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Sind Frauen gleichberechtigt? Das sagen Prominente

Politikerin Franziska Giffey, Schauspielerin Katharina Thalbach und Rechtsanwältin Seyran Ates sagen, was sich in Zukunft ändern muss.

Foto: pa/Montage BM

Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Frauen und Jugend

Berlin. "Frauen sind die Hälfte des Volkes und sollten deshalb auch entsprechend vertreten sein. Es ist nicht gut, dass im Jahr 2019 genauso wenige Frauen im Bundestag sitzen wie vor 20 Jahren und der Frauenanteil auf kommunaler Ebene bei 25 Prozent sta­gniert – bei den Bürgermeisterinnen sogar nur bei zehn Prozent. In vielen Ländern Europas gibt es längst Regelungen, die sicherstellen sollen, dass Frauen und Männer gleich stark in allen Parlamenten vertreten sind.

Sie haben den Frauenanteil auch deutlich erhöht. Artikel drei unseres Grundgesetzes gibt dem Staat den Auftrag, die Gleichberechtigung der Geschlechter durchzusetzen. Natürlich geht es nicht nur um gesetzliche Vorgaben, sondern auch um gute Rahmenbedingungen wie etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und es geht darum, traditionelle Rollenbilder und Geschlechterklischees aufzulösen. Wir müssen es schaffen, mehr Frauen zu einer politischen Karriere zu ermutigen und Nachteile, etwa bei der Kandidaten-Aufstellung innerhalb von Parteien, zu beseitigen. Daran arbeiten wir im Bundesfrauenministerium.“

Eileen Hager, Abiturientin und Vorsitzende des Landesschülerausschusses Berlin

"Ob Frauen heute gleichberechtigt sind? Klare Antwort: Nein. Das merke ich schon an den Schulen. Vielleicht nicht unbedingt an meiner, aber ich kenne Beispiele, dass Mädchen gesagt wird: Das schafft ihr sowieso nicht, Mädchen können nicht dieselbe Leistung erbringen wie Jungen. Es ist gut, wenn Politik und Verantwortliche das ändern wollen. Aber eine Frauenquote halte ich für nicht sinnvoll.

Woher will man dann wissen, ob eine Frau tatsächlich wegen ihrer Leistung ausgewählt wurde, etwa im Beruf, – oder nur, weil sie eine Frau ist? Das führt nicht dazu, dass Männer und Frauen sich gegenseitig respektieren. Ich denke, Gleichberechtigung muss in den Köpfen anfangen.“

Seyran Ates, Rechtsanwältin und Moschee-Gründerin

„Das Frauenwahlrecht ist eine der wichtigsten Errungenschaften, die von Frauen für Frauen erkämpft wurden. Letztlich ist es aber ein Etappensieg. Wir sollten nicht die Augen vor gesellschaftlichen Bereichen verschließen, wo es immer noch Diskriminierungen und Sexismus gegenüber Frauen gibt. Eine moderne Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass es beispielsweise Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, Sexismus am Arbeitsplatz und Kopftuchzwang für Mädchen und Frauen.

Patriarchale Strukturen gehören endlich abgeschafft. Vergegenwärtigen wir uns den allerersten und gewichtigen Artikel des Grundgesetzes. Darin ist nicht von Geschlechtern, sondern von der Menschenwürde die Rede. Würde dies tagtäglich (vor-)gelebt, würden sich viele Probleme erübrigen. Solange das nicht geschieht, müssen Frauen(-bewegungen), Politik und die Gesellschaft zusammenhalten und weiterhin für den Abbau von Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen auf das Geschlecht kämpfen. Insbesondere wir Frauen sollten uns miteinander solidarisch erklären, füreinander eintreten und für unsere Interessen kämpfen. Und den Staat immer wieder auffordern, sein Versprechen, welches er im Grundgesetz gegeben hat, einzulösen.“

Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe BVG

„Das Wahlrecht hat den Frauen nicht nur gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten wurde, es ist bis heute auch die Grundlage einer jeden Demokratie. Unvorstellbar, dass bis vor 100 Jahren die Hälfte der Bevölkerung von diesem Grundrecht ausgeschlossen war. Ich bin stolz auf unsere couragierten Vorfahrinnen, die nicht lockerließen, bis sie ihr Ziel erreicht hatten.

Sie ­haben den Grundstein zur Gleichberechtigung von uns Frauen gelegt. Es ist an uns allen, dieses Erbe nicht nur zu würdigen, sondern weiterhin alles dafür zu tun, dass die Gleichstellung aller Menschen zu einer Selbstverständlichkeit wird.“

Teresa Bücker, Chefredakteurin des Magazins Edition F.

„Richtig wäre gewesen, wenn Frauen von Anfang an die gleichen Rechte gehabt hätten wie Männer. Es geht nicht darum, dass Menschen, die diskriminiert werden, sich Rechte über Jahrzehnte erstreiten müssen. Wer Macht hat, muss sie für andere einsetzen. Deutschland wird oft als modernes Land dargestellt, doch im letzten Gender-Gap-Report lagen wir nur auf Platz 14 – und sind damit um zwei Plätze nach hinten gerutscht – trotz einer Kanzlerin.

Allein Frauen in Spitzenpositionen zu haben, ist also nicht das Rezept. Es gibt genügend Daten, die zeigen, wo es mit der Gleichberechtigung noch hapert. Es gibt auch genügend Lösungen. Bei Themen wie der Frauenquote in der Wirtschaft oder der Elternzeit sieht man: Nur klare Regeln führen zu Ergebnissen. Wie die verpflichtende 30-Prozent-Quote und die Bedingung, dass bei 14 Monaten Elternzeit mindestens zwei vom Vater genommen werden müssen.“

Katharina Thalbach, Schauspielerin

"Solange Frauen nicht gleich bezahlt werden, kann man von Gleichberechtigung nicht sprechen. Und Frauen zu schlagen und zu erniedrigen ist das Letzte. Das können nur Feiglinge. Leider gibt es zu viele.“

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Bundesvorsitzende

"Viel Positives wurde erreicht: Vielfältige familienpolitische Leistungen unterstützen heute Frauen und Männer dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren. Gesetze haben die Chancengleichheit von Frauen heute deutlich verbessert. Aber immer noch verdienen Frauen weniger als Männer und sind in fast allen Führungsetagen unterrepräsentiert.

Der Frauenanteil im Bundestag ist der niedrigste seit 20 Jahren. Wir werden Wahlen nur gewinnen und als Volkspartei überleben, wenn wir mit starken Frauen für Ämter, Gremien und Parlamente antreten. Als neue Vorsitzende der CDU ist es einer meiner persönlichen Schwerpunkte, verstärkt Frauen für die Politik zu gewinnen und das Quorum in unserer Partei konsequenter umzusetzen.“

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