SPD gewinnt, CDU verliert

Wahl zum Abgeordnetenhaus - So haben die Berliner gewählt

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Wahl zum Abgeordnetenhaus: Diese Wahlkarte zeigt, wie die Menschen in Berlin gewählt haben

Wahl zum Abgeordnetenhaus: Diese Wahlkarte zeigt, wie die Menschen in Berlin gewählt haben

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin ist beendet. Die SPD gewinnt knapp vor der CDU und die AfD landet bei 14,2 Prozent.

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin ist beendet: Am vergangenen Sonntag gaben 66,9 Prozent der Wahlberechtigten in Berlin ihre Stimme ab. Somit lag die Wahlbeteiligung um 6,9 Prozent höher als bei der vergangenen Wahl. Mit den relevanten Zweitstimmen führt die SPD mit 21,6 Prozent knapp vor der CDU, die 17,6 Prozent der Wähler für sich gewinnen konnte. Die Linke kam auf 15,6 Prozent, die Grünen auf 15,2 Prozent, die AfD auf 14,2 Prozent und die FDP auf 6,7 Prozent. Die verbliebenen 9,1 Prozent stimmten für Sonstige.

>>>So haben Ihre Nachbarn in Berlin gewählt<<<

Das sind die Hochburgen der Parteien in Berlin

- Wahllokale mit jeweils höchstem Ergebnis -

SPD (40,8 %) - Wahllokal 321, Neukölln , Hänselstr. 6

CDU (41,5 %) - Wahllokal 608, Reinickendorf, Sigismundkorso 68

Linke (39,3 %) - Wahllokal 605, Lichtenberg, Sewanstr. 43

Grüne (45,1 %) - Wahllokal 103, Friedr.-Kreuzberg, Yorckstr. 4

AfD (37,2 %) - Wahllokal 201, Pankow, Birnbaumring 81

FDP (24,1 %) - Wahllokal 501, Charlottenb.-Wilmersd., Auerbachstraße 7

Das sind die Hochburgen der Parteien in Berlin

- Wahllkieze (Briefwahlbezirke, inklusive der darin gelegenen Wahllokale) -

SPD (34,6 %) - Wahlkiez 3E in Neukölln (Neuköllnische Allee)

CDU (41,5 %) – Wahlkiez 5D in Marzahn-Hellersdorf (Mario-Czaja-Gebiet / östlich der Kaulsdorfer Baggerseen)

Linke (39,3 %) - Wahlkiez 4B in Friedr.-Kreuzberg (Barnimstraße, Mollstraße)

Grüne (41,1 %) – Wahlkiez 1F in Friedr.-Kreuzberg (Fidicinstr.)

AfD (30,7 %) - Wahlkiez 3G in Marzahn-Hellersdorf (nahe U-Bahnhof Hellersdorf)

FDP (24,1 %) - Wahlkiez 5A in Charlottenb.-Wilmersd. (Grunewald)

Zahlen zum Wahlverhalten bei der Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus

AfD:

Nun hat es die Alternative für Deutschland (AfD) auch in Berlin geschafft – mit 14,2 Prozent deutlich. Das Abgeordnetenhaus ist das zehnte Landesparlament, in dem die Rechtspopulisten vertreten sind. In nur 33 von 653 Wahlkiezen wurde sie abgelehnt – mit einem Ergebnis unter fünf Prozent. Mit 30,7 Prozent wurde im Wahlkiez 3G in der Nähe des U-Bahnhofs Hellersdorf der höchste Wert erzielt. Dagegen hatte die AfD in Wahlkiez 2F keine Chance: In Kreuzberg – nördlich des Görlitzer Parks - bekam sie lediglich 2,5 Prozent der Stimmen (niedrigster Wert auf Briefwahlbezirksebene).

Zugezogene:

Die Zugezogenen verändern Berlin - offensichtlich auch durch ihr Wahlverhalten. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten die Grünen die Wahl deutlich gewonnen. Darauf lassen zumindest die Ergebnisse in den 74 Wahlkiezen schließen, in denen die Zugezogenen gegenüber gebürtigen Berlinern in der Zweidrittelmehrheit sind. Insgesamt kommen die Grünen dort auf 27,2 Prozent, vor den Linken (20 Prozent), der SPD (18,9 Prozent) und der CDU (10,7 Prozent). Doch auch die AfD wäre mit 7 Prozent im Parlament, wie auch die FDP (6,7 Prozent).

Tegel:

Die Kampagne für den Flughafen Tegel hat sich offenbar für die Berliner FDP gelohnt – zumindest aber nicht geschadet. Berlinweit haben die Liberalen nun mit 6,7 Prozent erneut den Sprung ins Abgeordnetenhaus geschafft. Innerhalb der Einflugschneise des Flughafens kommt die FDP zwar nur auf 5,3 Prozent, wäre aber immerhin drin. Stärkste Kraft wird hier die SPD mit 24,4 Prozent, gefolgt von der CDU (19,9 Prozent) und der AfD (16,7 Prozent).

Flüchtlinge:

Die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt hat das Wahlverhalten der Berliner beeinflusst - in den am stärksten betroffenen Kiezen aber sehr uneinheitlich. In den 19 Gegenden, in denen aktuell mindestens jeder zehnte ein Flüchtling ist, stimmten insgesamt 16,8 Prozent der dort lebenden Wähler für die AfD - 2,6 Prozentpunkte mehr als berlinweit.

Doch die Werte klaffen weit auseinander: Rund um das Tempelhofer Feld konnte die AfD mit 7,6 Prozent nur unterdurchschnittlich punkten. In zwei Wahlkiezen in Pankow (1 C) und Marzahn-Hellersdorf (1H) wurde sie dagegen stärkste Kraft. Anfang September lebten noch rund 38.000 Menschen berlinweit in Flüchtlingsunterkünften – also nur 0,1 Prozent der Einwohner Berlins.

Nichtwähler:

Auch wenn es dieses Mal lange Schlangen vor den Wahllokalen gab: In 578 der 653 Wahlkieze sind die Nichtwähler mit 34,3 Prozent erneut stärkste Kraft sind geworden – wenn man sie als eine Partei betrachtet. In nur 75 Wahlkiezen konnte sich eine einzelne Partei gegen die Wahlverweigerer behaupten.

Der berlinweite Wahlsieger SPD ist eigentlich nur von 14 Prozent aller Berliner Wahlberechtigten gekürt worden – gefolgt von der CDU mit 10,7 Prozent, der Linken (10,6 Prozent) und den Grünen (9,7 Prozent). Die AfD wäre nach dieser Rechnung mit 9,3 Prozent auch im Parlament.

Wechselwähler:

In 250 der 653 Wahlkieze haben die Wähler für einen Wechsel gestimmt: Dort wurde eine andere Partei stärkste Kraft als bei der letzten Abgeordnetenhauswahl im Jahr 2011. Auf der Überholspur waren besonders die Linken – und die AfD. Insbesondere in östlichen Kiezen der Stadt verdrängte sie CDU - und auch die Linke, die dort wiederum oft die SPD überholte. Im Westteil konnte vielerorts die SPD die CDU überholen.

Mieten:

In 90 Wahlkiezen (meist in der Innenstadt) lagen die Angebotsmieten innerhalb der letzten eineinhalb Jahre bei mehr als 10 Euro kalt. Offensichtlich können sich dies die Wähler der Grünen am ehesten leisten. Insgesamt kamen sie in diesen Gegenden auf 25,2 Prozent (SPD: 19,2 Prozent, Linke: 18 Prozent, CDU: 13,3 Prozent, FDP: 8,2 Prozent). Die AfD scheint keine City-Partei zu sein – und kommt auf unterdurchschnittliche 7,7 Prozent, kann auch keinen einzigen dieser Wahlkieze holen.

>>>Hier kommen die AfD-Stimmen in Berlin her<<<

Besserverdiener:

Berlins Besserverdiener setzen auf die CDU. Rechnet man die Ergebnisse aller Gegenden zusammen, in denen die Berliner im Durchschnitt mehr als 25.000 Euro netto im Jahr verdienen, führt sie insgesamt mit 27,2 Prozent. Doch auch die FDP wird ihrem Ruf als Partei für Menschen mit etwas mehr Geld gerecht – und kann dort mit 13,9 Prozent punkten.

Dem Durchschnittsberliner stehen jährlich rund 20.400 Euro netto zur Verfügung. Doch die Kaufkraft ist ungleich verteilt. Die große Mehrheit aller Wahlkieze der Besserverdiener liegt im Westteil der Stadt. Die Linke kann hier kaum punkten und kommt gerade einmal auf 7 Prozent. Die AfD erzielt unterdurchschnittliche 11,1 Prozent, siegt aber im östlichen Rahnsdorf. Dort wohnt ihr Spitzenkandidat Georg Pazderski.

Hartz IV:

In den 59 Kiezen mit den meisten Langzeitarbeitslosen ist die SPD der Wahlsieger (23,3 Prozent), vor AfD (16,7) und Linken (15,7). Die FDP mit 4,5 Prozent fällt durch. Dort bezieht mindestens jeder Dritte unter 65 Hartz-IV-Leistungen.

Airbnb:

In den Kiezen, in den besonders viele Wohnungen bei Airbnb angeboten werden (mehr als fünf Angebote auf 1000 Einwohner), konnten insbesondere die Grünen (28,3 Prozent) punkten. Allerdings sind sie hier auch traditionell stark. Alle liegen in angesagten Vierteln innerhalb des S-Bahn-Rings. Und sie gelten als fremdenfreundlich: Die AfD kommt hier insgesamt auf unterdurchschnittliche 6,3 Prozent.

Knappes Ergebnis bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin:

Fünf Parteien innerhalb von 7,4 Prozentpunkten - so eng wie diesmal in Berlin lagen in Deutschland noch nie so viele Parteien bei einer Landtags- oder Bundestagswahl zusammen. In 21 der 653 Wahlkieze war das Rennen besonders knapp. Hier lagen die beiden erstplatzierten Parteien nur bis zu fünf Stimmen auseinander. In Wahlkiez 1A in Reinickendorf war es nur eine Stimme, die der SPD den Sieg vor der CDU brachte – in Wahlkiez 6A in Steglitz-Zehlendorf ergab sich ein Patt zwischen den beiden Parteien.

So reagieren Parteimitglieder auf das erste Wahlergebnis
So reagieren Parteimitglieder auf das Wahlergebnis
( dmr )