Kriminalität

Fahrraddieb sticht Polizist nieder

Der Beamte in Zivil stellte auf seinem Heimweg in Lichtenrade den Täter. Der verletzte ihn mit einem Messer schwer.

Spurensuche: Am S-Bahnhof Schichauweg stach der Fahrraddieb auf den Beamten ein und flüchtete.

Spurensuche: Am S-Bahnhof Schichauweg stach der Fahrraddieb auf den Beamten ein und flüchtete.

Foto: Peise

Berlin. Ein 44-jähriger Oberkommissar ist am Mittwochabend von einem mutmaßlichen Fahrraddieb niedergestochen worden. Der Polizist musste im Benjamin-Franklin-Krankenhaus notoperiert werden. Lebensgefahr bestand am Donnerstag nicht mehr. Die Attacke sorgte im Kollegenkreis des Kommissars für Bestürzung.

Nach bisherigen Erkenntnissen ging der Polizist am Mittwochabend um 20.20 Uhr gerade auf dem Weg nach Hause an die Kettinger Straße, als er am S-Bahnhof Schichauweg einen Mann bemerkte, der sich an seinem abgestellten Fahrrad zu schaffen gemacht habe. Daraufhin hat sich der Beamte als Polizist zu erkennen gegeben, um den Verdächtigen festzunehmen. „Der Mann zog daraufhin ein Messer und stach sofort zu“, sagte ein Polizeisprecher. Der Polizist wurde von mindestens zwei Messerstichen getroffen, brach zusammen und blieb mit schweren Verletzungen an Rumpf und Beinen liegen. Der Täter flüchtete in Richtung Fontanestraße.

Ob der Polizist selbst noch den Notruf wählen konnte oder Zeugen dies taten, war am Donnerstag noch unklar. Der Beamte wurde bis zum Eintreffen der Rettungskräfte von Ersthelfern versorgt. Noch am Abend startete die Polizei eine Großsuche nach dem Täter. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Allerdings blieb diese Suche erfolglos. Die Ermittler erhoffen sich nun Hinweise aus der Auswertung des Videomaterials des in der Nähe befindlichen S-Bahnhofes.

Polizeipräsidentin schreibt Mitteilung an alle Beamten

Im Kollegenkreis des Beamten sorgte die Tat für Bestürzung. In einer Mitteilung an alle Polizisten äußerten sich auch Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik und ihr Stellvertreter Marco Langner. Sie schrieben, dass sie in Gedanken bei dem Polizisten und seiner Familie seien. Außerdem betonte die Polizeipräsidentin, dass sich die Beamten nicht scheuen sollen, Beratung und Beistand anzunehmen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich. Deren Sprecher sagte: „Wir hoffen, dass unser Kollege schnell wieder auf die Beine kommt und sein ehrenwerter Einsatz keine bleibenden Spuren hinterlässt. Berlins Polizistinnen und Polizisten geben alles für diese Stadt, an 24 Stunden am Tag, sieben Tagen die Woche und 365 Tagen im Jahr.“ Die gewerkschaftsnahe Volker-Reitz-Stiftung setzt sich etwa seit Jahren mit dem Programm „Messer machen Mörder“ an Schulen für Aufklärung ein oder unterstützt von Gewalttaten betroffene Polizisten. Zuletzt war in Berlin wie berichtet die Zahl der Straftaten mit Messern wieder gestiegen. Demnach wurden im Jahr 2007 in Berlin insgesamt 1351 Straftaten auf diese Art und Weise begangen. Zehn Jahre später waren es 2737.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, erklärte: „Sein beherztes Eingreifen gegen einen Fahrraddieb hat einer unserer Polizisten fast mit dem Leben bezahlt. Die brutale Messerattacke ist schockierend. Ich wünsche ihm schnelle Genesung ohne bleibende Schäden.“ Dregger forderte eine gemeinsame Initiative und Schwerpunkteinsätze von Landes- und Bundespolizei gegen das Mitführen von Messern.

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