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Ausbildung

Prüfung an Polizei-Schule verschoben - Inhalte bekannt?

Die Akademie-Chefin sagt Klausuren für mehr als 60 Schüler ab, weil die Aufgabenlösungen bereits kursieren sollen.

Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa

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Berlin. An der Berliner Polizeiakademie in Spandau müssen zwei Klausuren der Zwischenprüfung verschoben werden, weil die Lösungen bereits unter den Schülern kursieren sollen. Das gab die Polizei am Freitagabend bekannt. Betroffen sind nach Informationen der Berliner Morgenpost mehr als 60 Schüler des Jahrgangs Herbst 2017 des mittleren Dienstes der Schutzpolizei. Bei den Klausuren handelt es sich um eine Wiederholungsprüfung. Die Schüler, die diesen Test nicht schaffen, müssen mit der Entlassung aus dem Polizeidienst rechnen.

„Derzeit geht die Leitung der Polizeiakademie einem Hinweis nach, wonach angeblich Inhalte einer für den kommenden Montag angesetzten schriftlichen Prüfung bekannt geworden sein sollen“, teilte die Polizei schriftlich mit. Um eine ordnungsgemäße Durchführung der Klausur gewährleisten zu können, sei der Termin in Absprache zwischen Akademie- und Behördenleitung verschoben worden. Bei den beiden Klausuren handelt es sich um Verkehrsrecht und öffentliches Recht.

Betrugsversuche sind am Freitagnachmittag bekannt geworden

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost sagte die Leiterin der Akademie, Tanja Knapp, dass ihr die Betrugsversuche am Freitagnachmittag bekannt geworden seien. „Ich will jedes Risiko ausschließen. Deshalb haben wir die Klausuren abgesagt“, so Knapp. Am Montag werde man auswerten, ob und in welchem Umfang die Lösungen tatsächlich kursierten. Bislang gebe es nur Verdachtsmomente. Wo und wie diese aufgetaucht seien, wollte Knapp mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. In der Vergangenheit kursierten aber immer wieder Lösungen in WhatsApp-Gruppen der Schüler.

Der betroffene Jahrgang ist in der Akademie bekannt. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres war durch Berichte der Berliner Morgenpost öffentlich geworden, dass fast die Hälfte der Schüler durch eine Prüfung zum Thema Eingriffsrecht, Verkehrsrecht und Öffentliches Recht gefallen war. Damals bestanden 122 Anwärter den Test, 121 fielen durch und müssen zur Wiederholungsprüfung antreten.

Die Schüler hatten damals beklagt, dass sie zu wenig Vorbereitungszeit gehabt hätten, viele Lehrer schlecht vorbereitet seien und es häufig Unterrichtsausfall gebe. Die Behördenleitung bestätigte damals, dass neue Fächer-kombinationen gebildet wurden. Lehrkräfte, die früher etwa politische Bildung unterrichteten, müssen heute Verkehrsrecht und Öffentliches Recht lehren. Die Schüler des Herbstjahrgangs 2017 sind die ersten, die in den neuen Fächerkombinationen unterrichtet wurden und keine klassische Zwischenprüfung mehr ablegen müssen, sondern Semesterklausuren.

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In der Vergangenheit war die Polizeiakademie immer wieder in die Schlagzeilen geraten – auch weil man zu spät auf Fehlverhalten reagiert hatte. Die neue Leiterin der Schule ging in den vergangenen Wochen dagegen offen mit den Problemen um und kündigte ein hartes Durchgreifen bei Fehlverhalten an.

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