Umstrittene Schau

So will Gunther von Hagens' Menschen Museum überleben

Das Tauziehen um das umstrittene Berliner Menschen Museum geht in eine nächste Runde. Es gibt einen neuen Träger und neue Exponate.

Gunther von Hagens baut die Ausstellung im Menschen Museum um. Damit soll eine drohende Schließung abgewendet werden

Gunther von Hagens baut die Ausstellung im Menschen Museum um. Damit soll eine drohende Schließung abgewendet werden

Foto: Dirk Lässig / BM

Wo vorher der Bogenschütze stand, ist heute der Hochspringer. Ein Spitzentänzer hat zwei Athleten ersetzt: Im Menschen-Museum am Fernsehturm ist vieles neu. Nicht nur Plastinate wurden ausgetauscht, auch der Betreiber der Körperwelten-Ausstellung hat gewechselt. Das in Heidelberg ansässige Institut für Plastination hat den Museumsbetrieb von der Art & Sciences Berlin GmbH übernommen. Damit hoffen die Initiatoren des Museums – Plastinator Gunther von Hagens und seine Ehefrau und Kuratorin Angelina Whalley – alle Anforderungen des Oberverwaltungsgerichtes erfüllt und eine Schließung abgewendet zu haben.

Im Dezember 2015 hatte das Gericht entschieden, dass das Museum eine Genehmigung für den Betrieb braucht. Die aber verweigert Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD). Er folgt der Argumentation des Richters, dass es sich bei den Plastinaten um Leichen im Sinne des Berliner Bestattungsgesetzes handelt. Damit unterliegen sie seiner Ansicht nach einem Ausstellungsverbot. Bemängelt wurde zudem vom Gericht, dass die Herkunft der Präparate nicht zurückzuverfolgen sei und das Museum privatwirtschaftlich und nicht von einem wissenschaftlichen Institut betrieben werde.

Neuer Betreiber ist das Institut für Plastination

Das Gericht habe aber die Ausstellung nicht grundsätzlich verboten, hält Rurik von Hagens, Sohn des Museumsgründers und Geschäftsführer, entgegen. Auch das Berliner Bestattungsgesetz sehe Ausnahmen vor, zum Beispiel bei wissenschaftlichen Zwecken. Das Menschen-Museum sei eine populärwissenschaftliche Ausstellung, die mittlerweile von einem anatomischen Institut betrieben werde. Damit sei keine Genehmigung mehr nötig.

Aufgehoben wurde auch die Anonymität der Körperspender. Nach dem Urteilsspruch seien jetzt alle Präparate mit einem Chip versehen, der Rückschlüsse auf die Herkunft des Spenders zulasse, sagt Kuratorin Angelina Whalley. Im Institut für Plastination in Heidelberg haben sich bis heute 16.000 Körperspender registrieren lassen.

Die Ausstellungsmacher reagierten mit den Änderungen nicht nur auf das Gerichtsurteil, sondern auch auf eine Verfügung vom 22. August, in der Christian Hanke die Schließung fordert. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass für den Betrieb des Museums ein Antrag gestellt werden muss“, sagt Hanke am Montag der Berliner Morgenpost. Er warte jetzt noch die Anhörungsfrist ab. Sie endet seiner Kenntnis nach am 1. September.

Innerhalb von vier Wochen sind 3000 Unterschriften für den Erhalt des Menschen-Museums zusammengekommen, auf der Onlineplattform Change.org haben sich weitere 4200 dafür ausgesprochen. „Lehrreich“ ist der häufigste Kommentar der Unterzeichner. In der Ausstellung sind 17 Ganzkörperplastinate und etwa 200 anatomische Exponate zu sehen.