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Organisierte Kriminalität

Fall Abou-Chaker: Hinweise sollen aus Familie gekommen sein

Der Clanchef sitzt in Untersuchungshaft. Er soll geplant haben, die Kinder und Frau von Rapper Bushido entführen zu lassen.

Ende November fand eine Razzia auf dem Anwesen des Clan-Chefs Arafat Abou-Chaker in Kleinmachnow statt.

Foto: Morris Pudwell

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Berlin. Seine Festnahme am Dienstag und die anschließende Verkündung eines Haftbefehls hat nicht nur Clanchef Arafat Abou-Chaker völlig unvorbereitet getroffen. Auch seine Anwälte wurden von der generalstabsmäßig vorbereiteten Aktion im Amtsgericht Tiergarten kalt erwischt. Eine offizielle Stellungnahme verweigerten sie zunächst, einige Anwälte beklagten allerdings erkennbar frustriert Vorverurteilungen durch die Medien und Sippenhaft.

Zum Stand des Ermittlungsverfahrens gegen den inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden Abou-Chaker schweigen Staatsanwaltschaft und Polizei bislang. Zu groß ist die Angst, in diesem ebenso brisanten wie komplexen Fall durch vorschnelle Äußerungen in der Öffentlichkeit die Ermittlungen zu gefährden. Allerdings erhärtet sich inzwischen der Verdacht, wertvolle Hinweise zu dem Verdacht gegen den Verhafteten seien von einem Familienmitglied gekommen.

Schwägerin vom Clanchef steht unter Polizeischutz

Abou-Chaker wird vorgeworfen, die Entführung der Frau und der Kinder seines Ex-Geschäftspartners Bushido geplant oder gar in Auftrag gegeben zu haben. Die "Bild" berichtete nach der Festnahme, bei der Informantin handele es sich um eine Schwägerin von Arafat Abou-Chaker. Dies wollte weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei bestätigen. Der Verdacht liegt allerdings nahe, die Ehefrau eines Bruders des Clanchefs lebt von ihrem Mann getrennt.

Offenbar hält sie sich in Dänemark auf und steht aufgrund von mehrfachen ernstzunehmenden Drohungen unter Polizeischutz. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, besteht der dringende Verdacht, Mitglieder der Großfamilie Abou-Chaker hätten unter anderem auch in Dänemark versucht, Helfer für eine geplante Entführung anzuwerben. Ob die Entführungspläne der Schwägerin von Arafat Abou-Chaker oder der Familie seines früheren Partners und Freundes Bushido galt, dazu äußerten sich die Ermittlungsbehörden nicht. Ob der Clanchef selbst in die Planungen verstrickt ist, steht ebenfalls noch nicht fest, Ermittler sind davon allerdings überzeugt.

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Clanchef noch im Gerichtssaal festgenommen

Arafat Abou-Chaker wurde am Dienstagnachmittag nach dem Ende eines Prozesses wegen Körperverletzung und Beleidigung noch im Gerichtssaal festgenommen. Kaum hatte der Richter seine Urteilsverkündung und -begründung (10 Monate auf Bewährung) beendet, betrat Oberstaatsanwältin Petra Leister (Abteilung Organisierte Kriminalität) den Saal und vollstreckte den bereits am Vortag erwirkten Haftbefehl. „Die Vollstreckung im Gericht ersparte uns wenigstens einen aufwendigen Hausbesuch mit starken Kräften“, kommentierte ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) die Aktion.

Die einzige Möglichkeit, die den Anwälten der Familie Abou-Chaker derzeit bleibt, ist die zeitnahe Beantragung eines Haftprüfungstermins. Dort wird dann entschieden, ob ihr Mandant weiter in Untersuchungshaft bleibt. Dazu müssten die Anwälte aber neue Fakten benennen, die zu einer Aufhebung des Haftbefehls führen können. Beim Haftgrund Fluchtgefahr könnte dies beispielsweise eine hohe Kaution sein.

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