durch den Abschluss einer Notdienstvereinbarung ist sichergestellt, dass die für den Streiktag terminierten Beisetzungen in jedem Fall stattfinden können“, teilte ein Sprecher des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit.

Alle weiteren Bereiche, die unbedingt besetzt sein müssen - wie Kinderschutz-Krisendienst, Pförtnerdienste, Sicherstellung Auszahlung Sozialleistungen - könnten den Dienstbetrieb am Tag des Warnstreiks ohne Notdienstvereinbarungen aufrechterhalten, betonte er. Mittwochs gelten für viele Verwaltungsbereiche ohnehin nur eingeschränkte Sprechzeiten, so dass mit geringem Publikumsverkehr zu rechnen sei.

„Vereinbarte Termine in den Bürgerämtern werden bearbeitet, mit Wartezeiten ist aber zu rechnen“, kündigte der Sprecher an. Denn das durch den Streik womöglich fehlende Personal könne nicht kurzfristig durch Kollegen ersetzt werden, da nicht jeder über dessen qualifizierte Ausbildung verfüge.

Wieweit die Ordnungamtskräfte im Einsatz sein können, sei noch unklar. „Die Kolleginnen und Kollegen vom Ordnungsamt, die sich im Dienst befinden, werden wie gewohnt ihren Außendienst versehen und so gut es geht den Dienstbetrieb aufrecht erhalten.“ Auch dort könne kein zusätzliches Personal eingeteilt werden, da für den Außendienst spezielle Kenntnisse notwendig seien.

Auf das Amt für Soziales im Bezirk werde der Streik keine erheblichen Auswirkungen haben. „Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass keine Bereiche geschlossen werden müssen und der Dienstbetrieb auch nicht wesentlich gestört werden wird“, sagte der Sprecher. „Am Mittwoch sind im Amt allgemein keine Sprechzeiten, sodass mit keinem großen Publikumsverkehr zu rechnen ist. Aufgrund dessen gibt es für diesen Tag auch keinen Notfallplan." Falls es doch zu Engpässen kommt, wäre das Amt entsprechend vorbereitet.

Spandau

Thorsten Hartje, Vorsitzender des Bezirkselternausschusses Schule, sagte, die Lehrer würden sich zu dem Thema eher bedeckt halten, statt groß anzukündigen, inwiefern sie am Streik teilnehmen. „Wir werden wohl erst zum Schulstart erfahren, wie die Lage ist“, so Hartje. Der Vorsitzende des Bezirksschülerausschusses, Tim Möcks, hatte ebenfalls nur von wenigen Spandauer Oberschulen und Gymnasien gehört, an denen Lehrer bekannt gegeben hatten, sich am Streik beteiligen zu wollen, sodass Unterricht ausfallen sollte. Auf der Website des Spandauer Kant Gymnasiums wurde als Teil des Vertretungsplans ankündigt, dass es aufgrund des Streiks am Mittwoch zu weiteren Unterrichtsausfällen kommen könne.

An der Carlo-Schmidt-Oberschule haben sich laut Schulleiterin Bärbel Pobloth knapp 20 der insgesamt 135 Lehrkräfte am Streik beteiligt. „Wir haben heute ein verkürztes Programm. Normalerweise geht der Unterricht mittwochs bis 16 Uhr, heute ist um 13 Uhr Schluss“, sagte Pobloth. In der Oberstufe sollte dabei der reguläre Stundenplan durchgezogen werden, in der Sekundarstufe I wurden die Schüler im Klassenverbund unterrichtet oder bekamen Aufgaben. Im Grundsatz, so die Schulleiterin, unterstütze sie die Forderung vieler Lehrer nach einer Verbeamtung. „Es ist unabdingbar, damit junge Lehrer in Berlin bleiben oder überhaupt erst kommen.“

Die Kindertagesstätten Nordwest, zu denen die landeseigenen Einrichtungen in den Bezirke Spandau, Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf gehören, waren dieses Mal deutlich stärker vom Streik betroffen als Ende Januar. Wie eine Sprecherin mitteilte, hatten 38 der insgesamt 63 Einrichtungen am Mittwoch geschlossen, in weiteren zehn Kitas gab es leichte Einschränkungen in der Betreuung. Beteiligt am Streik waren rund 900 Mitarbeiter, das entspricht etwa 60 Prozent. Zum Vergleich: Im Januar hatten lediglich 150 Mitarbeiter demonstriert. Die Eltern seien aber umfassend durch die Gewerkschaften und die Einrichtungen selbst informiert worden, so die Sprecherin.

Katharina Queisser, Vorsitzende des Spandauer Bezirkselternausschusses Kita und Mitglied im Landeselternausschuss, unterstützt die streikenden Erzieher. „Wir wollen, dass es den Erziehern gut geht und dass sie gerne arbeiten“, sagte sie. Gerade im Hinblick auf die Kita in Tempelhof-Schöneberg, die kürzlich mehr als 100 Betreuungsverträge wegen Personalmangels kündigte, würden sich die Eltern noch mehr dafür interessieren, dass die Rahmenbedingungen für die Erzieher gut sind. „Es gibt die Sorgen, dass das in anderen Kitas sonst auch passiert“, sagte die Spandauerin. Queisser selbst war schon beim vorherigen Streik der Erzieher Ende Januar vor Ort, an diesem Mittwoch möchte sie nach Möglichkeit wieder dabei sein. Vom Landeselternausschuss aus wolle man alle Eltern aufrufen, ebenfalls teilzunehmen, so Queisser.

Auch das Spandauer Bezirksamt ist vom Streik betroffen. So muss das Bürgerbüro in der Wasserstadt an diesem Mittwoch geschlossen bleiben, teilte die Leiterin des Amtes für Bürgerdienste mit. Die Stadtbibliothek Spandau kündigte auf ihrer Facebook-Seite an, dass die Stadtteilbibliotheken Kladow, Haselhorst und Falkenhagener Feld wegen des Streiks geschlossen bleiben. Die Bezirkszentralbibliothek schließt statt um 20 Uhr bereits um 18 Uhr.

Polizei und Feuerwehr

Die Polizeigewerkschaften rechnen für Mittwoch wie auch für Freitag mit einer hohen Beteiligung aus den Reihen von Polizei und Feuerwehr. Verlässliche Prognosen über die genaue Anzahl der Streikenden seien im Vorfeld allerdings nicht möglich, hieß es von Gewerkschaftsseite „Da sich die Arbeitgeber bislang in zwei Verhandlungsrunden nicht bewegt haben, ist die Streikbereitschaft bei den Tarifbeschäftigten sehr hoch“, sagte Benjamin Jendro, der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Zu den streikberechtigten Tarifbeschäftigten gehören in Berlin auch die so genannten Angestellten im Polizeivollzugsdienst und vor allem die Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes (ZOS) sowie im Gefangenenwesen. „Da ist eine hohe Streikbereitschaft für die Behörde durchaus spürbar“, sagte Jendro. Für die Betroffenen gelte: Jetzt muss endlich etwas passieren, so der Gewerkschaftssprecher. Für beiden Tage gilt bei Polizei und Feuerwehr eine Notdienstverordnung, die den Betrieb auch bei hoher Streikbereitschaft sicherstellen soll.

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