E-Mail aus Australien

Wenn Universitäten wie Unternehmen agieren

Hohe Studiengebühren ermöglichen in Australien Spitzenforschung. Berlins Regierender Michael Müller sieht darin kein Modell für Berlin.

Michael Müller und Professor Jürgen Götz in einem Hörsaal im Brain Institute der Universität Queensland.

Michael Müller und Professor Jürgen Götz in einem Hörsaal im Brain Institute der Universität Queensland.

Foto: Gilbert Schomaker

Brisbane. Es ist die Sache mit der Maus. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sitzt in der ersten Reihe des Hörsaals im Queensland Brain Institute der Universität von Queensland. Es geht um das Gehirn, um Alzheimer und wie man die Krankheit bekämpfen kann. Professor Jürgen Götz, vor vielen Jahren nach Australien ausgewandert, erklärt den Forschungsbereich.

Man kann mittlerweile ziemlich genau sagen, wodurch im Gehirn Alzheimer ausgelöst wird. Professor Götz und seiner Forscherkollegen am Brain Institute versuchen nun, ein Medikament punktgenau mithilfe von Ultraschall an die Stelle ins Gehirn zu bringen, wo möglicherweise Abhilfe geschaffen werden kann. Und jetzt kommt die Maus ins Spiel. Ihr wurde ein Kontrastmittel gegeben, sodass sich spezielle Bereiche im Gehirn blau färben. Professor Götz will hier ansetzen, um eine Medikament, das bisher kaum wirksam und viel zu teuer war, effizienter zu machen.

Beneidenswert hohes Forschungsbudget

Michael Müller hört interessiert zu. Es geht hier um Spitzenforschung in Brisbane. Wenig später wird einer der Delegationsteilnehmer von Müllers Australien-Reise, Professor Heyo Kroemer, beim Rausgehen einige Worte finden. So neu sei das alles nicht, was der Forscher eben erzählt habe. Aber das Geld, das viele Geld, das die Kollegen in Brisbane zur Verfügung hätten, das sei schon enorm.

Professor Kroemer meint den Unterschied zwischen den deutschen Universitäten und den australischen Hochschulen. 35 Millionen australische Dollar habe allein das Queensland Brain Institute, was etwa 21 Millionen Euro entspricht. Für ein einzelnes Institut sei das viel Geld. "Zum Vergleich: Die Charité bekommt im Jahr vom Staat für alles 220 Millionen Euro", so Professor Kroemer.

Ist es das Geld, das den großen Unterschied macht zwischen Deutschland und Australien?

Ausländische Studenten kommen in Scharen

Die Australier setzen auch auf die Universitäten. Aber anders als die Deutschen. "Es ist der zweitwichtigste Wirtschaftszweig in Australien", sagt die deutsche Botschafterin in Australien, Anna Prinz. Die Universitäten in "down under" verstehen sich als Unternehmen. Ausländische Studenten kommen zu Tausenden und zahlen Tausende. Ein Semester kostet je nach Fach zwischen 5000 und 8000 Euro. Diese Studiengebühren leisten sich vornehmlich Chinesen und Inder.

Für Michael Müller ist das ein klarer Bruch mit den in Berlin vertretenden Idealen. "Wir wollen so etwas nicht. Wir sind dagegen dafür, dass von der Kita bis zur Universität Betreuung und Ausbildung kostenfrei ist", sagt Müller. Genuine sozialdemokratische Politik. Keine Studiengebühren für niemanden.

Auch Verena Blechinger-Talcott, Vizepräsidenten der Freien Universität Berlin, die den Bundesratspräsidenten Müller in der Delegation auf der Reise begleitet, schließt sich dem an. "Studierende sind nicht unsere zahlenden Kunden", so Blechinger-Talcott. An der FU haben beispielsweise 22 Prozent der 34.000 Studenten einen ausländischen Pass.

Studiengebühren oder Spenden?

Statt die Universitäten über Studiengebühren zu finanzieren, schlägt Blechinger-Talcott vor, die Alumni, also die ehemaligen Studenten, heranzuziehen. "In anderen Ländern spielen die Alumni eine größere Rolle und werden um Spenden gebeten", sagt die Vizepräsidentin der FU.

Das System der vielen ausländischen Studenten in Australien hat auch Nachteile. So bauen laut Botschafterin Prinz die Universitäten häufig diejenigen Studiengänge aus, mit denen sie kostengünstig Geld verdienen können, wie Volkswirtschaft. Teure Studienplätze wie Medizin leiden darunter.

Auch ein anderes Phänomen machte kürzlich in Australien Schlagzeilen. Denn angeblich versuchten Chinesen Einfluss auf die Zusammensetzung und den Inhalt von Seminaren zu nehmen. So wurden chinesische Studenten, die nicht die Linie der offiziellen Parteiführung vertraten, unter Druck gesetzt, berichteten australische Medien.

Mehr von Müllers Reise:

Michael Müller wird mit Brezeln und Wagner-Klängen empfangen

Berlin und Queensland wollen bei Gesundheit zusammenarbeiten

Michael Müller wird auf Reise nach Australien gestoppt

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.