Mein Wunsch ist ...

Das wünschen sich Berliner zu Weihnachten

Zu wünschen bedeutet, Hoffnung zu haben. Wir haben Menschen in Berlin nach ihren Wünschen zum Weihnachtsfest gefragt.

Foto: Reto Klar

Berlin. Liebe Leserinnen und Leser,

was ist das Wunder an Weihnachten? Sind es die Gaben unter dem Baum? Das Geschenk in der richtigen Größe? Oder ist es nicht doch eigentlich unsere Fähigkeit, uns überhaupt etwas zu wünschen? „Ich wünsche mir nichts, ich habe doch alles“, diesen Satz hört man vor Weihnachten oft. Von gestressten Erwachsenen, genervten Eltern, von Partnern, die Angst vor der soundsovielten Krawatte haben, vor Schwiegermutters trockenen Keksen oder auch, ganz heimlich, dem Selbstgebastelten aus der Kita. Wenn wir ehrlich sind, wünschen wir uns oft etwas ganz anderes. Aber manche Wünsche sind vielleicht gar nicht dazu da, um in Erfüllung zu gehen. Weder an Weihnachten oder wann auch immer. Sie begleiten unser Leben. Und machen es im besten Fall ein wenig besser.

Zu wünschen bedeutet, Hoffnung zu haben. Darauf, dass etwas besser wird, anders, neu. Dass etwas eintritt. Oder dass alles einfach so bleibt, wie es ist. Die Hoffnung darauf, in der tiefsten Nacht einen Stern am dunklen Himmel zu entdecken, mag kindisch klingen. Aber die Fähigkeit, uns etwas zu wünschen, macht uns als Menschen aus. Sie bedeutet, dass wir daran glauben, dass die Welt besser sein kann, als sie ist. Was wünschen Sie sich, uns, Ihren Mitmenschen, der Welt? Auf diesen Seiten haben wir Menschen in Berlin diese Frage gestellt. Berühmten, bekannten und solchen, die wir zufällig auf der Straße trafen. Als Symbol aller Wünsche haben wir ein übergroßes „XXL-Geschenk“ mitgenommen und auf jedes Bild gebracht. Unser Cheffotograf Reto Klar hat die Menschen damit ins Licht gesetzt und Uta Keseling die Wünsche aufgeschrieben.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Schauen und Lesen – und eine friedliche, besinnliche Weihnachtszeit!

Mein Wunsch ist..."für jeden Menschen ein Bett"

„Ich wünsche mir für jeden Menschen ein Bett. Unsere Gesellschaft sollte in der Lage sein, jedem Menschen, auch obdachlosen, eine warme Nacht zu ermöglichen. Aber dafür fehlt nicht nur Geld, sondern der politische Wille“, sagt Bruder Andreas Brands (51) vom Franziskanerkloster in Pankow, das in seiner Suppenküche täglich bis zu 400 Menschen mit warmem Essen, Kleiderspenden, Rat und Hilfe versorgt. „Selbst wenn über die Kältehilfe Notunterkünfte angeboten werden, sind Massenunterkünfte unwürdig. Auch bedürftige Menschen haben ein Recht auf ein Bett und eine Tür, die sie hinter sich schließen können.“

Unser Wunsch ist... "ein gemeinsames Europa"

Die vier jungen Menschen am Brandenburger Tor sind keine Touristen, sondern sie waren zu einem Workshop zur Geschichte der Europäischen Union (EU) in Potsdam zu Besuch. Jetzt besichtigen sie Berlins wichtigste Orte, bevor sie zu einem weiteren Workshop nach Sofia reisen. Sie engagieren sich in den Bereichen Soziales und Kommunikation, zwei sind Studenten. „In Potsdam ging es darum, wie aus unserer europäischen Geschichte ein Bewusstsein für eine gemeinsame Zukunft wachsen kann“, sagt Asya Rafelova. Sie ist Bulgarin. Clara Ubed und Aranxia Betancourt sind aus Spanien angereist, Kristian Gutierrez stammt aus Kolumbien. Die vier wünschen sich „eine Zukunft für ein gemeinsames Europa. Es ist wichtig, dass wir einen Weg finden, die Integration voranzutreiben. Und dass auch Immigranten als Teil der europäischen Gesellschaft anerkannt werden. Im kommenden Jahr sind Europawahlen. Besonders wichtig ist es, dass die jungen Menschen in Europa wählen gehen und ihre Stimme erheben, denn sie sind unsere Zukunft.“

Mein Wunsch ist ... "Gesundheit für Körper und Seele"

Wir geben zu: Es war unser Weihnachtstraum, die Balletttänzerin Polina Semionova auf das große „Geschenk“ zum Foto zu bitten. Die 43-Jährige ist Principal Guest am Staatsballett Berlin, für das sie tanzt, seit sie 18 ist. Seit 2017 ist sie Berliner Kammertänzerin. „Ich wünsche mir für alle Menschen – auch wenn es etwas schlicht klingen mag – Gesundheit. Denn ich denke, unser geistiges und seelisches Wohlbefinden hängt von unserer Gesundheit ab. Deswegen wünsche ich allen, ebenso wie mir selbst, ein friedliches und dankbares Weihnachtsfest mit Gesundheit, Glück und Liebe für die Menschen, die Natur und unsere Welt.“

Unser Wunsch ist... "dass nie wieder ein Weihnachtsmarkt angegriffen wird"

Die Polizeiwache am Alexanderplatz gehört zu den Dingen, die Berlin 2018 besser gemacht haben. Für unser Bild haben wir die Beamten gebeten, das XXL-Geschenk als „verdächtigen Gegenstand“ in Augenschein zu nehmen – mit einem Augenzwinkern. Der Wunsch der Beamten ist ernst gemeint: „Weihnachten ist eine Zeit des Friedens und der Nächstenliebe, an dem viele auch eine schöne Zeit auf dem Weihnachtsmarkt verbringen wollen. Auch hier am Alexanderplatz gibt es derzeit einen – und übers Jahr viele Veranstaltungen. Umso mehr schockieren uns Bilder von Toten und Verletzten wie jene vom 11. Dezember 2018 in Straßburg und vom 19. Dezember 2016 am Breitscheidplatz. Wir arbeiten täglich dafür, dass unsere Weihnachtsmärkte sicher sind. Und doch ist uns schmerzhaft bewusst, dass es absolute Sicherheit niemals geben kann. Hierbei wünschen wir uns und den Berlinern ein gesundes Maß an Umsichtigkeit und Gelassenheit.“

Mein Wunsch ist... "mehr Offenheit und Nächstenliebe"

„Ich wünsche mir für das kommende Jahr, dass wir uns wieder mehr auf die Nächstenliebe besinnen“, sagt Jochen Schropp (40), Moderator und Schauspieler. „Es ist so einfach, schlecht über Menschen zu urteilen, anstatt ihnen offen zu begegnen. Dabei können wir nur wachsen, wenn wir uns auch mit dem Neuen, Unbekannten auseinandersetzen. Berlin ist eine bunte Stadt mit den unterschiedlichsten Menschen und gerade deswegen so lebenswert. Für mich persönlich wünsche ich mir eine erfolgreiche Theaterproduktion, bei der das Publikum den Alltag hinter sich lassen und sich amüsieren kann.“ Schropp, seit Oktober 2018 Moderator beim Sat.1 Frühstücksfernsehen steht nach seiner Schauspielausbildung vor 20 Jahren zum ersten Mal wieder auf der Bühne: Die Premiere von „Monsieur Pierre geht online“ in der Komödie Berlin im Schillertheater ist am 17. März 2019.

Mein Wunsch ist... "mehr digitale Bildung für Kinder"

Die Ex-Profischwimmerin Britta Steffen (35) treffen wir im digitalen Lernlabor des Volkswagen-Forums Unter den Linden. Die mehrfache Welt- und Europameisterin moderiert heute Fernsehsendungen, hält Vorträge und engagiert sich für soziale Projekte. Neben ihrer Karriere hat sie Wirtschaftsingenieurwesen und Human Resources Management studiert. „Ob analog oder digital, der Zugang zu Bildung ist für Kinder und Jugendliche wichtig“, sagt sie. „Wir müssen allen Kindern den Zugang dazu ermöglichen, unabhängig vom sozialen Umfeld. Mein persönlicher Wunsch ist es, ihnen einen kreativen Freiraum zu schaffen, in dem sie sich mit den neuen, digitalen Technologien auseinandersetzen können. Dabei wäre es schön, wenn es Plattformen und geschultes Personal gäbe, das ihnen das Wissen und die Fähigkeiten im Bereich Digitalisierung vermittelt. Neben den positiven Effekten müssen wir dabei auch die Gefahren zeigen, die mit der Digitalisierung einhergehen.“

Mein Wunsch ist... "ein möglichst reibungsloser U-Bahnverkehr"

Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der BVG: „Unsere Fahrgäste dürfen sich im nächsten Jahr auf neue U-Bahnen freuen, neue Straßenbahnen und auf E-Busse im großen Stil. Zudem werden sie auf Leihräder, Carsharing oder E-Roller umsteigen können. Für die BVG wünsche ich uns weniger zugeparkte Busspuren und Straßenbahngleise sowie einen möglichst reibungslosen U-Bahnverkehr.“

Unser Wunsch ist... "ein eigener Raum für `I am Jonny`"

Wir hatten zwei oder drei Schüler erwartet, doch dann kam ein ganzer Schwung Jugendlicher, um sich für den Verein fotografieren zu lassen: I am Jonny e. V. ist benannt nach dem Schüler Jonny K., der 2012 nach einem Angriff auf dem Alexanderplatz starb, weil er jemandem helfen wollte. Der Verein und seine Gründerin Tina K. – Jonny K.’s Schwester – setzen sich gegen Gewalt und für ein besseres Mit­einander ein. Dafür bieten sie an Berliner Schulen Workshops zum Umgang mit Gewalt und Mobbing an, zu Courage und Deeskalation. „Bisher findet man uns vor allem im Internet. Ein eigener Raum als Treffpunkt wäre aber wichtig, damit man uns sieht und erreicht“, sagt Tina K. „Wir hoffen, im Herbst ist es so weit.“

Mein Wunsch ist... "mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme"

Martin Hikel (32), Bezirksbürgermeister von Neukölln (SPD): „Ich wünsche mir mehr Rücksichtnahme und Achtsamkeit im täglichen Umgang. Bestes Beispiel ist die Vermüllung der Stadt. Für den öffentlichen Raum müssen wir alle Verantwortung übernehmen, denn er gehört nicht der Politik, sondern jedem Einzelnen von uns. Achtsam kann man auch im täglichen Umgang sein. Und auch als Verkehrsteilnehmer wünsche ich mir mehr Rücksicht auf andere. Oft reichen dafür schon die scheinbar kleinen Dinge. Wenn wir das alle tun, können wir auch den Unterschied zum anonymen Großstadtalltag machen.“

Mein Wunsch ist... "dass die Natur am Flughafensee erhalten bleibt"

Frank Sieste (52) ist Postbeamter und Leiter der AG Vogelschutzreservat Flughafensee des Nabu in Tegel. Das Gebiet entstand, nachdem es Naturschützer 1982 besetzt hatten. Heute leben hier Graureiher, Eisvögel und viele andere Arten. „Ich wünsche mir eine gute Zukunft für unser Vogelschutzgebiet – und deshalb ein gutes Ende der Planungen für den Flughafen Tegel. Bleibt er offen, kann auch das Schutzgebiet bleiben. Werden auf dem Gelände Wohnungen gebaut, hoffe ich, dass viel Platz für die Natur bleibt.“

Unser Wunsch ist... "Mut, um die Welt zu verändern"

Was für ein Bild: Ein Pfarrer, ein Rabbiner und ein Imam reichen sich freundschaftlich die Hände. Und das an einem Ort namens Petriplatz, der als „Geburtsort“ Berlins gilt. 1237 wurde die damalige Petrikirche erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort in Mitte ist noch eine Brache – und nun Schauplatz eines spektakulären Neuanfangs. Kommendes Jahr werden hier die Gründungsarbeiten für das „House of One“ beginnen, das die drei großen Religionen verbinden soll. Imam Osman Örs, Rabbiner Andreas Nachama und Pfarrer Gregor Hohberg (v. l.) stehen dafür symbolisch in dem provisorischen Bau, der noch bis Januar für das Projekt wirbt. An den Flanken des geplanten zentralen Gebäudes sollen einmal eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee entstehen – vorausgesetzt, dass das Projekt weiterhin genug Unterstützer findet.

Rabbiner Andreas Nachama: „Ich wünsche mir, dass das House of One nicht auf Sand gebaut wird, sondern einer langen und wirkungsreichen Zukunft entgegensieht.“

Pfarrer Gregor Hohberg: „Ich wünsche uns den Mut, die Welt so zu verändern, dass wir darin in Frieden und Gerechtigkeit leben können, egal, was wir glauben und denken.“

Imam Osman Örs: „Ich wünsche mir, dass das House of One als ein Zeichen des Friedens und des Miteinanders überall auf der Welt wahrgenommen wird und den Menschen Hoffnung schenkt.“

Unser Wunsch ist... "ein Ende der Waffengewalt in den USA"

Sie sind amtierender deutscher Volleyballmeister – doch als Treffpunkt mit uns haben Moritz Reichert (23) und ­Kyle Russell (25) einen ungewöhnlichen Ort gewählt: die Bahnhofsmission am Zoo. Hier engagieren sie sich mit ihrem Verein – regelmäßig helfen Mitglieder ehrenamtlich, um arme und obdachlose Menschen zu versorgen. Nationalspieler Moritz Reichert sagt: „Ich wünsche mir, dass alle Menschen, die sich in einer persönlich schwierigen Lage befinden, die Kraft in sich selbst und die Unterstützung von außen finden, um ihr Leben zu verändern. Dazu möchten wir als BR Volleys einen kleinen Teil beitragen.“ Sein Teamkollege Kyle Russell wünscht sich, dass in seiner Heimat USA „die Waffengewalt ein Ende findet“. Rechts unten im Bild sitzt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission am Zoo. Die Schlafsäcke sind Spenden.

Mein Wunsch ist... "Berlin als gesunde Stadt für alle"

Wir treffen die Grünen-Politikerin Renate Künast (63) im Grünen – im Tiergarten, weil ihr Abgeordnetenbüro in der Nähe liegt. Was uns überrascht: Wie weihnachtlich der Tiergarten aussehen kann. Künast gehört zu den bekanntesten Politikern der Grünen, zumal in Berlin, wo sie ab 1989 im Abgeordnetenhaus saß. Seit 2002 ist sie Mitglied des Bundestages. Deutschlandweit bekannt wurde sie als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2001 bis 2005) und Bundesvorsitzende ihrer Partei (2005 bis 2013). Renate Künast: „Ich wünsche mir, dass Berlin die gesunde Stadt für alle wird. Mit mehr funktionierendem öffentlichen Verkehr, sicheren Fuß- und Radwegen, mehr Stadtgrün durch Straßenbäume, Parkanlagen und Gemeinschaftsgärten – bis hin zum guten Essen in Kitas, Krankenhäusern, Mensen und Seniorenheimen. Das ist gut für uns Bewohnerinnen und Bewohner und obendrein auch fürs Klima.“

Mein Wunsch ist... "noch mehr Menschen für Tiere zu begeistern"

Unser Treffen mit Zoodirektor Andreas Knieriem (53) wird gut bewacht: Vier Elefantenkühe beo­bachten aufmerksam von oben, wie der Zoodirektor fotografiert wird. Wichtigste Frage der Elefanten: Gibt es Äpfel? Zwischendrin bewerfen sie uns mit ihren Rüsseln ein bisschen mit Sand. Vielleicht, um auf sich aufmerksam zu machen. Oder auch, weil sie finden, wir sind ihnen zu nah. Knieriem ist seit 2014 Direktor von Zoo und Tierpark in Berlin. Ein Höhepunkt im kommenden Jahr, sagt er, werden die Aktionen zum 175-jährigen Zoo-Bestehen im August sein. Und wenn alles gut geht, könnte 2019 ein Pandababy im Zoo geboren werden. „Ich wünsche mir für die Tiere in Zoo und Tierpark die Umsetzung all meiner Träume für die Weiterentwicklung der Zoologischen Gärten Berlin. Gemeinsam mit meinen Mitarbeitern möchte ich noch viele Besucher für die faszinierende Welt der Tiere begeistern.“

Mein Wunsch ist... "dass wir als Gesellschaft näher zusammenrücken"

Ilka Bessin (47) hat dieses Jahr ein wichtiges Buch geschrieben, in dem sie sich von ihrer Kultfigur „Cindy aus Marzahn“ verabschiedet und aus ihrem wahren Leben erzählt („Abgeschminkt“, Heyne). Getroffen haben wir sie am Rande der „Abendshow“ des RBB.

„Ich wünsche uns allen, dass wir in Zukunft als Gesellschaft näher zusammenrücken und ein besseres Auge für die Personen neben uns haben. Wer glaubt, dass seine eigene Kerze heller leuchtet, wenn die vom Nebenmann aus ist, irrt sich gewaltig. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!“

Mein Wunsch ist... "dass sich noch mehr Menschen für etwas engagieren"

Die Soul-Sängerin Jocelyn B. Smith bringt ihren Wunsch direkt von einem Termin mit: Gerade hat sie mit Bundespräsident Frank-WalterSteinmeier mit iin der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit in der Suppenküche und Wärmestube begleitet. “Ich bin immer wieder begeistert von den vielen Menschen, die anderen helfen, die sich für Obdachlose oder die Umwelt engagieren, für mehr Bildung, gegen Gewalt, gegen Ungerechtigkeit”, sagt sie. “Und ich wünsche mir, dass noch Menschen darauf kommen, wie wichtig dies ist. Wir brauchen unbedingt diese “Grassroot”-Bewegungen. Also Menschen, die Projekte starten, Initiativen gründen, sich engagieren. Ohne sie würde sich in unserer Gesellschaft nichts verändern. Sie sind es, die der Politik die Richtung vorgeben müssen, wenn sie wirken soll.”

Unser Wunsch ist... "eine gerechte Entlohnung unserer Arbeit"

Die Krankenpflegerinnen und Physiotherapeuten aus Bad Langensalza (Thüringen) und Berlin sind mit einem wichtigen Anliegen in Berlin auf die Straße gegangen: Sie kämpfen um einen gerechten Entgelttarifvertrag. Mitarbeiter der Celenus Klinik in Bad Langensalza etwa verdienen bis zu 40 Prozent als Kollegen anderer Einrichtung. Der Wunsch der Demonstranten: “Wir wünschen uns, dass endlich eine gesetzliche Regelung greift, zum Beispiel durch einen Flächentarifvertrag. Es darf nicht sein, dass riesige Konzerne wie ORPEA entstehen können, weil sie sich an öffentlichen Kassen bedienen. Das Gesundheitswesen gehört in die staatliche Hand.”

Mein Wunsch ist... "nächstes Jahr eine schöne Bescherung im Humboldt Forum"

Hartmut Dorgerloh (56) ist seit dem Sommer Generalintendant des Humboldt Forums im Berliner Schloss, das 2019 eröffnen soll. “Na klar, meinen Wunsch nach einer ‘schönen Bescherung’ kann man auch anders verstehen. Was ist nicht alles schon geunkt worden über diesen Traum, der da an Berlins prominentestem Ort in den letzten fünf Jahren für viele doch sehr überraschend schnell und geräuschlos empor gewachsen ist. In einem Jahr ist es schon so weit: Das Berliner Schloss öffnet seine Portale - und die einen können es kaum glauben, die anderen stören sich daran. Aber das genau ist mein Wunsch, dass das Humboldt Forum im Berliner Schloss die Gegensätze, die Widersprüche, die Ungereimtheiten, die Wahrheiten, die auch mal wehtun, dass dieses neue Kulturhaus genau diese Gegensätze wörtlich nimmt und die Lust am konstruktiven Streit, an der intelligenten Auseinandersetzung wieder zum Leben erweckt.

Denn wir entfernen uns in den sozialen Medien derzeit zunehmend von einer produktiven Debattenkultur, die wir eigentlich im Zuge der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung gerade erst wieder gelernt hatten. Das Humboldt Forum wird dafür einen Ort bieten, wo man und frau mit Menschen und Kulturen aus aller Welt face-to-face und in real-time zusammentreffen und über Zukunft und Vergangenheit, über Schlösser und Paläste, über Alexander und Wilhelm streiten können. Und mein Traum ist es, dass wir es mit Freude und Begeisterung und Leidenschaft tun, und hinterher, egal wie hoch es her ging, hier im Humboldt Forum zusammen ein Bier trinken – das kann man hier dann nämlich auch tun.”

Unser Wunsch ist... "Gesundheit und Freiheit"

Beatrix Janneck (22), Mechatronikerin und Studentin der Automatisierungstechnik und ihr Kollege Martin Brüssow (60), Installateur, haben wir am Märchenbrunnen in Friedrichshain getroffen. Die beiden arbeiten für die Berliner Wasserbetriebe und sind zuständig für die Instandhaltung der Zierbrunnen in Friedrichshain-Kreuzberg. “Wir wünschen uns und unseren Familien Gesundheit. Und Freiheit. Was nützt uns Wohlstand und Geld, wenn das andere nicht gegeben ist?”

Mein Wunsch ist... "dass der Klimawandel endlich ernst genommen wird"

Milena Glimbovski (28) ist Gründerin des Geschäfts “Original Unverpackt” in Kreuzberg und löste mit ihrem Geschäft einen Trend. Inzwischen ist “Zero Waste” eine regelrechte Bewegung, auch andere Läden entdecken das Unverpackte wieder für sich. Vor vier Monaten ist Milena Mutter geworden -- Söhnchen Karl ist mit auf dem Bild. Im kommenden Jahr will die Gründerin schon wieder in den Job einsteigen. Neben der Leitung von “Original Unverpackt” gibt sie mit einem Partner außerdem den “Achtsamkeits-Kalender “Ein guter Plan” heraus. Und sie will einen weiteren Laden in Berlin eröffnen. “Demnächst fragen wir de Community, wo in Berlin ein guter Standort dafür wäre.” Das ist ihr Wunsch: “Ich wünsche mir, dass der Klimawandel endlich ernst genommen wird. Dass wir den Klimanotstand ausrufen und dass auf lokaler wie auf Bundesebene darauf reagiert wird. Die Folgen betreffen nicht nur unsere Kinder, sondern auch uns, schon jetzt. Das hat man an dem extremen Sommer in diesem Jahr gesehen.”

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